Von Eritrea nach Europa

„Fluchtgeschichten" beginnt in Museen mit einer Schweigeminute

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Ein langer Leseabend mit viel Musik – „Flüchtlingsgeschichten“ wurden auf Einladung des Vereins „Wir hier!“ in den Museen vorgelesen.

Lüdenscheid - Da wurde es ruhig unter den Zuhörern im Foyer der Museen der Stadt: Der aus Syrien stammende Dalil Muhamad sang das „Kobani“-Lied, das zur Hymne der Bürger einer zerstörten Stadt, zu einem Lied der Trauer und des Widerstandes geworden ist.

Von Ulf Schwager

Zuvor hatte es bei der Veranstaltung „Fluchtgeschichten“, zu der der Verein „Wir hier!“ eingeladen hatte, bereits eine Schweigeminute gegeben. Der junge Syrer Mohamad hatte um Schweigen für die Terror-Opfer von Paris, jeglichen Terrors und für Frieden und Freiheit gebeten. Ohne Ausnahme standen Zuhörer wie Akteure auf und folgten der Bitte des jungen Mannes aus dem Publikum.

Ein besonderer Gruß der Veranstalter ging an Gäste aus Halver: Syrische Flüchtlinge, die auf Susannenhöh untergebracht sind. „Fluchtgeschichten“, eine Lesung mit Musik zeigte die Allgegenwart von Fluchtschicksalen auf. So ging es um Berichte syrischer Flüchtlinge, eine lange Odyssee von Eritrea nach Europa, den Weg eines Afghanen nach Deutschland. Matthias Wagner, Susanne Hattwig, Mechthild Börger und Annemarie Lück lasen die Texte. Ulrike Tütemann moderierte, leitete im zweiten Teil über von der Gegenwart zu „Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg“. In den nachfolgenden Lesungen ging literarisch um Sabine Bodes Buch „Die vergessene Generation“, Jenny Erpenbecks Titel „Gehen ging gegangen“ und Klaus Brinkbäumers „Der Traum vom Leben“ eine kurze Geschichte der Volkerwanderung. Diese Veranstaltung zog sich in die Länge und blieb dennoch spannend. Trefflich gewählte Literatur, kurze Leseabschnitte, und dazwischen gab es immer wieder Musik. Solist Michael Franzen (Gitarre) ließ populäre Gitarrenmusik vernehmen, und Clara Tütemann spielte mit ihrer Querflöte zwei Soli. Einer der Wege, wie Menschen unterschiedlicher Herkunft einander verstehen lernen können und dabei Neues entsteht, zeigten andere Musiker auf. Syrische, kurdische, albanische und mitteleuropäische Einflüsse verbanden Fritz Schmid (Saxophon, Geige), Mohamad Hussain (Keyboard), Illir Mahmotay (Akkordeon) und Dalil Muhamad (Gesang) zu bereicherndem Klang. Man spiele erst seit kurzem zusammen, hieß es seitens der Musiker, werde schon bald einen Workshop abhalten und immer besser werden. „Ein bisschen Frieden“ gab’s noch aus einem Handy übers Mikro und die Melodie aus einem Kindermund.

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