Rhodesian Ridgeback offenbar betäubt

Frau trägt Ehemann zu Grabe - vorher sagt sie zum Hund "Pass gut auf"

Erika Götte (78) ist fassungslos. Während sie ihren Ehemann Karl Wilhelm Götte zu Grabe trug, schlugen die Einbrecher zu. Sie kamen durch das einzig unvergitterte Fenster und stahlen Schmuck, Bargeld und Erinnerungsstücke, wie etwa Ehrenplaketten des Oberbrandmeisters.
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Erika Götte (78) ist fassungslos. Während sie ihren Ehemann Karl Wilhelm Götte zu Grabe trug, schlugen die Einbrecher zu. Sie kamen durch das einzig unvergitterte Fenster und stahlen Schmuck, Bargeld und Erinnerungsstücke, wie etwa Ehrenplaketten des Oberbrandmeisters.

Mutmaßlich professionelle Einbrecher haben Hinterbliebene im MK geschockt. Während einer Beerdigung drangen sie ins Haus ein und machten Beute.

  • Mutmaßlich professionelle Einbrecher haben Hinterbliebene im MK geschockt.
  • Während einer Beerdigung drangen sie ins Haus ein und machten Beute.
  • Vergitterte Fenster reichten als Schutz nicht aus, ein Hund wurde offenbar betäubt.

Lüdenscheid - Es ist erst eine Woche her, doch der Schock sitzt bei Monika Götte und ihrer Familie noch genauso tief wie am Tattag: Die Scherben auf dem Fußboden, die aus dem Schrank gerissenen Kleidungsstücke, die verstreuten Unterlagen und natürlich all die Dinge, die jetzt fehlen.

Es ist der 23. Juli, als sich Monika Götte mit ihrer Schwester und ihrer Mutter Erika um kurz nach 10 Uhr auf den Weg machen. Es ist ein trauriger Gang, denn auf dem evangelischen Friedhof in Brüninghausen soll an diesem Vormittag der Vater und Ehemann beerdigt werden.

Einbruch während der Beerdigung: Fenster fast alle 

Den Hund der Schwester - einen stattlichen Rhodesian Ridgeback - lassen sie im Wohnhaus der Eltern am Sonderfelder Weg zurück. „Wir haben noch gesagt ‘Pass gut auf’, als wir aus der Tür sind“, erzählt Monika Götte...

Den Schlüssel drehen sie doppelt um und rütteln zur Sicherheit am Schloss. Beruhigt, alles gut verschlossen zu haben, machen sie sich auf den Weg.

Einbruch während der Beerdigung: Täter schnell und gründlich

„Es war alles zu. Alle Fenster bis auf ein Notfenster sind sogar vergittert“, sagt sie. Doch während die Familie, Freunde, Nachbarn und die Kameraden der Feuerwehr Karl Wilhelm Götte auf seinem letzten Weg begleiten, schlagen die Einbrecher zu.

Sie sind schnell und gründlich. Schränke und Regale werden ausgeräumt, ein Tresor mit Gewalt aus der Verankerung gebrochen, Schubladen durchwühlt und Dinge mutwillig zerstört. Bargeld, Schmuck, Kondolenzbriefe, Dokumente, sogar das Familienbuch und Erinnerungsstücke nehmen sie mit.

Einbruch während der Beerdigung: So äußert sich der Bestatter

„Als wir gegen Mittag zurück zum Haus kamen, haben wir erst vermutet der Hund könnte für das Chaos verantwortlich sein“, erzählt Monika Götte. Doch der war erst einmal gar nicht auffindbar und reagierte auch nicht auf Rufe seiner Besitzer. 

In einem verschlossenen Zimmer im Obergeschoss finden sie ihn schließlich. „Er war ein bisschen duselig. Wir vermuten, die Einbrecher haben ihn mit irgendetwas betäubt“, meint Götte.

Einbruch während der Beerdigung: Abgelegenes, verwaistes Haus

Aber wie konnte es dazu kommen, dass ausgerechnet am Tag der Beerdigung die Einbrecher kamen? Monika Götte und ihre Familie haben eine Vermutung:

„Am Samstag vorher hatten wir eine Todesanzeige in den Lüdenscheider Nachrichten geschaltet. Darin stand nicht nur unsere Adresse, sondern natürlich auch der Tag der Beerdigung. Wir wohnen hier in Leifringhausen ziemlich abgelegen, das kam den Einbrechern sicher gelegen“, fügt Götte hinzu.

Den Kleiderschrank durchwühlten die Einbrecher und sie warfen die Kleidung auf den Boden.

Eine „Katastrophe hoch drei“ nennt Thorsten Schmidt vom Beerdigungsinstitut Schmidt das, was den Göttes passiert ist. Sein Institut beriet die Familie – auch bei der Todesanzeige. 

Einbruch während der Beerdigung: Zwei Varianten für Kondolenzpost

„Wir bieten unseren Kunden immer zwei Möglichkeiten an: Entweder, sie schreiben ihre eigene Adresse in die Anzeige oder lassen sie per c/o hier zu uns ins Beerdigungsinstitut kommen“, erläutert Schmidt. Das c/o in der Adresse steht dabei für „care of“, was sinngemäß für „bei“ steht.

Thorsten Schmidt hat als Fachmann zur Adresse der Familie in Todesanzeigen eine klare Meinung: „Ich finde es schöner, wenn die eigene Adresse drinsteht. Und keine Anschrift ist auch keine Lösung“, findet er.

Einbruch während der Beerdigung: Ähnlicher Fall im Vorjahr

Trotzdem lässt er seinen Kunden die Wahl und hat Verständnis dafür, wenn die Kondolenzpost über seinen Betrieb an das Trauerhaus weitergeleitet werden soll. „Bei uns ist schließlich immer einer da.“

„Unser Familienbetrieb besteht seit 80 Jahren und erst im letzten Jahr hat es hier in Lüdenscheid einen ähnlichen Fall gegeben“, sagt er. 

Er möchte seinen Kunden keine unnötige Angst machen und wird auch weiterhin beide Möglichkeiten anbieten. „Ich denke, bei Familie Götte waren Profis am Werk. Welcher Einbrecher ist sonst darauf vorbereitet, einen großen Hund anzutreffen und den direkt zu betäuben?“, fragt er bestürzt.

Einbruch während der Beerdigung: Das ist der Rat der Polizei

Christof Hüls von der Pressestelle der Polizei bestätigt, dass Fälle wie bei Familie Götte nicht häufig vorkommen. „Adresse, Datum und Uhrzeit der Beerdigung in der Todesanzeige machen es potenziellen Einbrechern aber leicht“, sagt Hüls. 

Er rät dazu, nicht die Adresse des Trauerhauses anzugeben, sondern die Post an Verwandte oder direkt an das Beerdigungsinstitut versenden zu lassen, um die Gefahr zu minimieren.

„Es ist ein tragischer Fall und in einem so schwierigen Moment trifft einen das wie ein Schlag. Aber es ist dennoch kein Massenphänomen, sondern eher ein Zufallsprodukt“, versichert Hüls.

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