Ansturm aufs Lüdenscheider Bürgeramt

Wochenlanges Warten kein Einzelfall: Stadt reagiert auf Terminanfragen-Flut

Ins Lüdenscheider Bürgeramt kommt man derzeit nur mit einem Termin.
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Ins Bürgeramt kommt man derzeit nur mit einem Termin - wenn man denn einen bekommt.

„Extrem viele Terminanfragen“, Mitarbeiter im Homeoffice und weitere in der Einarbeitung: Wer derzeit einen Termin im Bürgeramt buchen möchte, muss sich in Geduld üben. Nun hat die Stadt Lüdenscheid reagiert.

Lüdenscheid - Wie schwierig es derzeit ist, einen Termin im Bürgeramt zu bekommen, davon berichtete kürzlich eine Leserin, die wochenlang vergeblich versucht hatte, ihren Personalausweis verlängern zu lassen. Dass sie kein Einzelfall war, machten nicht nur die Reaktionen in den sozialen Netzwerken deutlich, sondern auch die Zuschrift einer weiteren Leserin: „Ich bin völlig verärgert über die Situation im Bürgeramt“, schreibt Viviane Weiland.

Mit ihrem Partner, einem Iserlohner, sei sie im April in Lüdenscheid zusammengezogen. Seitdem versuchten auch sie vergeblich, einen Termin zu bekommen – sowohl telefonisch als auch über die Homepage. „Ummelden, meinen Personalausweis verlängern, den Kfz-Schein ändern und mein Nebengewerbe ummelden – wir wollten gerne alles in einem machen. Aber es ist uns bislang nicht gelungen, einen Termin zu vereinbaren“, schildert Viviane Weiland im Gespräch.

Grundsätzlich sei sie niemand, die sich schnell beschwere. Sie habe auch Verständnis für die besondere Zeit in der Corona-Pandemie. Aber: „Ich weiß, dass es in anderen Kommunen besser funktioniert, weil das Personal nicht ins Homeoffice geschickt wurde.“ Ihre Kritik will sie keinesfalls an den Mitarbeitern verstanden wissen, sondern vielmehr am System um sie herum.

Wie sieht es mit der Anmeldung eines Neugeborenen aus?

„Was mich schon beruhigt hat, war die Aussage eines Mitarbeiters der Stadt, dass ich keine Strafe für verspätetes Ummelden befürchten müsste, weil ja alle wüssten, wie schwer es momentan sei. Allerdings hilft mir das im Moment natürlich auch nicht weiter.“ Während sie die Ummeldung des Nebengewerbes mittlerweile per E-Mail erledigen konnte, sorgt sich die junge Frau jedoch noch um ein weiteres Problem: Denn Ende Juni/Anfang Juli erwartet das Paar Nachwuchs: „Wie lange soll ich denn warten, um mein Kind dann anzumelden, vor allem, wenn es auch bei den anderen Ämtern Fristen gibt, beispielsweise fürs Kinder- oder Elterngeld. Denn dafür ist ebenfalls die Urkunde vom Standesamt nötig“, schreibt sie.

Doch zumindest in dieser Angelegenheit kann Stadtsprecher Sven Prillwitz die werdende Mutter beruhigen: „Das Standesamt kann über die Homepage der Stadt direkt angeschrieben und um einen Termin gebeten werden. Damit wird auf jeden Fall sichergestellt, dass das Baby fristgerecht angemeldet werden kann“, betont Prillwitz und verweist darauf, dass es sich hierbei um zwei verschiedene Verfahren handelt.

Neues Online-Formular erleichtert Kontaktaufnahme

Gleichzeitig verweist er auf Neuerungen, die die Verantwortlichen der Verwaltung als Reaktion auf die zahlreichen Terminanfragen bereits in der vergangenen Woche umgesetzt haben: Über die Internetseite des Bürgeramtes wurde ein neuer Link zu einem Online-Formular freigeschaltet – und zwar in Bezug auf einen Terminwunsch für die Beantragung von Ausweis- und/oder Passdokumenten. Über dieses Kontaktformular lässt sich direkt anwählen, welche Leistung man benötigt.

Wer einen anderweitigen Service in Anspruch nehmen möchte, klickt auf „Terminwunsch“. Auf diesem Weg geht es zu einem ebenfalls neuen Online-Formular, bei dem die Bürgerinnen und Bürger auswählen können, welchen Fachdienst sie kontaktieren wollen. Außerdem müssen sie ihr Anliegen kurz erklären.

„Damit vereinfachen wir den E-Mail-Verkehr zwischen den Kunden und dem Bürgeramt“, betont Prillwitz. „Und die Mitarbeiter sehen mit einem Blick, um was es geht und melden sich daraufhin zurück.“ Seit einer Woche sei dieser Link online und werde seitdem vielfach genutzt. „Wir bekommen viele Anfragen über das neue Formular. Und die Bürger müssen dadurch nicht mehr in der Warteschleife hängen.“

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