Finanzamt: „Nicht schneller, eher langsamer“

LÜDENSCHEID ▪ Das Finanzamt der Kreisstadt leidet wie die anderen Ämter der Oberfinanzdirektion unter Personalmangel. Das sagte gestern Amtsvorsteher Dr. Hans Gerhard Selle. Die Folge sind längere Wartezeiten, bis die Steuerbescheide im Briefkasten sind – und längere Wartezeiten auf den Fluren des Finanzamtes an der Bahnhofsallee.

In seinem Haus hat Dr. Selle in den vergangenen Jahren im Zuge des landesweiten Stellenabbaus „zehn bis zwölf Köpfe“ eingebüßt, wie Dr. Selle sagte. Insgesamt habe der damalige Finanzminister rund 1000 Beschäftigte in den Vorruhestand geschickt. Dr. Selle: „Inzwischen haben wir hier eine Altersstruktur wie bei den Lehrern oder der Polizei – 50  plus.“ Angesichts der demografischen Entwicklung und damit sinkender Schülerzahlen sei es für die Zukunft eine Aufgabe, genügend Nachwuchs zu rekrutieren und auszubilden. „In etwa zehn Jahren muss eine Welle von Bewerbern kommen.“

Zwar bildet das Finanzamt Lüdenscheid nach Angaben des Dienststellenleiters pro Jahr vier bis sechs junge Leute aus. Doch nicht für den eigenen Bedarf, wie Dr. Selle sagt. „Das Personalbudget ist Sache der Landesregierung.“ Man hoffe, dass die Beschäftigten nach der Ausbildung ortsnah eingesetzt werden – Einfluss darauf haben die örtlichen Chefs nicht.

Die Bearbeitung von Erstattungsanträgen ist „nicht schneller, sondern eher etwas langsamer“ geworden, sagte der Leiter des Lüdenscheider Finanzamtes. „Eine normale Arbeitnehmer-Veranlagung kann bis zu drei Monaten dauern.“ Die Teams der Betriebsprüfer seien derzeit gut besetzt, die Innendienste – zu ihnen gehört auch das Bürgerbüro – „etwas knapper“. Und technische „große Sprünge“, etwa bei der elektronischen Steuererklärung, glichen keinen „gigantischen Stellenabbau“ aus.

Olaf Moos

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