Flüchtlingsberatung bringt syrische Familie unter

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Michael Wirth, Leiter des Fachdienstes Migration, im Gespräch den Eltern, die mit ihren drei Kindern in Lüdenscheid Zuflucht gefunden haben.

Lüdenscheid - Klare Fronten sind in Syrien nicht erkennbar. Mehr als drei Jahre nach Ausbruch des Bürgerkriegs hat eine fünfköpfige Familie aus der Nähe von Damaskus in Lüdenscheid wieder Frieden und Sicherheit gefunden.

Ihre richtigen Namen wollen Ahmad (38) und Tahire K. (37) nicht in der Zeitung veröffentlicht sehen, auch nicht die ihrer drei Söhne. Sie sind acht, neun und elf Jahre alt. Der Arm des syrischen Geheimdienstes reiche auch nach Deutschland, fürchten sie, und Michael Wirth, Leiter des Fachdienstes Migration des Diakonischen Werks, weiß, dass Zeitungsausschnitte auch in Syrien ausgewertet würden.

Davor hat die Familie Angst. Der Apotheker und seine Frau, tätig als Journalistin, waren keine Parteigänger in dem Bürgerkrieg, doch entkommen konnten sie ihm nicht. Zwischen regulären Truppen Assads und Anhängern der Isis- oder Al-Kaida-Milizen, zwischen Heckenschützen und Granatwerferfeuer war die Lage nicht mehr haltbar, schildern sie Wirth auf englisch die Ausgangslage.

Anfang Juni schaffte Ahmad K. die Flucht nach Deutschland, wo die Deutsche Botschaft ihm schnell die Flüchtlingseigenschaften nach der Genfer Flüchtlingskonvention zuerkannt habe. Zu der gehört auch das Recht auf Familienzusammenführung. Ahmad K. kam über Filderstadt nach Lüdenscheid, seine Familie konnte in der vergangenen Woche über Beirut und Frankfurt nach Lüdenscheid ausreisen. „Wir wollen uns bedanken, für uns selbst und für alle Syrer, die hier unterkommen“, sagen sie zum Abschluss des Gesprächs in der Beratungsstelle, wo sie auch psychologische therapeutische Hilfe erfahren konnten.

„Wir wollen zeigen, dass Hilfe auch hier möglich ist“, verdeutlicht Wirth das Bemühen um die Familie, die in der Bergstadt bereits eine Wohnung gefunden hat und insgesamt auf positive Reaktionen ihrer neuen Mitbürger stößt, wie Ahmat K. seine Eindrücke wiedergibt. Es sei „insgesamt ein Stück Willkommenskultur gewachsen“, sagt auch Wirth, der für die Diakonie seit vielen Jahren Flüchtlinge in Lüdenscheid begleitet und einen Wandel hinsichtlich der Akzeptanz fremder Kulturen spürt.

Die Unterstützung für die Not leidenden Menschen in Syrien durch die Diakonie soll sich aber nicht allein auf die Unterbringung beschränken. In Vorbereitung sei zurzeit ein Hilfstransport medizinischer Güter zur Versorgung der Zivilbevölkerung in der Region Saraqib und Aleppo. - flo

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