Firma im MK: Gläubiger Muslim darf wieder auf der Arbeit beten - unter einer Bedingung

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Symbolbild

Lüdenscheid - Ein gläubiger Muslim darf an seinem Arbeitsplatz fünfmal täglich seine Gebete verrichten. Doch dafür muss er unbezahlte Pausen einlegen.

Es war ein eher kurioser Fall für Arbeitsrichter Timo Mohr. Am 11. Mai verhandelte er über die Klage eines Lüdenscheiders, der als streng gläubiger Muslim darauf bestand, fünfmal täglich an seinem Arbeitsplatz den Teppich ausrollen und sein Gebet verrichten zu dürfen. 

Die Geschäftsführung des Unternehmens widerrief jedoch die Erlaubnis, die sie sieben Jahre zuvor gegeben hatte. Darauf beschritt der Arbeitnehmer den gerichtlichen Weg. 

Nun berichtet sein Rechtsanwalt, Ingo Theissen-Graf Schweinitz aus Hagen, dass ein Vergleich zustande gekommen und ein Kammertermin damit überflüssig ist. Der Streit drehte sich unter anderem um die Frage, ob die Gebetszeiten zur bezahlten Arbeitszeit gehören oder ob sich der fromme Mann jeweils ausstempeln und für das Gebet eine unbezahlte Pause einlegen muss. 

Außerdem hatte er sich für die innere Einkehr stets in die Abgeschiedenheit eines Heizungskellers der Firma zurückgezogen und seinen Gebetsteppich dort aufbewahrt. Seit einer Betriebsbegehung mit Vertretern der Feuerwehr wurde ihm aus Brandschutzgründen auch das untersagt. 

Nach Verhandlungen mit der Unternehmensleitung und Juristen des Arbeitgeberverbandes teilte Rechtsanwalt Theissen-Graf Schweinitz nun mit, dass eine außergerichtliche Einigung erzielt worden sei. Demnach wird sein Mandant künftig nicht mehr im Heizungsraum oder Öllager beten, sondern in einem Sozialraum für Mitarbeiter der Firma. 

Dafür darf er auch außerhalb der allgemeinen Pausenzeiten seine Gebete verrichten, muss dafür aber unbezahlte Pausen einlegen, also vor dem Gebet ausstempeln. Außerdem verpflichtet sich der Kläger, seinen Gebetsteppich nach dem Gottesdienst nicht im Sozialraum liegen zu lassen, sondern jeweils einzurollen und mitzunehmen. 

Der Anwalt: „Damit ist der vorliegende Rechtsstreit erledigt.“

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