Die Banken müssen auf schlechte Konjunktur reagieren

Finanzberatung per Videochat - Volksbank rüstet sich für die Zukunft

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Blicken positiv aufs Jahr 2019 zurück: Volksbank-Vorstand Jens Brinkmann (links) und Roland Krebs (rechts) sowie Vorstandssprecher Karl Michael Dommes.

Lüdenscheid – Die gesamtwirtschaftliche Lage im Märkischen Kreis ist seit einiger Zeit eher schwach, die Volksbank in Südwestfalen kann dennoch auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2019 zurückblicken.

Nach dem Zusammenschluss der Häuser in Südwestfalen im Jahr 2018 war 2019 das erste volle Geschäftsjahr für die Volksbank. Man wolle mehr Verantwortung für die südwestfälische Region übernehmen und „so richtig PS auf die Straße bekommen“, wie Volksbank-Vorstandssprecher Karl Michael Dommes am Freitag bei einer Bilanzpressekonferenz sagte. 

Gestiegen sind in 2019 sowohl die Bilanzsumme – von 3,6 auf rund 3,8 Milliarden Euro – als auch das betreute Kundenvolumen, das erstmals die 7-Milliarden-Grenze übersteigt. Gewachsen sind demnach die Kundenkredite und die Kundeneinlagen, jeweils um etwa 6 Prozent. 

"1,7 Milliarden Euro als täglich Pfennig angelegt"

Mit Letzterem habe die Volksbank nicht geplant, wie Dommes sagte. Denn in Zeiten von Null- und Minuszinsen seien so hohe Einlagen der Kunden durchaus eine Herausforderung. Knapp 2,7 Milliarden Euro betrage die Höhe der Einlagen, „1,7 Milliarden Euro davon sind als täglich Pfennig angelegt“, sagte Dommes. Viele hofften darauf, dass sich die Zinslage verbessere, doch danach sehe es nicht aus. „Auch deshalb werden wir nicht müde, die Kunden in Sachen Kredite zu beraten“, hieß es seitens des Vorstandes. 

Die niedrigen Zinsen wirken sich auch auf den Geschäftserfolg aus, „das Thema wird uns nicht loslassen“: Obwohl Steigerungen erreicht wurden, sind der Zinsüberschuss und der Provisionsüberschuss in den vergangenen drei Jahren nahezu konstant geblieben. „Es braucht immer mehr, um auf ein ähnliches Volumen zu kommen“, sagte Dommes. 

"Speckschicht für die nächsten Jahre anlegen"

Auch deshalb setze die Volksbank seit Jahren auf eine Kostenoptimierung, unter anderem besonders auf Geschäftskundenberatung und Baufinanzierung. All das wirke sich positiv auf den Bilanzgewinn aus. 2019 wird der voraussichtlich 4,5 Millionen Euro betragen – die noch ausstehende Zustimmung des Aufsichtsrats und der Vertreterversammlung vorausgesetzt. Drei Prozent davon, 1,2 Millionen Euro, sollen an die Mitglieder ausgeschüttet werden. 

Außerdem wolle sich die Volksbank in Südwestfalen eine „Speckschicht für die nächsten Jahre anlegen“, wie Dommes sagte, und das Eigenkapital um 50 Millionen Euro erhöhen. Auf diese Weise seien sie „wetterfest“, etwa für die Ausgabe von Krediten. In den vergangenen zehn Jahren gab es ein Wachstum, „das wir gerne weiterführen möchten“. 

Dafür müssten neue Ertragsfelder erschlossen werden, vor allem im Bereich Wohnen und mit Tochtergesellschaften. „Wir müssen uns vom regulären Bankgeschäft auch nach rechts und links bewegen, um uns fit für die Zukunft zu machen.“ Die Bevölkerung sei bereit, zu konsumieren und zu investieren, „wir treffen in vielen Bereichen den Nerv unserer Mitglieder“.

Finanzberatung per Videochat

In 2019 hat die Volksbank in Südwestfalen zehn Geschäftsstellen geschlossen. Dennoch sei die Filialdichte im Bundesvergleich gut, wie Vorstandssprecher Karl Michael Dommes sagte. Und: Trotz der Schließungen sei ihnen der Kundenkontakt wichtig, „wir orientieren uns aber neu“. 

Seit Februar unter anderem mit dem Kunden-Dialog-Center (KDC). Ein extra Team biete am Telefon, per Videochat oder E-Mail eine „richtige Beratung zu Finanzen“ an – ohne, dass die Kunden in eine Filiale müssen. Mit dem Angebot erhoffe man sich einen „echten Vorteil“, erklärte der Vorstand. 

Das KDC war bereits im Probebetrieb gestartet. „Natürlich wollen wir damit auch eine jüngere Zielgruppe ansprechen. Vorteile hat die Beratung von zuhause aus aber für viele – unser erster Kunde war ein 94-Jähriger, der Fragen zu seinen Wertpapieren hatte.“

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