Mehr als 150 Helfer

Flüchtlingshelfer erleben viele positive Begegnungen

+
Andreas Pomykaj (links) und Klaus-Peter Berzbach setzen sich ehrenamtlich im Rahmen der Aktion christlicher Gemeinden für die Flüchtlinge in der Notunterkunft am Raithelplatz ein.

Lüdenscheid - Er war neugierig. Wollte mal sehen, was hinter dem Zaun liegt, was dort für Menschen leben. „Deshalb bin ich einfach mal zum Treffen hingegangen und habe meine Hilfe für die Flüchtlinge angeboten“, erzählt Klaus-Peter Berzbach. Der 65-jährige Lüdenscheider ist einer von mehr als 150 Helfern, die sich seit einigen Wochen für die Asylsuchenden in der Notunterkunft in der Sporthalle am Raithelplatz einsetzen.

Initiiert wurde die Aktion von der Evangelischen Kirchengemeinde Brügge/Lösenbach, der Evangelischen Johanneskirchengemeinde, der Katholischen Gemeinde Maria Königin, der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Gottes und der Freien evangelischen Gemeinde Börsenstraße. Nachträglich schloss sich auch der CVJM Lüdenscheid-West der Aktion an.

Die Gemeinden luden zunächst Mitte September zu einer Informationsveranstaltung ein, bei der die Besucher über die geplante Hilfe informiert wurden. Feste Arbeitsgruppen wie Sprachunterricht, Angebote für Frauen und Kinder oder das Sachspendenlager waren bereits angedacht.

Fahrdienst und Lauftreff

Vor Ort meldete sich Klaus-Peter Berzbach schließlich für zwei Gruppen an: den Fahrdienst und den Lauftreff. Als passionierter Läufer fährt er nun ein bis zwei Mal in der Woche zum Raithelplatz, um interessierte Flüchtlinge zu einer Runde Sport abzuholen. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, ist sein Credo. Und: „Die Ängste gehen verloren, wenn man auf die Leute trifft.“

Laminierte Namensschilder

Natürlich sei die Sprachbarriere da. „Ich kann auch kein Englisch“, erzählt der Lüdenscheider. Aber um die Flüchtlinge wenigstens richtig ansprechen zu können, hat sich Berzbach etwas ausgedacht: „Ich habe sie ihre Namen aufschreiben lassen und die Blätter anschließend zuhause laminiert. Beim nächsten Mal konnten sich die Flüchtlinge die Schilder umhängen. Ich hatte auch eins, mit Klaus drauf.“ Er sei zwar nicht der schnellste Läufer, aber der Gruppe mache es Spaß.

Neue Asylsuchende

In den kommenden Tagen steht der nächste Lauftreff am Raithelplatz an. Doch dieses Mal wird Berzbach auf völlig neue Personen treffen. Denn die 150 Flüchtlinge, die dreieinhalb Wochen in der Notunterkunft gelebt haben, wurden nun auf andere Unterkünfte verteilt. Am Donnerstagabend zogen rund 150 neue Asylsuchende ein.

Schnelle Angebote für Flüchtlinge

Dass sich die Wege so schnell wieder trennen, ist für Flüchtlinge und Helfer schwer, erklärt Michael Czylwik. Der Pfarrer der Kirchengemeinde Brügge/Lösenbach ist übergeordneter Ansprechpartner der Aktion. „Die Wochen in der Notunterkunft sind für die Flüchtlinge aber sehr prägend. Daher hat der Malteser Hilfsdienst, der die Einrichtung leitet, darauf hingewiesen, dass es Sinn macht, auch den neuen Flüchtlingen schnell unsere Angebote vorzustellen“, sagt Czylwik.

"Viele positive Begegnungen"

Bisher seien alle Aktionen der Gemeinden gut von den Flüchtlingen angenommen worden. „Die Menschen sind sehr dankbar, und es gibt sehr viele positive Begegnungen. In der Einrichtung wurde mir auch berichtet, dass die Flüchtlinge sehr daran interessiert sind, mitzuhelfen.“

Wie dankbar die Asylsuchenden die Hilfe annehmen, kann auch Andreas Pomykaj bestätigen. Der 54-Jährige bringt sich als Ansprechpartner in den Arbeitsgruppen Fahrdienste und Sachspendenlager ein. Ein positives Erlebnis ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: „Nach einem Treffen nur für Frauen und Kinder waren die Teilnehmerinnen richtig gut drauf, richtig fröhlich und sie erzählten im Auto, wie gut es ihnen gefallen hat.“

Verständigung mit Händen und Füßen

Mit ihren privaten PKW fahren Pomykaj und seine Mitstreiter die Flüchtlinge zu Veranstaltungen der Gemeinde, zur Moschee oder auch mal ins Krankenhaus, wenn sie einen Freund oder Angehörigen besuchen wollen. Da unter den letzten Flüchtlingen in der Unterkunft etwa die Hälfte Englisch sprach, verständigt man sich oft im Auto mit Händen und Füßen.

Dass die ehrenamtlichen Helfer trotz ihres christlichen Hintergrundes Rücksicht auf die verschiedenen Religionen der Flüchtlinge nehmen, ist für Pfarrer Michael Czylwik selbstverständlich. „Wir sagen: ,Die Flüchtlinge brauchen Hilfe‘, und daher sehen wir uns als Hilfsdienst. Wir zwingen niemanden, unseren Glauben anzunehmen, aber natürlich legen wir mit unserem Engagement ein Zeugnis der christlichen Nächstenliebe ab.“

„Die Fluchtgeschichten haben es in sich“

Schwierigkeiten, ausreichend Helfer zu finden, haben die Gemeinden nicht. Auch viele Menschen, die keine Gemeindeglieder sind, melden sich. Herausfordernd sei es jedoch, die Schicksale der Flüchtlinge zu verarbeiten. „Die Fluchtgeschichten haben es in sich. Irgendwann öffnen sich die Menschen und wollen erzählen, warum sie aus ihren Ländern geflohen sind. Einige zeigen Fotos von schrecklichen Erlebnissen. Die kann man sich nur schwer anschauen.“

Wer sich im Rahmen der Aktion der Gemeinden für die Flüchtlinge am Raithelplatz einsetzen möchte, erreicht Pfarrer Michael Czylwik unter der Rufnummer 0 23 51 / 4 32 80 60.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare