Platz für 200 registrierte Asylbewerber

Flüchtlinge auch am Schöneck

Die ehemalige Grundschule Schöneck wird als Übergangswohnheim für Flüchtlinge genutzt. - Fotos: Eiber

Lüdenscheid - Die seit den Sommerferien leer stehende Grundschule Schöneck wird jetzt als Übergangswohnheim für bereits registrierte Flüchtlinge genutzt. Die Vorbereitungen für die Aufnahme von insgesamt 200 Menschen laufen seit Dienstag, am Mittwoch kamen die ersten 54 an.

Die große Turnhalle der Hauptschule ist von der Entwicklung nicht betroffen, sie steht Schülern und Vereinen uneingeschränkt zur Verfügung.

Am Mittwochabend erhielten die Anwohner eine für Donnerstagabend terminierte Einladung zu einer Informationsveranstaltung in die benachbarte Hauptschule Stadtpark. Insgesamt wurden 1200 Handzettel verteilt. Der ungebremste Zustrom an Flüchtlingen aus den Kriegs- und Krisengebieten zwingt die Verwaltung zu einem schnellen Handeln, denn die bisherigen Prognosen über die Anzahl der ankommenden Flüchtlinge sind längst überholt. Aktuell werden der Stadt Lüdenscheid pro Woche 100 registrierte Asylbewerber durch die Bezirksregierung zugewiesen. Die Zahlen sind dramatisch hochgeschnellt: Bis zum Sommer kamen 30 Flüchtlinge pro Monat (!) an, vor drei Wochen kletterte die Rate auf 25 Personen pro Woche (!), um peu à peu weiter zu wachsen. Inzwischen ist die Kreisstadt im dreistelligen Bereich angelangt.

Grundschule Schöneck wird jetzt ein Übergangswohnheim

Bürgermeister Dieter Dzewas, Thomas Ruschin, Beigeordneter Soziale Hilfen, und Martina von Schaewen, Fachdienstleiterin Öffentliche Sicherheit und Ordnung, informierten über die neuesten Herausforderungen für die Stadtverwaltung.

Die beschränken sich nicht allein auf bauliche Maßnahmen, die Beschaffung von Betten oder die Planungen fürs Catering, sondern werden auch die Mitarbeiter direkt betreffen. „Die Betreuung müssen wir übergangsweise in Eigenregie steuern“, so Ruschin. Am Montag werde es weitere Gespräche mit Hilfsorganisationen zum weiteren Vorgehen geben.

„Oberstes Ziel ist es, Obdachlosigkeit zu vermeiden“, unterstrich Dzewas. Weil es keine verlässlichen Rahmenbedingungen gebe, „fahren wir auf Sicht“. Die Verwaltung habe sich bereits eine Reihe von Objekten angeschaut, die für eine Belegung möglicherweise in Frage kämen – über das Sauerland-Center und auch die Albert-Schweitzer-Schule hinaus. Ruschin: „Wir arbeiten eine ganze Liste ab.“ Für die Herrichtung des Centers werden 1,2 Millionen Euro ausgegeben, für die Schweitzer-Schule laufen noch Abstimmungsgespräche mit der Bezirksregierung.

Schöneck ist für den U3-Ausbau und die heilpädagogische Betreuung vorgesehen. Der wird zurückgestellt. Dzewas: „Wir haben den Träger über den Aufschub informiert. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“

Ja, die Einladung zur Informationsveranstaltung sei schon sehr kurzfristig erfolgt, sagt eine Anwohnerin von der Stüttinghauser Ringstraße. Sorgen oder gar Angst gegenüber den neuen Nachbarn hat sie nicht – im Gegenteil. „Ich will mal sehen, wie ich helfen kann. Schließlich bin ich Rentnerin und habe Zeit.“ Und wer vor Krieg und Verfolgung flüchte, habe sich sein Schicksal auch nicht ausgesucht. Aber von der deutschen und internationalen Politik erwartet sie gemeinsame Strategien. „So wie jetzt kann das nicht weitergehen.“

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