Freiheitsstrafe für Betrüger

„Frauen stehen auf Uniform“: „Vorzeige-Charmeur“ muss hinter Gitter

Symbolbild: Ein Bundeswehrsoldat steht mit dem Rücken zur Kamera.
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Symbolbild

„Frauen stehen auf Uniformen. Da kriegt man Avancen.“ Das wusste der obdachlose Mann (49) genau. Und präsentierte sich auf einer Single-Plattform im Internet. Dann zog er los, der angebliche Oberstabsfeldwebel, adrett in Uniform, Bundeswehrrucksack auf dem breiten Rücken – und stürzte verliebte Frauen gleich reihenweise ins Unglück. Und in finanzielle Probleme. Das Schöffengericht legte dem Hochstapler jetzt vorläufig das Handwerk: zwei Jahre und zehn Monate Gefängnis stehen ihm bevor.

Lüdenscheid - Amtsrichter Andreas Lyra spricht von einem „außergewöhnlichen Sachverhalt“. Und davon, dass man angesichts des Leids der gutgläubigen Frauen „tatsächlich richtig böse wird“. Zu einem Großteil hat der Angeklagte sein übles Treiben längst eingestanden.

Die Richter wollen drei der Zeuginnen trotzdem vernehmen und sich ein möglichst umfassendes Bild machen. Am Ende attestiert Lyra dem Mann: „Sie haben Ihr ganzes Leben auf Lügen aufgebaut.“

Gericht in Lüdenscheid eckt perfides Tatmuster auf

Die Beweisaufnahme offenbart ein perfides Tatmuster. Es funktioniert bei der Altenbetreuerin (53) in Plettenberg, bei der 47 Jahre alten Krankenschwester in Witten und bei einer 42-jährigen Postbotin in Köln. Ein bisschen hin und her schreiben, ein spontaner Besuch bei der vermeintlich Angebeteten, ein Flirt – und am besten sofort bei ihr einziehen.

Sie geht normal arbeiten, er schmeißt den Haushalt, erschleicht sich ihr Vertrauen und fängt an, ihr Konto abzuräumen oder Wertsachen zu klauen. Wenn alles aufzufliegen droht – einfach spurlos verschwinden.

Damit das klappt, tritt der Täter unter falschem Namen auf und bastelt sich abenteuerliche Legenden zurecht. Er gibt sich als Berufssoldat aus, als ehemaliger Fremdenlegionär, als staatlicher Geheimnisträger mit zwei Identitäten.

In Wirklichkeit ist er ein haftentlassener, wohnungs- und arbeitsloser Schwadroneur, Vater von acht Kindern aus mehreren Beziehungen. Doch seine Opfer glauben zunächst fest an die große Liebe. „Er war ein Vorzeige-Charmeur“, sagt eine Zeugin unter Tränen.

So gelingt es ihm in Plettenberg, nach und nach 4550 Euro vom Konto der 93-jährigen Tante der Altenbetreuerin abzuheben. In Witten leiht er sich den VW Polo der Mutter seiner Geliebten – stiehlt den Fahrzeugbrief und verhökert den Wagen auf einem Supermarktparkplatz.

Und als die Beziehung mit der Postbotin endet, vermisst sie ein Smartphone und eine teure Kamera. Auch vor Spardosen von Kindern seiner Opfer schreckt er nicht zurück. Einmal verkauft er die Playstation-Konsole und Spiele der Kinder der Krankenschwester.

Schulden und tiefe seelische Verletzungen

Die Frauen bleiben mit einem Berg Schulden und tiefen seelischen Verletzungen zurück. Noch bevor er Eine verlässt, hat er per Internet schon mit der Nächsten angebandelt – und alles beginnt von Neuem. Richter Lyra wird deutlich: „Sie haben es von vornherein darauf angelegt, die Frauen zu bescheißen.“

Die Ausflüchte des 20fach Vorbestraften – fünf Frauen hatte er bereits ausgeplündert – klingen halbgar. Er habe sich nach der Haftentlassung ein neues Leben aufgebaut. Aber eine polizeiliche Durchsuchung zu Hause habe alles kaputt gemacht. Sein Ton wird weinerlich: „Da war alles wieder weg – Wohnung, Frau, Sohn, Arbeit.“ Seine „enorme kriminelle Energie“ (Lyra) trieb ihn weiter an.

Strafverteidiger Dominik Petereit hat dem Antrag des Staatsanwalts nichts entgegenzusetzen und bezeichnet die Taten seines Mandanten als „nicht entschuldbar“.

Der Vorsitzende Richter macht in seiner Urteilsbegründung aus seiner Unsicherheit keinen Hehl. „Es könnte sein, dass es bei Ihnen noch erheblich mehr solcher Fälle gibt.“

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