Dauerproblem Borkenkäfer

Förster schlägt Alarm: Diese Wälder im MK sterben aus

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Keine Nadeln und braun statt grün: So sind tote Fichten zu erkennen. Auch für den Laien sind diese sichtbar.

Lüdenscheid - Das Baumsterben geht weiter. Der Borkenkäfer zerstört die heimischen Fichten. Die Ausmaße nehmen immer größere Formen an. 

Es sind riesige Maschinen, die derzeit in den Wäldern Lüdenscheids eingesetzt werden. Der Grund: Im dritten Jahr in Folge befällt der Borkenkäfer vor allem die heimischen Fichten. Auf enormen Flächen stehen Bäume, die durch den Borkenkäfer getötet werden. 

Statt des gewohnten Waldbildes von Bäumen mit grünen Blättern, müssen sich Spaziergänger, Jogger und auch der Förster zunehmend an den Anblick von braunen Überresten der Bäume gewöhnen. „Das ist die nachhaltigste und tiefgreifendste Katastrophe nach dem 2. Weltkrieg“, sagt Marcus Teuber, Leiter des Forstbetriebsbezirkes Lüdenscheid. 

Wälder im MK bedroht: Fehlender Niederschlag durch Dürre

Das große Problem ist die in den vergangenen Jahren besonders im Frühjahr herrschende Dürre. „Die Fichte braucht vor allem im Frühjahr den Niederschlag. In den letzten drei Jahren war das einfach zu wenig“, sagt Teuber und belegt die Auswirkungen der Dürre und des daraus resultierenden Befalls des Borkenkäfers mit Zahlen: „Eine gesunde Fichte kann 400 Angriffe des Borkenkäfers pro Tag abwehren. Durch die Dürre sind es jetzt nur noch etwa 40.“ 

Insgesamt acht dieser Maschinen fällen momentan in den Lüdenscheider Wäldern die toten Fichten.

Doch wie kann ein Baum einen Angriff des Borkenkäfers abwehren? Teuber erklärt: „Der Baum harzt den Käfer praktisch ein. Sobald der Käfer den Baum befällt, wird er vom Baum mit Harz umwickelt und so abgetötet.“ 

Befall des Borkenkäfers hat dramatische Ausmaße

Schaut man sich die Entwicklung des Baumsterbens der vergangenen drei Jahre an, wird deutlich, welch dramatische Ausmaße der Befall des Borkenkäfers angenommen hat. „Im Jahr 2018 wurden hier in Lüdenscheid 20.000 Festmeter Holz geerntet. 2019 waren es schon 30 bis 35.000 Festmeter. Stand jetzt liegen wir bei 50 000 Festmetern“, sagt Teuber. Im Endeffekt rechne er mit ungefähr 260.000 Festmeter, die gefällt würden. 

Marcus Teuber zeigt, wie es hinter der Rinde einer vom Borkenkäfer befallenen Fichte aussieht. Klar zu sehen sind die Wege, die sich der Käfer durch das Holz gebahnt hat.

Da stellt sich die Frage, wem diese ganzen Fichten gehören und wer für die Fällung der Bäume bezahlt? „Insgesamt gibt es in Lüdenscheid 135 Waldbesitzer. Die bezahlen auch für die Beseitigung der toten Bäume“, verrät der Förster. Vor dem Befall durch den Borkenkäfer war Waldbesitz ein rentables Geschäft, wie Teuber sagt: „Da wurde ein Wald gefällt oder verkauft, um sich ein neues, teures Auto zu kaufen, die Scheidung zu bezahlen, oder in den Urlaub zu fliegen. Mittlerweile kann und will keiner mehr mit dem Holz einen großen Gewinn machen. Es geht nur noch um die schwarze Null.“ 

Angst um die Natur hat Teuber zumindest langfristig nicht. Er gehe davon aus, dass sich eine ganz andere Vegetation herausbilden werde. „Der Lebensraum der Tiere wird vernichtet, und es wird wohl in den nächsten 50 Jahren keine zusammenhängenden Fichtenwälder mehr geben, aber die Natur hat eine große Selbstheilung.“ 

Interessanterweise resultiert aus dem höheren Holzaufkommen kein Preisverfall für den Endverbraucher. „Der Holzpreis ist zwar von 100 auf 30 Euro gesunken. Beispielsweise im Baumarkt sind die Preise aber stabil geblieben.“ Eine Begründung hat er dafür auch: „Die Sägewerke halten die Preise stabil, weil sie in den nächsten Jahren deutlich weniger Holz zur Verarbeitung haben werden."

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