Warten auf Registrierung: Flüchtlinge noch „im Schwebezustand“

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Sprachunterricht für Flüchtlinge in der Turnhalle der Hermann-Gmeiner-Grundschule gehört inzwischen unter anderen zum regelmäßigen Angebot.

Lüdenscheid - Dank ehrenamtlicher Initiativen gibt es in der Flüchtlingsunterkunft in der Hermann-Gmeiner-Schule viele Aktionen, an denen die Bewohner teilnehmen. Dennoch befinden sie sich in einem Schwebezustand, da sie noch immer auf ihre endgültige Registrierung warten.

„Einen Lagerkoller hat es bisher nicht gegeben, aber die Flüchtlinge befinden sich in einem Schwebezustand“, sagen der ehrenamtliche Johanniter-Einsatzleiter Jens-Oliver Branscheid und Pressebeauftragte Jutta Beißner. Thomas Ruschin, Beigeordneter für Recht und Soziales, erwartet von der Bezirksregierung Arnsberg mehr Planungssicherheit.

Gut vier Wochen ist es her, dass 150 Flüchtlinge im Rahmen eines Amtshilfeersuchens in der Hermann-Gmeiner-Schule untergebracht wurden. „Jeden Tag, jede Stunde gibt es nach wie vor eine neue Herausforderung“, sagt Branscheid. „Dabei spielen viele logistische Dinge eine Rolle. Die Probleme gezielt und sofort zu lösen, macht aber Spaß“, sagt der überzeugte Johanniter, der im normalen Berufsleben Geschäftsführer der Meditec Branscheid GmbH & Co. KG ist.

Im Drei-Schicht-Betrieb lösen sich jeweils vier hauptamtliche Johanniter am Dickenberg ab. Unterstützt werden sie von ehrenamtlichen Kräften der Hilfsorganisation, aber auch von privaten Initiativen oder Helfern aus Kirchengemeinden. „Es gibt Sprachunterricht, Spielangebote für die Kinder, zum Beispiel war kürzlich die Feuerwehr da und hat Wasserspiele veranstaltet, Ausflüge werden organisiert und vieles mehr. Die Hilfsbereitschaft war von Beginn an faszinierend, und das ist auch so geblieben, war keineswegs eine Eintagsfliege“, sagt Jutta Beißner.

Natürlich müsse alles strukturiert und in die richtigen Bahnen gelenkt werden, und auch da ziehen alle an einem Strang: „Innerhalb von 24 Stunden haben wir am Anfang von der Besichtigung der Schule bis zum Vollbetrieb gebraucht. Nach drei Tagen lief der Regelbetrieb. Die Feld- sind inzwischen durch Doppelstockbetten ausgetauscht. Für Hygiene-Artikel ist gesorgt. Es herrscht kein Mangel. Johanniter, DRK, THW, und Stadt haben hervorragend zusammengearbeitet“, betont Jens-Oliver Branscheid.

Ruschin-Kritik an Bezirksregierung

Der Überzeugung ist auch Thomas Ruschin, vermisst aber entsprechend planbare Strukturen von der Bezirksregierung in Arnsberg: „Wenn bei der Erstbelegung völlig unangekündigt ein Bus mit Flüchtlingen vor der Tür steht, dann ist es nicht so einfach, entsprechend schnell die notwendigen ärztlichen Untersuchungen zu organisieren. Wenn die Bezirksregierung von uns Verlässlichkeit erwartet, dann muss sie auch mit uns verlässlich umgehen.“

In Lüdenscheid sind die Flüchtlinge zunächst nur vorregistriert worden, zur endgültigen Registrierung werden sie mit Bussen nach Siegen-Wittgenstein gebracht. Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest – daher der anfangs erwähnte „Schwebezustand“.

Nach dieser Registrierung erfolgt normalerweise die Verteilung der Flüchtlinge auf die verschiedenen Kommunen. Dann beginnt das Asylverfahren. Die 150 Flüchtlinge sollen nach der Registrierung aber zunächst erst einmal wieder zurück nach Lüdenscheid kommen. „Wann dann das Regelsystem greift, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht sagen“, sagt Ruschin. In ganz NRW gebe es zurzeit mehr als 100 dezentrale Standorte in 150er Größe. 

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