Forscher sucht alles über die Firma Carl vom Hofe

Ein Bild um 1890: Firmengründer Carl vom Hofe mit seinem Sohn und Nachfolger Hugo.

LÜDENSCHEID ▪ Heute nahezu unbekannt ist den Lüdenscheidern die Firma Carl vom Hofe, die über drei Generationen Grubenlampen produzierte und weltweit Bergleute mit sogenannten Froschlampen versorgte. Lüdenscheid war damit schon vor 150 Jahren eine echte „Stadt des Lichts“.

Zuverlässiges künstliches Licht ohne Elektrizität herzustellen, war seit jeher eine Herausforderung, weiß Gottfried Theis, der die Geschichte der Firma Carl vom Hofe erforscht. „So nutzten Bergarbeiter im Altertum Kienspäne aus Holz, die sie an beiden Enden anzündeten und sich quer in den Mund steckten.“

Gemessen daran waren die Produkte aus Lüdenscheid nachgerade segensreich. Carl vom Hofe gründete mit seinem Partner die Werkstatt „Vom Hofe & Aufermann“ in Lösenbach und fertigte dort Froschlampen. Die mit Rüböl betriebenen Bergmannslampen waren so gefragt, dass schon nach kurzer Zeit eine Betriebsvergrößerung angezeigt war. Der Umzug an die Knapperstraße 37 brachte 1860 auch eine Neufirmierung mit sich – zur „Eisen-, Stahl-, Neusilber- und Messingwaarenfabrik Carl vom Hofe“.

Rasch erweiterte man die Vielfalt an Grubenlampen und reagierte so auf die Bedürfnisse verschiedener Bergbauregionen.

1887 wurde nach Fertigstellung eines Anbaus ein Dampfkessel zum Betrieb einer Dampfmaschine aufgestellt. Die effektivere Produktion erlaubte es, andere Erzeugnisse wie Militär-Effecten zu fertigen: Feldkaffeemühlen, eiserne, vernickelte und Aluminium-Karabinerhaken, Stahlblecheinsätze für Patronentaschen oder Karabiner-, Brotbeutel- und Tornisterhaken. Die Spezialität der Fabrik aber blieben die Gruben-, Sicherheits-, Küchen- und Kellerlampen. Neben der Binnenmarktbefriedigung wurden diese exportiert nach Frankreich, Holland, Schweiz, Rumänien, Türkei, Russland, Skandinavien sowie Süd- und Mittelamerika – Carl vom Hofe war seinerzeit ein echter „Global Player“.

1890 übernahm Carls Sohn Hugo vom Hofe das Unternehmen. Die Handelskammer Lüdenscheid meldet für die 1890er Jahre eine gute Auftragslage für Grubenlampen bei jedoch knappen Preisen. Aufgeschlossen gegenüber Neuerungen, erwarb vom Hofe 1897 die Fertigungsrechte am Reichsgebrauchsmuster D.R.G.78804 vom Bergingenieur Ark zu Grube Mühlenbach bei Ehrenbreitstein: Die Luftzuführung in den inneren Flammenkegel sorgte für helleres Licht bei gleichzeitiger Öleinsparung gegenüber herkömmlichen Froschlampen. Die bergmännische Fachpresse „Glückauf“, „Berg- und hüttenmännische Zeitung“ sowie der „Kompaß“ warben für die verbesserte Lampe.

Diese Neuerung wurde jedoch von der Erfindung der Acetylenbeleuchtung überholt. Fast zehnfach helleres Licht spendete die Karbidlampe, und so reagierte auch Hugo vom Hofe als Inhaber der „Spezialfabrik für schlagwetterfreie Grubenlampen Carl vom Hofe“ mit verschiedenen interessanten Gebrauchsmustern auf diese Veränderung. 55-jährig starb er 1919.

Seinem Sohn Carl, damals noch in Kriegsgefangenschaft, gelang es nicht, das Unternehmen zu erhalten, das 1921 erlosch. Nähere Gründe sind nicht bekannt.

Gottfried Theis, Berufsschullehrer aus Freudenberg, will mehr über Familie und Firma erfahren. Recherchen im Stadtarchiv Lüdenscheid (die LN berichteten) brachten ein wenig Licht in die Geschichte des Lampenherstellers. „Eine über 60 Jahre erfolgreiche Fabrik muss aber mehr Spuren in Lüdenscheid hinterlassen haben“, meint Theis – und appelliert an die Lüdenscheider: Jedes Puzzleteil ist ihm wichtig.

Über Hinweise auf Anekdoten, Fotos, Kataloge und Anzeigen, Gegenstände wie Werkzeuge und Lampen, Briefe und Dokumente würde sich Theis freuen. Informationen können gerne an die LN-Redaktion gehen; per Post, E-Mail (ln@mzv.net) oder telefonisch unter der Rufnummer 02351/158 209.

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