Metzgerei feiert 100. Geburtstag

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Ingrid und Johannes Feckter in ihrem 100 Jahre alten Fleischereigeschäft an der Luisenstraße.

LÜDENSCHEID ▪ Ingrid und Johannes Feckter feiern in dieser Woche das 100-jährige Jubiläum ihrer Fleischerei an der Luisenstraße in Lüdenscheid.

Wer die Luisenstraße entlang geht, stößt durch einen echten K.T. Neumann auf das Jubiläum, das die Fleischerei Feckter in diesem Jahr feiert. 1910 steht seit 1980 auf dem schmiedeeisernen Schild an dem Haus mit der Nummer 19. Ein Metzger hält ein Schwein an seinem Ringelschwanz fest; die Instrumente darunter machen deutlich, dass es sich hier um einen Kampf auf Leben und Tod handelt: Beil und Messer sind da zu sehen.

„Opa spannte anfangs seinen Hund vor den Wagen"

Die Kacheln sind noch die gleichen: eine historische Aufnahme der Fleischerei.

An welchem Tag im Jahr 1910 sein aus Overath übergesiedelter Großvater Johann Moritz Feckter seine Fleischerei an der Luisenstraße eröffnete, weiß der heutige Inhaber Johannes Feckter nicht. Doch er weiß, dass „der Opa aus dem Bergischen Land kam und anfangs seinen Hund vor einen Leiterwagen spannte, um Fleisch zu holen“. Zwei „Tanten“ kümmerten sich um das, was neudeutsch „Marketing“ heißt: „Sie zogen mit einem Körbchen durch die Straßen, um die Qualität von Johann Feckters Ware anzupreisen“, erzählt Johannes Feckter. 1995 übernahm er mit Ehefrau Ingrid die Fleischerei von seinen Eltern Margarethe und Arthur Feckter.

„Wir haben den Leiterwagen durch ein Auto ersetzt“

Die dritte Generation beschloss eine vorsichtige Modernisierung: „Wir haben den Leiterwagen durch ein Auto ersetzt.“ Ansonsten blieb vieles beim Alten: Die Kacheln in der Wurstküche und im Geschäft sind noch die gleichen wie vor 100 Jahren – im Verkaufsraum sind sie teilweise sogar mit Ornamenten geschmückt, die auch einen schweren Brand des Hauses im Jahr 1956 überstanden. Nicht ganz so alt sind die Geräte in der Wurstküche, doch auch sie haben schon zwischen 35 und 60 Jahren auf dem Buckel: Fleischwölfe (mit Motorbetrieb), Kochkessel, eine Füllmaschine zum Einfüllen der Würste und ein Kutter, was an diesem Ort eine Maschine bezeichnet, in der das Fleisch zerkleinert wird. Auch eine Räucherkammer befindet sich an der Luisenstraße, in der auch für die Filiale an der Berlinerstraße geräuchert wird.

„Viel Arbeit, nicht aufgegeben und sehr gute Qualität“

Schwer zu glauben, dass Ingrid und Johannes Feckter beide Filialen als Duo stemmen. In der Vater- und der Großvatergeneration habe es noch für Angestellte gereicht – heute reicht der Ertrag gerade noch für die beiden Inhaber der dritten Generation: „Viel Arbeit, nicht aufgegeben und sehr gute Qualität“ antwortet Johannes Feckter auf die Frage nach dem Erfolgsrezept für die lange Geschichte seiner Metzgerei. Es sei doch bemerkenswert, dass der Familienbetrieb angesichts der harten Konkurrenz 100 Jahre durchgehalten habe, sagt er.

Seine Kunden wissen von Hand durchgearbeitete Mett- und Knoblauchwürste, Selbstgeräuchertes und mit Bindfäden zusammengehaltene Rollbraten zu schätzen: „Wir haben Kundschaft, die bereits in der dritten Generation zu uns kommt“, erzählt Ingrid Feckter. ▪ thk

Zur Jubiläumsfeier gibt es in dieser Woche besondere Angebote im Geschäft Luisenstraße (Donnerstag und Samstag, 9 bis 12.30 Uhr) und an der Berlinerstraße 83, Donnerstag 8 bis 13 und 15 bis 18 Uhr, Freitag 8 bis 18 Uhr, Samstag, 7.30 bis 12 Uhr.

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