Flutopfer aus MK warten: Soforthilfe nicht immer „sofort“

hochwasser brügge
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Kemal Ugur und seine Frau wurden vom Hochwasser schwer getroffen. Am vergangenen Mittwoch hatten sie eine Soforthilfe beantragt, bis zum Montagnachmittag hatten sie nach eigenen Angaben noch keine Rückmeldung erhalten.

Das Hochwasser hat bei vielen Menschen großen Schaden angerichtet. Die Lüdenscheider, die von dem Hochwasser existenzbedrohend geschädigt wurden, haben die Möglichkeit, Soforthilfe bei der Stadt zu beantragen.

Lüdenscheid – Laut der Pressestelle der Stadt wurden 76 Anträge von geschädigten Lüdenscheidern gestellt, von denen bereits 40 bewilligt und ausgezahlt seien (Stand 2. August). Die Bearbeitungsdauer sei teilweise abhängig vom Stadtteil. Gerade im Lüdenscheider Ortsteil Brügge gab es große Schäden zu verzeichnen. So würden Anträge, die aus Brügge eingehen, innerhalb von ein bis zwei Tagen bewilligt, weil die Not dort besonders groß sei. Dort könne man sich sicher sein, dass die Leute tatsächlich in existenzbedrohender Lage sind. Andere Anträge würden ungefähr nach einer Woche bewilligt.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl72.313 (Stand: 31.12.2019)

„Die meisten Anträge kommen ganz eindeutig von der Volme- und Versestraße“, erklärt eine Pressesprecherin. An der Volmestraße wohnt auch Familie Ugur. Die Eheleute wurden von der Flut sehr hart getroffen, während sie sich noch im Urlaub befanden. Sie kehrten auf schnellstem Wege zurück, doch zu retten war nichts mehr. Sie haben beide Autos verloren, die nun Totalschäden sind. Ihr Haus und ein Gartenhaus hatte Familie Ugur erst vor anderthalb Jahren renoviert und modernisiert.

Flutopfer aus MK warten: Gebäudeschäden von bis zu 250.000 Euro

Nichts blieb von der Flut verschont. Über eine Elementarversicherung verfügt das Ehepaar nicht. Cemal Ugur sagt: „Neulich war ein Maurer hier. Er hat die Gebäude auf 250.000 Euro Schaden geschätzt.“ In den Gebäuden breitet sich bereits Schimmel aus.

Auch die Ugurs haben vergangenen Mittwoch Soforthilfe bei der Stadt beantragt. Rückmeldung dazu hätten sie allerdings nicht erhalten. Über eigenen Strom verfügen sie immer noch nicht. Von einem Nachbarn werden sie über ein Kabel mit Strom versorgt. Und das Ehepaar wohnt nicht alleine dort. „Ich weiß nicht mehr, was ich unserer Mieterin sagen soll“, erklärt Fadime Ugur verzweifelt. Ihr Mann sagt: „Wenn wir endlich die Soforthilfe bekommen, benötigen wir wieder eine neue Waschmaschine und andere technische Geräte, die zerstört wurden.“

Auch die Kfz-Werkstatt Kenan von Kenan Demirtas wurde schwer vom Hochwasser getroffen. Demirtas beantragte Soforthilfe. Er bekam innerhalb von einer knappen Woche 5.000 Euro. Das Wasser in seiner Werkstatt hatte circa zwei Meter hoch gestanden. Es zerstörte Autos, ebenso wie viele teure Werkzeuge. Auch ein kleiner Gabelstapler und zwei Schweißgeräte konnten nicht gerettet werden. Insgesamt sei die Werkstatt ein Totalschaden.

„Ich werde weiter kämpfen“, verkündet der Eigentümer. „Ich hoffe, dass noch mehr Hilfe kommt. Ich bin dankbar für die 5.000 Euro, doch der Schaden hier beläuft sich auf mindestens 300 000 Euro, wenn man die Autos nicht dazu zählt.“ Er hat ebenfalls keine Elementarversicherung abgeschlossen. „Ich arbeite hier seit 35 Jahren. So etwas ist noch nie passiert. Mit dem Hochwasser habe ich nicht gerechnet.“

Nach der Katastrophe sei ein Versicherungsvertreter bei ihm gewesen und habe ihm eine Elementarversicherung angeboten. Demirtas sagt heute: „Ich wünschte nur, das wäre früher geschehen.“

Von Fabienne Schwarzer

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