„Finger gehoben“ und dabei gelogen: Döner-Bräter gibt klein bei

Lüdenscheid - Er hat vor einem Jahr, wie man sagt, „die Finger gehoben“. Aber seine eidesstattliche Versicherung – kein Einkommen, kein Erwerb, keine Ansprüche oder Rechte darauf – war wohl gelogen.

Denn der heute 65-Jährige Frührentner stand fast täglich in seiner eigenen Dönerbude am „Knapp“ und verdiente Geld. Nur: Offiziell und für die Behörden lief das Gewerbe auf die Namen von Strohleuten. Dolmetscher Tekin Özbey übersetzt: „Ich habe nur mal ausgeholfen und etwas Taschengeld bekommen.“

Die Miene des Staatsanwaltes verfinstert sich bei den Ausflüchten des Angeklagten zusehends. Denn dessen Schuld ist allzu offensichtlich. Der 65-jährige, Vater von fünf erwachsenen Kindern, bezieht 284 Euro Rente, seine Frau 300 Euro, das Sozialamt zahlt die Wohnungsmiete. Auf die Frage von Strafrichterin Kristina Thies antwortet der Angeklagte lächelnd: „Nein, ich vermiete keine Wohnungen.“

Doch wenigstens im Zusammenhang mit der Dönerbude erscheint die Aktenlage klar. Denn die Gewerbeaufsicht hat dem türkischen Imbiss – unter anderem wegen Steuerschulden – immer mal wieder Besuche abgestattet. Die Richterin: „Und die haben immer wieder den Angeklagten dort angetroffen.“ Obwohl der sein Gewerbe längst abgemeldet hatte.

Derweil wechselten die Namen der Inhaber. Mal taucht ein türkisch-stämmiger Bulgare namens Bayram als Inhaber auf, dann ein Aleks aus Polen. Der eine habe den Laden als Scheinbetrieb übernommen, um ein Bleiberecht zu bekommen, sagt der Angeklagte. Der andere habe keine Zeit für das Geschäft gehabt und es zeitweise geschlossen. Beiden gemeinsam ist wohl, dass sie keine Ahnung von Dönerbuden, Spießen, Saucen und Salaten haben. Der Angeklagte: „Ich habe sie nur angelernt.“

Der Staatsanwalt wird immer misstrauischer. Auch Strafverteidigerin Katja Kirmizikan hat schon optimistischer dreingeschaut. Als dann noch ein Rumäne ins Spiel kommt, der ebenfalls ein Gewerbe auf die Dönerbude angemeldet hat, zieht sie die Notbremse – und den Einspruch gegen den Strafbefehl zurück. Ihr Mandant erklärt sich einverstanden mit einer Geldstrafe von 750 Euro.

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