Marktschreier auf dem Sternplatz in Lüdenscheid

"Flucht vor dem Mann mit dem toten Fisch"

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Der Knabber Paul, der den Lüdenscheidern tütenweise Milka-Schokolade verkaufte, landete beim Wettstreit der Marktschreier in der Publikumsgunst ganz vorn.

Lüdenscheid - Wer hat noch nicht, wer will noch mal: Laut, lauter, am lautesten haben die Marktschreier mehrere Tage lang  auf dem Sternplatz in Lüdenscheid ihre Waren angepriesen.

Ob Wurst, Knabbereien, Schokolade oder Blumen: Mit Kleinigkeiten gaben sich der Gurken Sepp, der Knabber Paul, der Aal-Ole, der Wurst Achim – das „lauteste Lebewesen der Welt“ – und ihre Mitstreiter erst gar nicht lange auf. Klotzen lautete die Devise, nach der die Entertainer unter den Markthändlern ihre Produkte „an den Mann“ brachten. 

Eine Salami, eine Tafel Schokolade oder eine Packung Chips? Keine Chance. Tütenweise ging Süßes und Salziges, Herzhaftes und Frühlingshaftes über die Ladentheke. Insgesamt 21 Stände baute die Gilde der Marktschreier, die laut Organisator Achim Borgschulze von Anfang Januar bis Ende November durch die Lande tourt, bei ihrem mehrtägigen Besuch in Lüdenscheids Innenstadt auf. 

In der Bergstadt waren die stimmkräftigen Händler, die stets einen frechen, witzigen und vorlauten Spruch auf der Zunge haben, bereits des Öfteren zu Gast. „Die Lüdenscheider sind ein dankbares Publikum. Wir haben hier schon eine Stammkundschaft aufgebaut.“ 

So sehr sie sich auch in der Öffentlichkeit „fetzen“ und gegenseitig mit kernigen Ansagen die Käufer abspenstig zu machen versuchen, seien die Marktschreier doch „wie eine große Familie“. 

Nicht dem Lautesten, sondern dem Geschicktesten gaben die Lüdenscheider übrigens beim Wettstreit ihre Stimme. „Mimik, Gestik und Rhetorik sind entscheidend. Man muss das Publikum dazu bewegen, dass es einem während des Wettbewerbs seine Stimme gibt“, meinte Achim Borgschulze. 

Am besten gelang dies dem Knabber Paul, den die Lüdenscheider beim Marktschreier-Wettbewerb zum Sieger kürten. „Milka satt“ führte der Süßigkeiten-Händler im Gepäck. „Der Milka-Mann hat’s am besten. Genascht wird immer. Der muss gar nichts machen. Der packt nur ein – und schon läuft’s“, konterte am Samstag prompt der Wurst Achim, der eigenen Aussagen nach dafür bekannt ist, „dass ich die exotischen und teuren Sachen einpacke.“ 

Auch anderswo frotzelten die Marktschreier gegen- und übereinander. „Ich bin auf der Flucht vor dem Mann mit dem toten Fisch“, stichelte da etwa Mr. Snack, der Mann mit den Salzletten, Chips und Erdnusslocken, gegen den Aal-Ole, das Original vom Hamburger Fisch-Markt. Der wiederum versprach: „Frisch und zart und immer fein – nur Aale von Ole kommen in die Tüte rein.“ 

Den originellsten Marktschreier-Stand brachte der Gurken Sepp mit, der seine Schmankerl-Gurken aus einem Gurkenfass ähnlichen Stand heraus verkaufte. Mit Kostproben zum Probieren lockte Reibekuchenbäcker Weissen Hungrige an seinen Stand. „Die Gefahr besteht, dass man von einer Portion satt wird“, scherzte er. „So glücklich könnt ihr sein, wenn ihr Reibekuchen esst.“ 

Schmecken lassen konnten sich die Marktbesucher zudem Backfisch, Calamares und Kibbeling bei der Fischbrötchen-Lilly aus Holland, Glühwein, heiße Cocktails und heiße Limonade, westfälische Wurstspezialitäten beim Bratwurst-Steffen und vieles mehr. „Wir räumen heute“, animierte der Blumen-Holländer zum Blumenkauf. „Wir haben die Preise noch einmal reduziert.“ Alpenveilchen, Primeln, Weidenkätzchen, sogar Kamelien: Alles musste raus. 

Damit der Markt „schön bunt“ aussah, wie Achim Borgschulze meinte, gab’s ringsherum allerlei Krims und Krams, Bekleidung, Spielzeug, CDs, Lederwaren oder Tischwäsche. Für die kleinen Besucher gab’s ein Kinderkarussell..

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