Neuer Absatzmarkt

Made in Sauerland: Warum Lüdenscheid Fichten nach China exportiert

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Maßarbeit mit dem Harvester: Rund 180 Festmeter Holz wurden in sechs Übersee-Container verladen.

Lüdenscheid - Premiere: Erstmals werden Fichten aus dem Sauerland nach China exportiert. 180 Festmeter Holz machen sich auf die Weltreise. Neue Absatzmärkte sind gut, doch die Gründe dahinter sind nicht erfreulich.

Die Greifzange des Harvesters schnappt sich Baumstamm um Baustamm und schiebt sie in einen bereitstehenden Laster aus Belgien. Sechs Übersee-Container füllen sich auf diese Weise tief im Wald in der Nähe des Radarturms. 

Lüdenscheids Revierförster Marcus Teuber und seine Kollegin Julia Böning vom Forstamt Lüdenscheid verfolgen und organisieren die Arbeiten und gleichen Listen mit dem chinesischen Kunden ab. Eine Premiere – denn erstmals wird China beliefert. 

Die beladenen Container mit rund 180 Festmeter Holz werden in Antwerpen verschifft und machen sich danach auf die mehrwöchige Reise nach China. „Die Sägewerke in der heimischen Region und weit darüber hinaus sind gesättigt und können das anfallende Holz gar nicht mehr verarbeiten. Deshalb mussten wir uns neue Absatzmärkte suchen“, sagt Marcus Teuber.

Ob die Chinesen dauerhaft Kunden bleiben, werde sich zeigen. „Es kommt darauf an, ob sie mit der Qualität des Holzes zufrieden sind und sie es zur weiteren Verarbeitung nutzen können.“

Julia Böning nimmt eine Rinde in die Hand und zeigt, warum der Holzmarkt vor Ort derzeit übersättigt ist. Der Borkenkäfer hatte nach dem Orkan Friederike und der monatelangen Trockenheit ideale Bedingungen, um sich massenhaft zu verbreiten. 

„Die Qualität der Fichten ist dennoch gut.“ Aber wenn die befallenen Fichten nicht möglichst schnell aus dem Wald geholt werden, breitet sich die Borkenkäfer-Epidemie immer weiter aus. 

Wie groß das Ausmaß ist, zeigen die Zahlen, die der NRW-Landesbetrieb Wald und Holz veröffentlicht hat. Danach führte der lange Sommer 2018 zum größten Borkenkäfer-Befall seit 1947.

„Die Temperaturen waren seit April dauerhaft auf Rekordwerten. In Verbindung damit hat das massive Niederschlagsdefizit die Fichten enorm geschwächt. Die Borkenkäfer konnten sogar eine dritte Generation entwickeln. So konnte ein einziger weiblicher Käfer seit April über 100.000 Nachkommen schaffen. Normalerweise wehren sich Fichten mit Harz gegen die kleinen Eindringlinge, die darin kleben bleiben und sterben.“ 

Die Fichten seien aber durch die klimatischen Bedingungen so gestresst gewesen, dass dieser Abwehrmechanismus quasi ausgefallen sei.

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