Interessenvertretung will Aufmerksamkeit wecken

Fotos zeigen gefährliche Fallen für Behinderte

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Geballte Kompetenz bei den Behindertenvertretern: Für alle Anliegen war die Zeit zu knapp. Rechts: die ehrenamtliche Behindertenbeauftragte Monika Schwanz.

Lüdenscheid - Für Blinde ersetzt der Stock die Augen. Was aber tun, wenn der Stock „Weg frei“ signalisiert, der Blinde jedoch vor die in Hüfthöhe beginnende Seitenwand einer Telefonsäule läuft? In Lüdenscheid, so beklagt Henning Schwartz (Leben mit Usher-Syndrom), sei das ein Problem.

Vorschläge zur Abhilfe lieferte er bei der Sitzung der Interessenvertretung für Menschen mit Behinderungen gleich mit: „Man könnte doch einfach einen Kunststoffbalken vorbauen.“ Den könne man mit dem Stock frühzeitig ertasten. Damit allerdings stieß er bei Dieter Rotter vom Fachdienst Bauservice auf Skepsis. „So einfach geht’s nicht“, betonte der. Schon gar nicht im Nachhinein. Man könne nicht einfach „irgendetwas“ auf den Granit kleben. Doch Hennig Schwartz ließ nicht locker. In anderen Städten sei es üblich, kleine Stopper unter die Seitenwände zu kleben. Und Dieter Rotter gab nach: „Dann fragen wir mal in anderen Städten nach.“

So kann es also gehen: Zu ihrer Februar-Sitzung hatte die Interessenvertretung für Menschen mit Behinderungen gleich drei Gäste eingeladen, die an entscheidenden Stellen sitzen. Neben Dieter Rotter waren das Martina von Schaewen (Fachdienst öffentliche Sicherheit und Ordnung) und STL-Werksleiter Heino Lange. Für sie wurde in der Gesprächsrunde besonders deutlich: Vieles, was Nicht-Behinderte kaum stört, ist für Rollstuhlfahrer, Blinde oder eingeschränkt Bewegungsfähige ein kaum zu überwindendes Hindernis oder gar eine gefährliche Falle. Falsch geparkte Autos, ungesicherte Tagesbaustellen, unterbrochene Leitlinien oder einfach nur aufgemalte Trennlinien zwischen Fahrbahn und Bürgersteig lassen manche Menschen orientierungs- und hilflos zurück. Das wurde mit Fotos eindrucksvoll belegt.

Nicht alles, auch das wurde in der Runde deutlich, lässt sich individuell lösen. Es gebe mehr als 1000 Baustellen in Lüdenscheid, die könne man nicht alle mit einer Rollstuhlrampe versehen, sagte beispielsweise Heino Lange. Aber vielleicht könne man frühzeitig mit einem Warnschild an der letzten Absenkung vor der Grube im Gehweg auf die Baustelle aufmerksam machen. Das wird nun geprüft. Thema Schneeräumung: Hier könne man nicht vorm Haus von Rollstuhl- oder Rollatorfahrern das Räumschild am Schneepflug „mal eben anheben“, damit die gerade geräumte Einfahrt nicht wieder zugeschoben werde. Da, so Lange, sei dann eben auch mal Nachbarschaftshilfe gefragt.

Falsch geparkte Autos vor der Post, fehlende Leitlinien am Sauerfeld-Fahrstuhl, steile, aber geländerlose Bereiche, viel zu weit auf den Gehweg gestellte „Kundenfänger“ vor Geschäften – die drei Gäste konnten gar nicht so schnell alles mitschreiben, wofür sich das Gremium baldige Abhilfe erhofft. Fürs Protokoll wird nun noch eine Liste zusammengestellt. Dann kann das Abarbeiten beginnen. - sum

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