Amateure mit Ambitionen

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Dreharbeiten in einer Lagerhalle und Werkstatt in Werdohl.

WERDOHL ▪ Sie haben einen Großeinsatz ausgelöst. Sie sind verdächtig worden, Pornofilme zu drehen. Und ihnen sind zwei Hauptdarsteller abgesprungen. Die Amateurfilmer von „Instinct Art“ haben während der Dreharbeiten zu ihrem Film „Existence“ bereits Einiges erlebt, was nicht im Konzept für ihr ambitioniertes Filmprojekt vorgesehen war.

Dennoch kommt für die Gruppe Jugendlicher um Mastermind Robert Maciejewski nach zweieinhalb Jahren harter Arbeit die Zielgerade langsam in Sicht.

Rund 600 Stunden Filmmaterial sind bereits im Kasten. „Zu 70 Prozent sind wir fertig“, schätzt Maciejewski, der hofft, die Dreharbeiten zum Ende des Jahres abschließen zu können. Drei Jahre hätten die Amateurfilmer dann damit zugebracht, alle Szenen für „Existence“ einzuspielen. Im Januar 2010 fiel am Werdohler Bahnhof erstmals die Klappe. Knapp zwölf Stunden pro Woche haben die Mitglieder von „Instinct Art“ seitdem pro Woche in die Dreharbeiten für den Science-Fiction-Thriller gesteckt. Die Endfassung des gesellschaftskritischen Streifens soll 120 Minuten dauern.

Zwillinge contra Terrororganisation

In „Existence“ versuchen die mit übersinnlichen Fähigkeiten ausgestatteten Zwillinge Chris und Aiden Eventus, eine Terrororganisation zu bekämpfen, die systematisch Schlüsselpersonen aus Wirtschaft, Politik und Religion beseitigen will. Ziel ist der Umsturz des Gesellschaftssystems. Während des Kampfes verliebt sich Aiden in Fay, ein Mitglied der Terrororganisation, und beginnt so, sowohl das Vorhaben der Terroristen als auch das bestehende System kritisch zu hinterfragen, ehe es zu einem dramatischen Finale kommt.

Dramatisch ging es auch während der Dreharbeiten zu. „Unwägbarkeiten im Personalwesen“ (O-Ton Robert Maciejewski) waren ein Grund dafür. Zwei ursprüngliche Hauptdarsteller schmissen die Brocken hin. „Wir mussten dadurch natürlich einige Szene nachdrehen“, erinnert sich Maciejewski.

Was Zeit kostete und mit besonderen Problemen verbunden war. „Wir waren irgendwann verzweifelt, weil wir keine Schauspieler fanden, und sprachen auf gut Glück Leute auf der Straße an. Viele waren zuerst skeptisch und dachten, wir würden einen Porno drehen“, erzählt der 19-Jährige und grinst. Mit Nicole Jasica und Philipp Blum habe die Gruppe aber schließlich mehr als nur adäquaten Ersatz gefunden.

Blaulicht während der Dreharbeiten

Letzterer löste übrigens in Köln einen Großeinsatz aus. „Für eine Szene habe ich mich – gut gesichert – auf die Ballustrade der St. Agnes Kirche in Köln gestellt. Plötzlich sah ich überall Blaulicht“, erinnert sich Blum. Gleich mehrere Passanten hatten vermutet, dass der Jugendliche in den Tod springen wolle. Schließlich klärte Maciejewski Feuerwehr, Polizei und Notarzt auf und zeigte die Genehmigung der Kirchenleitung vor. „Die Rettungskräfte waren ziemlich sauer, aber wir durften weiter drehen“, so der 19-Jährige.

„Dieses Projekt ist

unsere Filmschule“

Das Drehbuch zu „Existence“ stammt komplett aus seiner Feder. Als er 2009 ein Theaterpraktikum in Chicago absolvierte, sei ihm die Idee zu dem Film gekommen, die er seitdem beständig weiter entwickelt habe. Mit Christopher Heinrich, der damals ebenfalls über eine rudimentäre Filmausrüstung verfügte, startete der Mastermind Ende 2009 das Filmprojekt „Instinct Art“. Der sarkastische Name sei bewusst gewählt worden: „Keiner von uns hat eine filmische Ausbildung“, erklärt Maciejewski, „dieses Projekt ist unsere Filmschule.“

Mittlerweile haben die Jugendlichen nicht nur gelernt, wie man auch als Amateur mit Spiegelreflexkameras in HD-Qualität dreht. Oder mit welchem Audio-Equipment sich die besten Ergebnisse erzielen lassen. Oder ihre schauspielerischen Fähigkeiten erweitert. Auch um sämtliche organisatorischen Aspekte kümmert sich „Instinct Art“ selbst – von Sponsorengeldern bis zu Drehgenehmigungen. Lediglich die Mietgebühr für die zur Nachbearbeitung des Filmmaterials nötigen Gerätschaften und das Geld für einen Dreh in Amsterdam bezahlt das Jugendkulturbüro.

Premiere mit rotem Teppich im Kino

Im Frühjahr 2013 soll „Existence“ dann endlich seine Premiere feiern. Im ganz großen Stil. „Wir befinden uns in Gesprächen mit einem Lüdenscheider Kinobetreiber“, verrät Maciejewski. Für den Zieleinlauf des Projekts haben die Amateurfilmer einen Empfang mit rotem Teppich und eine Aftershow-Party geplant – um einen Hauch von Hollywood zu verbreiten. ▪ Sven Prillwitz

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