Geschlechterdebatte

Frauen einig: „Unsere Männer müssen zu allem gezwungen werden“

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Frau mit Säugling (Symbolbild).

Lüdenscheid – „Wenn eine Frau eine Schwangerschaft abbrechen will, ist das so. Dann muss kein Gesetz mehr greifen." In Lüdenscheid machten Frauen eine Bestandsaufnahme zum Thema Gleichberechtigung - mit eindeutigem Ergebnis. 

Überdauernde Rollenbilder, geringerer Lohn für gleiche Arbeit und Klagen über Sexismus in Werbung und Alltag – dass die volle Gleichberechtigung der Frau mitunter nur auf dem Papier existiert, dürfte angesichts von Statistiken und persönlicher Erfahrungsberichte kaum ernsthaft bestreitbar sein. Vor diesem Hintergrund stand am Wochenende eine Veranstaltung zum Internationalen Frauentag an. Eingeladen hatte die Gleichstellungsstelle der Stadt. Knapp 50 Gäste waren im Kulturhaus erschienen, darunter auch einige wenige Männer.

Geprägt sein sollte der Abend in erster Linie von zwanglosen Gesprächsrunden. Allerdings mit viel Substanz. In diesem Sinne äußerte sich Lüdenscheids Gleichstellungsbeauftragte Renate Mengedodt im LN-Gespräch. Sie setzt außerdem darauf, dass in Folge der Zusammenkunft „vielleicht neue Kontakte und Netzwerke entstehen könnten“. Der Titel der Veranstaltung: „100 Jahre Frauenwahlrecht und jetzt?“ Tenor der Äußerungen und Diskussionen bei dem Treffen: Bis zur wirklichen Gleichberechtigung ist es noch weit. Und nichts passiert von allein.

So sieht es auch Vize-Bürgermeisterin Verena Kasperek, die das Publikum zusammen mit Mengedodt und Kulturhausleiterin Rebecca Egeling begrüßte. Dabei lieferte sie einen kurzen Abriss zur Geschichte der Frauenbewegung. Kasperek zum Frauenwahlrecht und zur zumindest formalen Gleichberechtigung: „Der Weg dorthin war immer ein Kampf.“ Und der gehe weiter. So würden etwa bedeutende Leistungen von Frauen bis in die Gegenwart häufig verschwiegen. Kasperek in Richtung Männerwelt: „Männer müssen uns Frauen die Welt nicht erklären. Das können wir ganz alleine. Freiwillig geschieht aber nichts. Unsere Männer müssen leider zu allem gezwungen werden.“ Kasperek zum Thema Abtreibung: „Wenn eine Frau eine Schwangerschaft abbrechen will, ist das so. Dann muss kein Gesetz mehr greifen.“

Es gab viel zu bereden: Verena Kasperek, Rebecca Egeling und Renate Mengedodt (rechtes Bild, von rechts) begrüßten das Publikum. Dann folgten Diskussionsrunden.

Um diese und andere Themen kreisten im Anschluss auch die Gedanken an den verschiedenen Gesprächstischen. Es ging um Gewalt gegen Frauen, um Arbeitsbedingungen und die politische Beteiligung von Frauen. Die Liste ließe sich fortsetzen. Als Ansprechpartnerinnen und Impulsgeberinnen fungierten dabei gleich mehrere Fachfrauen. So Mengedodt und Egeling, die heimische Gewerkschaftschefin Gudrun Gerhardt, Claudia Reindl von der Frauenberatungsstelle und auch Dr. Gudrun Benkhofer. Die vielfach engagierte Lüdenscheider Ärztin sprach an diesem Abend für das „Aktionsbündnis 8. März“, eine Gruppe, die sich für Frauenrechte einsetzt und jüngst aus dem Lüdenscheider „Bündnis gegen Rechts“ hervorgegangen ist.

Der übrige Abend gehörte dann der Kultur. Soll heißen: Es ging gemeinsam ins Theater. Das im Kulturhaus gezeigte Stück „Jackie“ – es thematisiert das Schicksal von Jacqueline Kennedy Onassis – drehte sich dabei ebenfalls um Frauenbilder und Männerdominanz.

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