Unmut über Ruhestörungen

Flüchtlingsunterkunft: Anwohner fühlen sich von Polizei alleingelassen

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Rund 100 Anwohner nahmen an der zweiten Info-Veranstaltung zur Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Gmeiner-Schule teil und machten ihrem Unmut über Ruhestörung Luft.

Lüdenscheid - Die Hilfsbereitschaft ist groß – die aktuellen Probleme auch: Bei der zweiten Informationsveranstaltung zur Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Hermann-Gmeiner-Schule machten Anwohner im Gemeindezentrum Rathmecke-Dickenberg ihrem Unmut über Lärmbelästigung und Ruhestörung Luft.

„Die Anwohner stecken arg zurück“, so eine Anwohnerin. „Die Veränderungen sind schon da, sie kommen nicht erst auf uns zu. Wir haben viele Einschränkungen hingenommen ohne zu klagen.“ Ihr Appell an die Öffentlichkeit: „Dass uns auch jemand versteht!“

Von nächtlicher Ruhestörung durch mutwillig ausgelösten Feueralarm, manchmal mehrmals in der Nacht, Lärmbelästigung und Schmutz durch Alkoholkonsum und Provokationen war die Rede. Auf „schwarze Schafe“ unter den 150 Flüchtlingen, die momentan in der Hermann-Gmeiner-Schule untergebracht sind, bezogen sich die Probleme.

Anwohner fühlen sich alleingelassen

Alleingelassen fühlen sich die Anwohner bei Beschwerden von der Polizei. Veranstalter der Zusammenkunft, an der rund 100 Anwohner teilnahmen, war die evangelische Kirchengemeinde Oberrahmede mit Pfarrer Thorsten Brinkmeier (2. Pfarrbezirk) als Moderator. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass so viele Leute kommen würden“, erklärte er.

Rede und Antwort

Rede und Antwort über neueste Entwicklungen, was die verlängerte Belegung der Notunterkunft angeht, standen Thomas Ruschin (Fachbereichsleiter Bürgerdienste und soziale Hilfen) und Martina von Schaewen vom Fachdienst für öffentliche Sicherheit und Ordnung, Johanniter Jens Oliver Branscheid (ehrenamtlicher Leiter der Flüchtlingsunterkunft) und Jutta Beißner (Pressesprecherin der Johanniter) sowie MdL Gordan Dudas (SPD) seitens der Politik.

"Sammellager schon im Juli überfüllt"

Als eine von 141 vergleichbaren Einrichtungen sprach Thomas Ruschin die Notunterkunft in der Hermann-Gmeiner-Schule an. „Die Sammellager waren schon im Juli überfüllt. Ein normales Verfahren war nicht mehr möglich.“ Die Situation habe sich seither noch verschärft, so dass die Bezirksregierung Arnsberg nicht auf die Notunterkünfte verzichten könne. Bekanntlich sei jetzt auch der Märkische Kreis zur Unterbringung von Flüchtlingen herangezogen worden.

Unterkunft werde wohl noch ein halbes Jahr

Der Zeitraum von wenigen Wochen, für den die Hermann-Gmeiner-Schule ursprünglich als Notunterkunft vorgesehen war, sei nicht mehr zu halten. Sehr wahrscheinlich für ein weiteres halbes Jahr werde die Unterkunft gebraucht. Versprechungen könne er jedoch nicht machen. „Die Stadt ist extrem stolz auf das Engagement der Bürgerinnen und Bürger“, lobte er.

Menschen wechseln wöchentlich

Eine Belegungszeit von weiteren sechs Monaten sah auch Gordan Dudas, der Details zum Ablauf von Asylverfahren erläuterte, als „durchaus realistisch“ an. Anders als in den ersten Wochen wechseln die Menschen, die in der Notunterkunft am Dickenberg untergebracht sind, jetzt wöchentlich. „Das sind Menschen, die gerade in Deutschland angekommen sind und noch keinen gesicherten Status haben.“

Probleme nicht verallgemeinern

Die aktuellen Probleme dürften keinesfalls verallgemeinert werden, bat Dudas. „Nicht 150 benehmen sich daneben.“ Allerdings, das versprach Jutta Beißner, „nehmen wir die Probleme sehr ernst und nehmen sie mit in die Einrichtung.“

Sachliche Diskussion mit einer Ausnahme

Bis auf eine Ausnahme wurde die Diskussion, die ausdrücklich „nicht gegen Flüchtlinge, sondern eine Situation, die sich zwangsläufig ergibt, wenn Menschen zusammengepfercht sind und Langeweile haben“ (Dudas) gerichtet war, sehr sachlich geführt.

Zu den nächsten Info-Veranstaltungen, die in zeitlich kürzeren Abständen folgen sollen, möchte die Stadt dann auch die Polizei mit ins Boot holen.

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