UWG fordert einfache Formulierungen in Broschüren und Flyern / Hilfe für viele Menschen

„Leichte Sprache“ für den Bus

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4-Fahrten-Ticket, Tages-Ticket ab 9 Uhr für eine oder für fünf Personen – für einfache Beschreibungen der unterschiedlichen Angebote dürfte wohl jeder Fahrgast dankbar sein.

Lüdenscheid - Verständliche Fahrgastinformationen, schnörkellose Kulturhinweise – „Leichte Sprache“ soll Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen oder Leseschwächen einfache Zugangsmöglichkeiten eröffnen. Die Verkehrsgesellschaft im Kreis Unna bietet für ihre Kunden entsprechende Flyer an. Die Kreistagsfraktion der UWG hält das für ein nachahmenswertes Beispiel.

Deshalb haben die Unabhängigen für die Sitzung des Kulturausschusses des Kreises am 4. September einen Antrag gestellt, der dieses Thema aufgreifen soll. Tenor des Beschlussvorschlages: „Die Verwaltung wird aufgefordert, Broschüren, die kulturelle Angebote betreffen, zukünftig nur noch in Leichter Sprache zu formulieren.“

Die könne vielen Bürgern in der Stadt und im Kreis helfen, sagt UWG-Geschäftsführerin Christa Kunze. Menschen mit geistiger Behinderung oder Lern-Behinderung, Personen, die nicht gut lesen und schreiben können, Senioren, Menschen mit Demenz oder Flüchtlinge.

 Kurze Sätze und eine einfache Wortwahl sind das besondere Kennzeichen: statt „Workshop“ heißt es „Arbeitsgruppe“, statt „Morgen könnte es regnen“ heißt es „Morgen regnet es vielleicht“. Weitere Beispiele: Meistens sind Ziffern leichter als Worte (10 und nicht zehn Kinder), viele kurze Sätze übersichtlicher als ein langer („Wenn Sie mir sagen, was Sie wünschen, kann ich Ihnen helfen“ wird zu „Ich kann Ihnen helfen. Bitte sagen Sie mir: Was wünschen Sie?“). Diese und viele weitere Beispiele für „Leichte Sprache“ hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales herausgebracht. 

Christa Kunze: „Inklusion und Integration sind nicht auf die Schule beschränkt. Wir müssen dem betroffenen Personenkreis den Zugang zu Informationen ermöglichen. Dabei hält sich der Aufwand in Grenzen. Leider führen lange und komplizierte Sätze immer wieder dazu, dass diese Personen – und nicht nur sie – Texte nicht verstehen, die sie betreffen.“

Auch die Märkische Verkehrsgesellschaft (MVG), so die UWG-Geschäftsführerin, könne ihre Fahrgastinformationen sicher vereinfachen. Denn mit der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) gebe es ein gutes Beispiel in direkter Nachbarschaft. Um diese Zielgruppen zu erreichen, wurde vor fünf Jahren das Projekt „Jeder-Bus“ mit einem bebilderten Flyer ins Leben gerufen, erklärt Gaby Freudenreich von der VKU. 

Gemeinsam mit den VHS-Kursen für Menschen mit Schreib- und Leseschwächen, verschiedenen Einrichtungen für geistig behinderte Menschen und der Fachagentur „Leicht gesagt – Agentur für leichte Sprache“ entwickelte die VKU drei Prospekte: „Einfach Bus fahren“ mit den Basisinformationen. Welche Busse gibt es, wo gibt es Fahrkarten. Die Resonanz auf den Flyer übertraf alle Erwartungen, sodass im gleichen Stil weitere Flyer zur Nutzung der Taxibusse und zum Thema „Sozialticket“ entstanden. 

Eine große Broschüre, vor drei Wochen mit einer Auflage von 5000 Stück erschienen, befasst sich auf 60 bebilderten Seiten mit allen Fragen rund um das Thema Bus. Aufgegriffen werden neben den Fahrplan- und Ticket-Informationen auch Fragen des Alltags: „Kann ich mein Fahrrad mitnehmen? Darf auch der Hund in den Bus? Was mache ich als Rollstuhlfahrer, wenn nicht mehr genügend Platz vorhanden ist?“ 

Die Projektleiterin weiß um den Informationsbedarf: „Ich bin mir sicher, dass die Broschüre sehr gefragt ist.“ Landrat Thomas Gemke hat bereits zugesagt, die Führungskräfte der Kreisverwaltung für dieses Thema zu sensibilisieren. Christa Kunze: „Wir sollten einfach mal anfangen. Jeder Weg beginnt schließlich mit dem ersten Schritt.“

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