Finale der Ida- Gerhardi-Ausstellung

Dr. Susanne Conzen und Wolfgang Steinweg plauderten vor Publikum über Episoden aus Ida Gerhardis Leben. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Bilder sind nicht nur bloß Dekoration, sie sind Teil der Kunst- und Kulturgeschichte. Aber oft haben sie ihre eigenen Geschichten, entweder zu dem, was sie abbilden oder zu ihrer Entstehung. Das wurde beim Finale der Ausstellung „Ida Gerhardi – deutsche Künstlerinnen in Paris um 1900“ in der Städtischen Galerie deutlich.

Am Samstag gab es noch zwei Vortragsveranstaltungen. Dr. Susanne Conzen, Kuratorin der Ausstellung, und Wolfgang Steinweg, Großneffe Ida Gerhardis, gaben einen Einblick in das Leben der Künstlerin und ihren Kampf um Anerkennung.

Die verlängerten Öffnungszeiten am Samstag lockten noch einmal etliche Besucher zum Sauerfeld. Auch aus dem Rheinland waren Frauen gekommen, die sehr angetan waren und bedauerten, dass die Ausstellung dort zu wenig bekannt geworden sei.

In ihrem Vortrag am Nachmittag erläuterte Dr. Susanne Conzen einmal mehr, wie schwierig es für Ida Gerhardi und ihre Künstlerkollegen und -kolleginnen war, mit ihrem für die damalige Zeit sehr modernen Stil im konservativen Kaiserreich Anerkennung zu finden. Überschrieben war das Referat: „Meine Olympia hat Aufsehen erregt! Ida Gerhardi und der Kunstsammler Eduard Arnhold“. Dieser war einer der bedeutendsten Industriellen der Kaiserzeit. Sein Reichtum verpflichtete ihn geradezu, zum Mäzen zu werden. Über den Leiter der Berliner Nationalgalerie Hugo von Tschudi war der Kontakt zwischen Arnhold und Ida Gerhardi zustande gekommen, so dass die Künstlerin zwei Aufträge bekam: Eine Kopie der „Olympia“ von Manet und ein Porträt von Arnholds Frau mit den beiden Enkeln. Letzteres kollidierte dann wohl trotz aller progressiven Einflüsse Tschudis mit dem konservativen Geschmack Arnholds. Er bezahlte zwar, aber das Bild wurde kaum gezeigt – vor allem nicht in Deutschland. Heute ist es verschollen, es gibt noch eine Schwarz-Weiß-Fotografie.

Am Abend folgten erneut viele Zuhörer einer Plauderei, die Dr. Conzen entlang der Porträts mit Wolfgang Steinweg führte. Die Kunsthistorikerin erläuterte Daten und Fakten zu den Bildern. Steinweg ergänzte mit Geschichten, Anekdoten und Zitaten aus Briefen aus dem privaten Bereich. Karl August Gerhardi, Idas Bruder, war der Großvater von Wolfgang Steinweg.

Ein gelungener Schlusspunkt unter eine Ausstellung mit überregionaler Bedeutung. Gestern gab es die letzte Sonntagsführung.

Stolz sind die Organisatoren darauf, dass das Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte in Oldenburg die Ausstellung ab dem 16. September unter dem Titel „Ballrausch und Farbenpracht. Ida Gerhardi in Paris“ zeigt. Dr. Conzen erhofft sich davon eine weitere große Öffentlichkeitswirkung für die Arbeit der städtischen Galerie: „Der Name Lüdenscheid wird dort fallen, er muss fallen.“ ▪ gör

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