Fliegende Händler am Kreishaus: Sind die Auto-Geschäfte illegal?

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Sandra Manß schmeißt die ersten Briefe ein: Gemeinsam mit anderen Autohändlern will sie gegen angeblich nicht angemeldete Aufkäufer am Kreishaus vorgehen.

Lüdenscheid – Die Autohändler in Lüdenscheid und Umgebung wollen sich wehren: Gegen Autoankäufer, die angeblich Kunden abwerben - ohne angemeldetes Gewerbe...

Am Kreishaus, direkt am Straßenverkehrsamt, seien Autoaufkäufer unterwegs, die Kunden der Händler direkt vor Ort abfingen, sie teilweise bedrängten und versuchten, die Autos zu geringfügig höheren Preisen abzukaufen, sagt Sandra Manß, selbst Inhaberin der AVL Autoverwertung und SPD-Ratsfrau. 

„Auch mir sind dadurch schon Autos abhanden gekommen, andere Händler sind aber viel mehr betroffen“, sagt sie. In ihrer Funktion als Ratsfrau hätten sie sie angesprochen und um Unterstützung gebeten. „Die haben teils echt daran zu knabbern“, sagt Manß. 

"Sehr aufdringlich und bedrängen Kunden"

Das Problem sei Folgendes, erklärt sie: Die örtlichen Autohändler vereinbarten Preise mit Kunden, um deren alte Autos abzukaufen. Üblicherweise melden die Eigentümer die Autos dann beim Straßenverkehrsamt ab. Dort warteten bereits Autoaufkäufer, die die Leute ansprechen und ihnen etwas mehr Geld anbieten. 

Das Problem laut der Autohändler: Sie vermuten, dass viele dieser Aufkäufer ihr Gewerbe nicht angemeldet haben, daher auch keine Steuern zahlen und auf diese Weise illegal das Geschäft der Händler schädigen. „Viele der Aufkäufer sind auch sehr aufdringlich und bedrängen die Kunden zum Teil“, sagt Manß. 

Händler tun sich zusammen

Um etwas dagegen zu unternehmen, haben die Händler gemeinsam einen Brief formuliert. Darin wenden sie sich an Landrat Thomas Gemke und fordern ihn auf, „diesen Missstand umgehend zu beheben“. Und weiter heißt es: „Wir haben Angestellte, die ihre Familie ernähren müssen. Diese Personen machen uns das Überleben langsam unmöglich.“ 

Die ersten Briefe warf Sandra Manß persönlich in den Briefkasten des Kreishauses, viele weitere sollen folgen. „Wir werden alle immer wieder Briefe abgeben, bis etwas passiert“, sagt sie. Ihr Wunsch: Regelmäßige Kontrollen durch Ordnungsamt und Polizei, damit Autoaufkäufer ohne angemeldetes Gewerbe abgeschreckt werden. 

Kreis hat keine Handhabe

Ganz so einfach scheint das aber nicht zu sein. Hendrik Klein, Pressesprecher beim Märkischen Kreis, erklärt auf Nachfrage, dass es immer wieder Beschwerden über die Aufkäufer gebe, auch von Kunden. „Das ist eine Belästigung für die Kunden, die auch wir nicht gerne sehen. Da geht´s teilweise um vielleicht 100 Euro mehr, die sie anbieten.“ 

Doch dagegen vorgehen könnte der Kreis nicht. Jedenfalls bisher nicht. Bereits 2017 habe es Kontrollen gegeben, erinnert sich Klein. „Die Aufkäufer hatten aber eine sogenannte Reisegewerbekarte, dürfen ihre Geschäfte also vor Ort auf diese Weise tätigen. Wir können wenig tun, haben das auch damals schon von unserer Stabstelle Recht prüfen lassen – aber wir haben in dem Fall keine Handhabe und dürfen kein Hausverbot erteilen“, sagt er. 

Polizei kam bereits wegen einer Schlägerei

Allerdings habe es vor einigen Jahren bereits einen Zwischenfall gegeben, bei dem die Polizei gerufen werden musste: „Zwei rivalisierende Gruppen haben sich eine Schlägerei am Kreishaus geliefert“, sagt Klein. 

Insgesamt sei die Situation „ein Ärgernis für uns. Wir werden die neuen Beschwerden zum Anlass nehmen, das noch einmal zu prüfen. Vielleicht gibt es inzwischen neue Erkenntnisse dazu. Wir weisen die Leute vor Ort auch immer wieder darauf hin, sich schriftlich über das Vorgehen zu beschweren, damit wir das in unseren Akten haben.“

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