Mildes Urteil am Amtsgericht

Filialleiterin aus MK trickst mit Retouren Modekette aus - Chef kommt dahinter

Kleider an Stange
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Symbolbild

Der Prozess vor dem Schöffengericht beginnt mit heftigem Abstreiten („Ich habe nichts gemacht!“), Tränen einer vermeintlich unschuldig angeklagten Frau (34) – und endet mit einem umfassenden Geständnis sowie einer vergleichsweise milden Bestrafung: ein Jahr und zwei Monate mit Bewährung wegen gewerbsmäßiger Untreue in neun Fällen. Die ehemalige Filialleiterin einer Boutique in der Lüdenscheider Innenstadt akzeptiert die Entscheidung der Richter und sagt zum Abschied leise „Danke“.

Lüdenscheid - Der Vorsitzende Richter Thomas Kabus spricht von einem „ausgeklügelten System“ von Betrügereien und bescheinigt der Lüdenscheiderin eine „nicht unerhebliche kriminelle Energie“. Denn sie hatte Hosen, Hemden oder Jacken nicht nur verkauft, sondern war auch für die Entgegennahme von Retouren oder Reklamationen zuständig.

Im Februar 2018 begann die Filialleiterin nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft damit, die Rücknahme von Waren zu fingieren und sogenannte Restwertgutscheine auszustellen. Die Gutscheine behielt sie für sich, setzte sie wiederum in Waren ihrer Firma um, die sie dann zu Geld machte.

Doch so ausgeklügelt ihre Masche auch war – die Sicherungssysteme ihres Arbeitgebers funktionierten einwandfrei. Die Sache flog knapp acht Monate nach der ersten Manipulation auf, weil die Revisionsabteilung des Unternehmens etwas bemerkte: Retouren und die Ausstellung von Gutscheinen häuften sich zeitweise ausgerechnet in der Filiale, in der die 34-Jährige gerade eingesetzt war, sei es in Lüdenscheid, Hagen, Dortmund oder Siegen.

Der Blick auf Artikelnummern, Bon-Kennungen oder Namenskürzel erhärteten den Verdacht. Spätestens als die angeblich zurückgegebenen Klamotten bei der Lager-Inventur fehlten, war die Sache für den Chef endgültig klar.

Über das klärende Gespräch zwischen Geschäftsführer und Filialleiterin gibt es zunächst höchst unterschiedliche Versionen. Die Angeklagte behauptet unter Tränen, er sei „aggressiv und brutal“ aufgetreten, habe geschrien und sie bedroht. „Da habe ich gesagt, was er hören wollte, ich hatte Angst vor ihm und wollte nur noch raus.“ Der 44-jährige Geschäftsmann aus Möhnesee nennt die Darstellung im Zeugenstand „eine absolute Frechheit“.

Zwei weitere Zeuginnen bestätigen, was ihr Chef ausgesagt hat. Sieben weitere Zeugen – Kunden, deren Namen im Zusammenhang mit angeblichen Retouren und Gutscheinen aufgetaucht sind – sitzen auf dem Gerichtsflur und warten auf ihre Vernehmung. Da zieht Strafverteidiger Dr. Michael Schulte die Reißleine.

Eine Erörterung zwischen Richtern, Staatsanwalt und Verteidiger im Beratungszimmer folgt. Ein Mandantengespräch zwischen Anwalt und Angeklagter dauert nur wenige Minuten. Dann sagt Dr. Schulte: „Die Einwände werden eingeräumt.“

Die Verurteilte hat die Chance, sich zu bewähren. Sie arbeitet nun für eine andere Firma, wieder in einer Boutique in der Lüdenscheider Innenstadt.

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