Fliegende Kameras, Applaus auf Kommando, harte Kritik

Das Studio von Deutschland sucht den Superstar in Köln-Ossendorf.

KÖLN ▪ Millionen Fernsehzuschauer sind jeden Samstag vorm Bildschirm mit dabei, wenn die Mottoshows von Deutschland sucht den Superstar auf RTL gezeigt werden. Im DSDS-Studio in Köln-Ossendorf sitzen an diesen Abenden etwas mehr als tausend Gäste im Publikum. Yourzz.fm war am vergangenen Samstag mit von der Partie.

Das Studio befindet sich in einem großen Gebäudekomplex, dem MMC-Medienzentrum am Coloneum. Von außen sieht das Ganze auf Grund der Glasfassade durchaus beeindruckend aus, im Innern erwartet die Besucher zunächst einmal viel kahler Beton. Gut eine Stunde vor der Show sind Vorplatz und -halle aber schon gut gefüllt. Die Anhänger der verschiedenen Kandidaten sind zum einen an ihren T-Shirts, auf denen die Namen ihrer Favoriten geschrieben stehen, und an ihren lautstarken Fan-Gesängen zu erkennen. Dazwischen wuseln zahlreiche Medienschaffende herum: Bewaffnet mit Kamera und Mikro versuchen sie so viele Stimmen und Bilder wie möglich einzufangen.

Um 19.45 Uhr geht es dann für uns in Richtung Studio. Die Zuschauerränge sehen wir erst einmal von hinten – besonders stabil und vertrauenserweckend sieht die Konstruktion nicht gerade aus.

Im Studio selbst dann die nächste Überraschung: Im Fernsehen wirkt – dank ausgeklügelter Kameratechnik – alles viel größer, als es in der Realität tatsächlich ist. Aber das hat auch seine Vorteile: Die Bühne, die mit ihren Lichtern und den riesigen Leinwänden trotz allem beeindruckend aussieht, ist gut zu erkennen. Auch die Couch, auf der die Kandidaten während der Show sitzen, ist nicht weit entfernt.

Spätestens vor Ort wird einem dann auch der Aufwand bewusst, der für DSDS betrieben wird: Zahlreiche Techniker, Kameraleute und Mitarbeiter von RTL und der Produktionsfirma Grundy sind im Einsatz und vor allem neben und auf der Bühne unterwegs. Über unseren Köpfen schwebt eine so genannte Spidercam, die besonders flexibel ist, da sie an Seilen befestigt ist und in schnellem Tempo hin- und herrast. „Erst gucken, wo die Kamera ist, dann aufspringen – sonst war es vielleicht das letzte Mal“, werden wir gewarnt.

Mittlerweile ist es kurz vor 20 Uhr, ein Animateur versucht das Publikum schon einmal anzuheizen. Wir sollen uns freuen, „als wäre es der schönste Abend in unserem Leben“, aufspringen und frenetisch klatschen. Nur mit den Füßen sollen wir lieber nicht trampeln, da das unter Umständen die Aufbauten für die Zuschauerränge nicht aushalten – der erste Eindruck hat also offensichtlich doch nicht getäuscht. Es werden bereits einige Einspieler und Anmoderationen aufgenommen. Jedes Mal muss das Publikum applaudieren und feiern – obwohl es da eigentlich (noch) keinen Anlass zu gibt. Auch in den Werbepausen versucht uns dieser Anheizer immer wieder in Stimmung zu bringen, veranstaltet Spiele mit dem Publikum („Jetzt klatscht der mittlere Block einmal, der rechte zweimal.“) und holt Zuschauer auf die Bühne, die singen oder sogar eine kleine Breakdance-Show aufs Parkett legen.

Kurz vor Beginn der Show wird es dann schlagartig dunkel im Studio und es sind nur noch die bunten Knicklichter in den Händen der Zuschauer zu sehen, bevor dann die große Lichtshow startet. Da am gleichen Abend auch der Klitschko-Boxkampf ansteht, werden die Juroren Fernanda Brandao, Patrick Nuo und Dieter Bohlen sowie Moderator Marco Schreyl von Ansager Michael Buffer („Let‘s get ready to rumble“) angekündigt. Dann kommen auch endlich die Kandidaten auf die Bühne und performen gemeinsam den Eröffnungssong. Während dann ein kleines Filmchen über Marco Angelini, der als Erster auftritt, gezeigt wird, räumen fleißige Helfer den Flitter, der zu Beginn der Show verschossen wurde, weg. Jedes Mal, wenn die Zuschauer zu Hause einen Beitrag über die Kandidaten sehen, können wir verfolgen wie auf- und umgeräumt wird und Kandidaten und Tänzer in Stellung gehen. Zum Teil müssen sie minutenlang auf ihren Einsatz warten.

Die Auftritte der Teilnehmer wirken live ganz anders: Zwar ist die Show mit Tänzern, Feuerwerk und Lichteffekten drumherum jedes Mal beeindruckend, da aber nichts mit Bildschnitten geschönt werden kann, fallen kleine Patzer oder Unsicherheiten mehr auf. Auf die Kandidatin Zazou hat es die Jury an diesem Abend besonders abgesehen: Wieder einmal wird ihre gesangliche Leistung kritisiert, Dieter Bohlen findet harte Worte. In Bezug auf Zazous Vocalcoach meint er: „Das ist wie, wenn man Seerosen gießt, das bringt auch nichts.“ Zazou ist sichtlich gekränkt, bricht kurz danach sogar in Tränen aus. Kommentare dieser Art wirken live vor Ort ebenfalls anders: Diese Beleidigungen sind Realität, daheim vorm Fernseher wirken sie eher wie Fiktion.

Während sich das Publikum zu Beginn noch mitreißen lässt, die „Partykracher“ feiert und bei jedem Song aufsteht und mitklatscht, lässt die Begeisterung – außer in den Fanblocks der DSDS-Teilnehmer – im Laufe der Zeit deutlich nach. Da kann auch der Animateur nicht mehr viel ausrichten. Die Stimmung bleibt gut, ist aber verhaltener. Nach den Auftritten gegen 22.15 Uhr sind alle froh über eine Pause. Bis zur Verkündung, wer rausfliegt, vergeht immer mehr als eine Stunde. Heute ist die Zeit etwas kürzer, da in der Zwischenzeit der Boxkampf gezeigt wird. Die Zuschauer sollen sich bis 23 Uhr wieder eingefunden haben, was sie – vielleicht auch wegen der Hitze im Studio – nur widerwillig tun.

Nach der Entscheidungsshow haben die Pressevertreter noch Gelegenheit, mit den Kandidaten zu sprechen – außer mit Sebastian, der um die Zeit nicht mehr arbeiten darf. Da auch noch ein längerer Heimweg vor uns liegt, verlassen wir also schon früh das Studio, erschöpft von den „Partykrachern“ und guter Laune auf Knopfdruck.

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