Förster in Sorge: Kleine Bäume dürsten

Die Trockenheit macht den kleinen Baumsetzlingen das Leben schwer.

LÜDENSCHEID ▪ Es sind nicht die Sommer-Unwetter, die Lüdenscheids Förster Marcus Teuber Kopfschmerzen machen. Es ist vielmehr die andauernde Hitze, die von den heftigen, aber kurzen Güssen viel zu selten unterbrochen wird. Neben der anhaltenden Waldbrandgefahr gilt Teubers Sorge daher vor allem den Kleinsten: „Wir stehen im dritten Jahr der Kyrill-Nachpflanzungen, und diese jungen Bäume haben in dem trockenen Boden große Probleme mit der Wurzelbildung. Man kann sagen, sie können nicht Fuß fassen.“

Das aber entscheide gerade im ersten Sommer in freier Wildbahn über Leben oder Sterben der Mini-Bäume, die bis Mai gesetzt wurden.

Dies passierte in den von Kyrill gerupften Freiflächen – und zwar sowohl auf den 500 Hektar Stadtwald als auch in den fast fünf Mal so großen Flächen, die in privatem Besitz stehen. Marcus Teuber hatte auch diese Eigentümer über Art und Umfang der Nachpflanzungen beraten. Doch ob Laub- oder Nadelbaum, öffentlicher oder privater Grund: Bleibt es noch länger bei der Hitze, sieht der Förster schwarz für die Jungpflanzen. „Da wird viel eingehen.“

Was nicht nur deshalb schade ist, weil damit die aufwändigen Pflanzarbeiten für die Katz waren. Auch wirtschaftlich ist die Hitze ein Fiasko: „So eine Fläche aufzuforsten, kostet je nach Pflanzen zwischen 2000 und 8000 Euro pro Hektar“, weiß der Diplom-Forstingenieur.

Geld, das nun im Zweifel verloren ist. Und ob jeder der etwa 500 Waldbesitzer in und um Lüdenscheid die Reserven hat, um die Wiederaufforstung der Kyrill-Flächen dann eben im nächsten Jahr fortzusetzen, ist laut Teuber keineswegs sicher.

Das ist auch ein Rückschlag im Kampf um den Schutz der heimischen Wälder vor den nächsten großen Stürmen. Denn die Schneisen, die Orkan Kyrill in der Nacht zum 19. Januar 2007 riss, bieten seinen Nachfolgern jetzt zusätzliche Angriffsflächen.

Gegen Kyrill war das jüngste Sturmtief Olivia nur ein laues Lüftchen, jedenfalls, was die Schäden im Stadtwald angeht. „Es lag viel Astwerk auf den Wegen, einige Kronen hat‘s erwischt, insgesamt sind wir aber glimpfich davongekommen“, bilanzierte der Stadtförster. ▪ hgm

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