Fleischerei Geier versorgt Flüchtlinge in Hermann-Gmeiner-Schule mit Essen

Ingo Wangemann (li.), Simone Geier und Dennis Morlinghaus

Lüdenscheid - Der Arbeitstag hat für Simone Geier zurzeit 20 Stunden. Gemeinsam mit ihrem Team an der Kalve versorgt sie die Flüchtlinge in der Hermann-Gmeiner-Schule mit Frühstück, Mittagessen und Abendbrot, liefert die Gerichte an und ist auch bei der Ausgabe dabei.

„Das geht schon an die Kräfte“, sagt die 53-Jährige, wuselt aber schon wieder durch die Küche, gibt Anweisungen und hat auch immer ein freundliches Wort für die Kundschaft. „Das Tagesgeschäft muss ja auch weiterlaufen.“

Dennoch brauchte es kein langes Nachdenken, als die Stadt am Montagnachmittag anfragte, ob sie sich die Aufgabe zutraut. „Wir haben kurz überlegt, Kontakt mit unseren Zulieferern aufgenommen, weil wir ja viel mehr Produkte wie zum Beispiel Brot, Belag, Marmelade, Nutella, Obst oder Gemüse, benötigen und haben dann losgelegt.“

Säckeweise Kartoffeln müssen zusätzlich geschält, Gemüse geschnitten werden. Bis zu vier Köche sind im Einsatz. „Jeden Morgen gibt’s Obst zum Frühstück, auch ein gekochtes Ei, ansonsten nur Geflügelsachen.“ Am Freitagmittag lieferte Simone Geier mit einem Mitarbeiter gebratene Hähnchenkeulen, Kartoffeln und Kaisergemüse zum Dickenberg. Die Warmhalteöfen waren schon um halb elf gut bestückt. Wenn die Versorgung länger aufrechterhalten bleiben muss, brauche sie noch einen zusätzlichen Ofen, sagt sie. „Ich will nicht nur, dass die Flüchtlinge satt werden, sondern es soll auch gescheit sein.

Ich habe mal gelesen, dass es in einer Flüchtlingsunterkunft immer nur Brühe und Wurst gab. Das kommt bei uns nicht in Frage.“ Süßigkeiten für Kinder, Joghurt oder für jeden abends noch eine Banane – das kommt noch oben drauf. Einige Kinder haben schon Bilder gemalt, auf denen sie sich für das „großartige Kochen“ bedanken. Das freut und rührt Simone Geier.

Anfangs seien ihr die Eindrücke von den Flüchtlingen und deren Not schon hinterhergelaufen. „Das geht doch an die Psyche.“ Zumal ihre Großeltern auch Flüchtlinge aus Schlesien gewesen seien. Im vergangenen Jahr sei sie erstmals dort gewesen. „Sie hatten dort einen großen Bauernhof. Wie dankbar wären sie gewesen, nach ihrer Flucht auch so gut versorgt worden zu sein.“ Von ihrer Großmutter habe sie übrigens viel gelernt, was die Zubereitung von Gerichten angehe. „Die Rezepte nutze ich heute noch.“

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