"Turboschnecken" haben ehrgeizige Ziele

Wasser aus der Leitung, Becher aus Pappe: Firmenlauf im Zeichen des Umweltschutzes

+
„Trinkwasser direkt aus der Leitung“ wollen die Turboschnecken in diesem Jahr beim Firmenlauf anbieten.

Lüdenscheid – Nein, durch Trinkhalme aus Nudelteig müssen sich die Firmenläufer dann doch nicht erfrischen. „Der Geschmack war nicht gut“, hat Brigitte Klein festgestellt. Aber die Abfallbilanz 2018 weist ohnehin nur 500 Trinkhalme für Sekt aus. Die werden in diesem Jahr aus Zuckerrohr sein und im nächsten möglicherweise ganz gestrichen. Denn die Turboschnecken haben ehrgeizige Abfallvermeidungs- und Umweltschutzziele.

Doch diesmal wird es noch ein paar Kompromisse geben müssen. „Wenn wir dieses Jahr 80 Prozent hinbekommen, ist das auch schon gut“, findet die Turbo-Schnecken-Chefin. Das Vorhaben, den Firmenlauf 2019 am 5. Juli mit voraussichtlich wieder 5500 bis 6000 Teilnehmern möglichst abfall- und schadstoffarm über die Bühne zu bringen, ist ehrgeizig und ohne fachliche Unterstützung kaum zu stemmen. 

Die Verbraucherzentrale, die Energieagentur, die Klimabeauftragten von Stadt und Kreis, engagierte Sponsoren und umweltbewusste Teilnehmer-Firmen – die Turbo-Schnecken als Ausrichter haben sich Hilfe aus vielen Bereichen gesichert. Doch für manch’ geplante Umstellung hat sich die Zeit einfach als zu knapp erwiesen. „Mehrwegbecher sind dieses Jahr kein Thema“, sagt Brigitte Klein. Schätzungsweise 8000 Becher setzte 2018 allein die AOK ein. 

Unbeschichtete Pappbecher sollen es sein, aber für nächstes Jahr steht ein Mehrwegkonzept an. Dazu gehört dann allerdings auch ein Sammelsystem (Netze oder Gitterboxen), die geregelte Abholung und das Spülen. Mehrwegbecher könnten sich für die AOK auch rechnen: „Die machen viele Firmenläufe.“ 

Auf Apfelschorle wird verzichtet

Apropos rechnen: „Es wird sich herausstellen, wie viel wir mehr ausgeben“, so Brigitte Klein. „Aber ich denke, wir sparen am Ende.“ Zum Beispiel an Getränkekästen: Trinkwasser kommt diesmal direkt aus der Leitung. Zu dem Zweck stellen die Stadtwerke am Start und am Wehberg an Trinkwasserhydranten zwei Wassermobile bereit – erspart mehr als 2000 Liter Mineralwasser in Kästen und Flaschen. Auf Apfelschorle wird verzichtet – „im Grunde braucht man es nicht“. Klebrig sei das auch. Ersparnis: 480 Liter Apfelsaft. 

Am Freitag ist Teamsitzung, bei der weitere Maßnahmen festgelegt werden: „Dann gehen wir die Liste durch.“ Unter anderem wird Bio-Einweggeschirr getestet; entsprechende Muster („100 Prozent kompostierbares Palmblatt“) liegen bereit. Fleisch und Brötchen werden, wie gehabt, bei örtlichen Betrieben eingekauft. Das spart weite Transportwege. Die Teamkapitäne bekommen ihre Startunterlagen in nachhaltigen Obst- und Gemüsebeuteln. Und für die Helfer gibt’s vom Sponsor Rewe Obst und eine Flasche Wasser – die zugleich ein Hilfsprojekt fördert. 

Im vergangenen Jahr fielen allein für die Streckenpostenverpflegung je 140 Einwegflaschen (0,5 Liter), belegte Brötchen (in Papiertüten verpackt) sowie Riegel an. Kontrolltouren erfolgen diesmal mit dem E-Roller, ein E-Mobil wird als Schlussfahrzeug benutzt. Die Polizei ist mit Fahrrädern unterwegs, und die Energieagentur erforscht, wie viele Teilnehmer per Bus zum Startplatz kommen. Zu dem Zweck erhalten die Firmen so genannte Mobilitätsbögen, um diese Zahlen zu erheben. 

"Die Bereitschaft ist da"

Die MVG bietet für Teilnehmer und Helfer wieder kostenlose Fahrten an. Nachgedacht wird über Sammelplätze für einen Park&Ride-Service. Beachtlichen Zahlen aus der Müllstatistik von 2018 gilt es entgegenzuwirken: Schätzungsweise allein 10 000 0,3er-Bechern für alkoholfreies Bier vom Promostand der Krombacher, zum Beispiel. 

Unter anderem 8000 Servietten an allen Ständen, 500 Gabeln für Nudelsalat, der in Salatboxen mit Kunststoff-Deckeln angeboten wurde, 750 Holzstäbe für Waffeln oder auch 80 Ratschen stehen auf der Materialliste von 2018. Wenigstens die Ratschen sind schon mal ersatzlos gestrichen worden. Gespannt ist Brigitte Klein, ob man die Bemühungen letztlich auch an der Zahl der Mülltonnen und der Endreinigungskosten für den Rathausplatz (1000 Euro) merken wird.2018 stellte der STL zehn Tonnen à 240 Liter, zehn gelbe Tonnen gleicher Größe sowie zwei 1100 Liter-Abfallbehälter. Erkenntnisse über den Füllgrad fehlen. 

Alles in allem also eine spannende und interessante Aufgabe, findet Brigitte Klein. „Die Bereitschaft ist da“, freut sie sich: „Ich habe nichts Negatives gehört.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare