Freizügige Frauen und rüstige Rentnerinnen

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Diese Schlümpfe feierten den 50. Geburtstag ihrer „Artgenossin“ Gisela Schulte. ▪

KIERSPE ▪ Sketche mit großer Bandbreite sorgten auf dem Frauenkarneval der Katholischen Gemeinde St. Josef für Stimmung. Die Frauen des Kiersper Schützenvereins hatten von ihrer Haftanstalt Mittwochabend frei bekommen und waren in ihrem Arbeitsdress erschienen.

Räubernde Piraten verließen für diesen Abend ihr Schiff und eine große Gruppe Meinerzhagener und Kiersper Schlümpfe feierte gemeinsam den 50. Geburtstag ihrer Artgenossin Gisela Schulte fröhlich im Gemeindehaus St. Josef. Die katholische Gemeinde St. Josef hatte am Mittwoch wieder zu ihrem Frauenkarneval ins Gemeindehaus eingeladen und die Veranstaltung war ausverkauft.

Schon um 19.11 Uhr ging der Stimmungspegel merklich in die Höhe, als alle Akteurinnen mit der Stadtkapelle Kierspe in den Saal einzogen und sich bei Karnevalsliedern warm sangen und schunkelten. Christa Kluth berichtete im Anschluss, wie schwierig es für sie sei, die ganzen Pins und Passwörter zu behalten, ob von ihrer Scheckkarte oder ihrem Handy. Letztens habe sie – schon ganz verwirrt – ihr Passwort in die Mikrowelle eingetippt wollte.

Orangenhaut, welche Frau macht sich um dieses Thema keinen Kopf. Vier Frauen – erst in Bademänteln noch züchtig verhüllt – jedoch später alle ihre Vorzüge zeigend, hatten dieses Thema nach langer Leidenszeit abgehakt. Agnes Kasulke aus dem Pott, gespielt von Beate Schölzel, hatte ganz andere Sorgen. Sie war emotional sehr mit ihrem Erwin beschäftigt, von dem sie so manches Döneken berichtete.

Und dann kamen sie. Die Meinerzhagenerinnen des Sing- und Spielkreises als Alt-Herren-Ballett. Voran mit einem Rollator, auf Krückstöcke gestützt, bewegten sie sich langsam und vorsichtig auf die Bühne. Doch Bewegung tut gut: Mit jeder Minute ihres Auftritts wurden sie gelenkiger, bis sie sogar fast alle „einzwängenden“ Hüllen fallen ließen und ausgelassen tanzten – wenn auch nur für zwei Minuten.

„Ich bin der Mann von dem man träumt“, ein Lied, wie für Pastor Gregor Myrda auf den Leib geschrieben. So dachten auch die Frauen im Saal und ließen ihn nicht ohne Zugabe von der Bühne gehen. Was sich in einem Wartezimmer in den Köpfen der Patienten abspielen kann, zeigte der folgende Programmpunkt. Der Besuch einer Arbeitsagentur, die völlig auf Personal verzichtet und bei der nur noch durch Automaten gesprochen wird, warf einen Blick auf das, was noch kommen kann.

Melanie Mohn als Bordsteinschwalbe, an eine Laterne gelehnt, zog das Interesse der männlichen Gäste auf sich, die sie mit Geld locken wollten – aber nicht konnten. Nur als Pastor Myrda mit einem 500-Euro-Schein winkte, wurde sie schwach, willigte ein und war erstaunt über sein Handeln. Mit dem Tanz „Waka-Waka“ wurde der Schluss des Programmes eingeläutet, das mit dem Lied „Jede Körperzelle“ ihr Ende fand.

Die Unterhaltung fand bei diesem Karneval nicht nur auf der Bühne statt. Jürgen Hardes sorgte zwischen den Programmpunkten mit Karnevalsliedern dafür, dass die Frauen auch in Bewegung kamen. Sie schunkelten oder zogen mit einer Polonaise durch das „närrische“ Gemeindehaus.

Auch nach dem Ende des Programms wurde weiter gefeiert. Heute um 19.11 Uhr treffen sich Frauen wie Männer, um Karneval zu feiern. Auch diese Veranstaltung ist bereits ausverkauft, sehr zur Freude der Organisatorinnen. ▪ Gertrud Goldbach

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