Firma ERO: Dickes Ende statt schnellen Geldes

LÜDENSCHEID ▪ Die 19 Beschäftigten, die von der Insolvenz der ERO GmbH an der Altenaer Straße betroffen sind, erhalten zunächst Insolvenzgeld bis zum Jahresende – in der Höhe ihrer bisherigen Löhne und Gehälter.

Wie die Anwaltskanzlei des vorläufigen Insolvenzverwalters Manfred Gottschalk aus Herdecke gestern auf LN-Anfrage weiter erklärte, will man nun prüfen, ob die Fortführung des Betriebs über das Jahresende hinaus möglich ist, oder ob die Übernahme durch einen Investor in Frage kommt. Die Beschäftigten hätten zugesagt, die Produktion bis auf weiteres in vollem Umfang aufrecht zu erhalten, um die Lieferkette zu den Kunden nicht abreißen zu lassen.

Wie berichtet, trugen zwei ungewöhnliche Vorkommnisse dazu bei, dass ERO derart in Bedrängnis geraten ist. Zum einen gab es in diesem Sommer eine Serie von Einbrüchen, bei denen Waren gestohlen wurden, deren Gesamtwert im hohen fünfstelligen Bereich liegen soll. Die Versicherung zahlte nach Angaben der Herdecker Kanzlei bisher nur einen Teil der Schadenssumme. Hier gehe es offenbar um angebliche Versäumnisse bei der Sicherung der Gebäude. Es sei möglich, dass sich die Kanzlei im Rahmen des Insolvenzverfahrens darüber noch mit dem Versicherer streiten muss, hieß es in Herdecke.

Der entscheidende Schlag für die Lüdenscheider Firma aber war nach Einschätzung der Kanzlei Gottschalk die Insolvenz der Frankfurter Alpha-Factoring-Bank Ende Oktober. Denn über dieses Institut hatte die ERO GmbH, die im Bereich Kaltumformung, Sonderschrauben und Edelstahlverarbeitung tätig ist, einen großen Teil ihrer Unternehmensfinanzierung abgewickelt.

Factoring-Banken gibt es, damit Betriebe nicht so lange auf die Begleichung ihrer Rechnungen warten müssen – im Normalfall sind das in Deutschland immerhin anderthalb Monate. Der Factorer dagegen kauft dem Betrieb die Rechnung ab und zahlt ihm den größten Teil der Summe sofort aus. Wenn der Kunde des Herstellers dann den Gesamtbetrag überweist, geht das Geld an den Factorer. Der gibt den ausstehenden Restbetrag an das Unternehmen weiter – natürlich abzüglich seines Honorars. Mit der Insolvenz der Frankfurter Alpha-Factoring-Bank gingen ERO diese Zahlungen verloren. Denn sie flossen an die Alpha-Bank – und damit in deren Insolvenzmasse. Statt schnellem Geld kam damit das dicke Ende.

Kaum eine Alternative für die meisten ERO-Beschäftigten dürfte bei einem möglichen Aus für ihr Unternehmen indes ein Arbeitsplatz innerhalb der ESM-Gruppe von Inhaber Manfred Leitold sein. Diese Gruppe, zu der die Lüdenscheider Firma seit ihrer Übernahme von der Familie Rosenbach im Jahr 2006 gehört, verfügt zwar noch über zwei weitere Standorte. Doch die liegen in Heiligenstadt/ Thüringen und in Tschechien. J hgm

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