Fichte bleibt wichtiger Wirtschaftsfaktor

Fichtenernte im Oedenthal: Derzeit werden neben einer noch von Kyrill abgeräumten Fläche Bäume gefällt.

LÜDENSCHEID ▪ Revierförster Marcus Teuber sieht ganz neue Perspektiven für die heimische Wirtschaft: Im Zusammenhang mit den Bemühungen, mehr Laubbäume auf die heimischen Waldböden zu bringen, werden in diesem Jahr auch 100 Elsbeeren, Baum des Jahres 2011, gepflanzt.

In 25 bis 30 Jahren sei mit den ersten Früchten zu rechnen, aus denen dann Schnaps gebraut werden könne, scherzt Teuber. Wirtschaftlich ernster zu nehmen sind die Bemühungen der heimischen Waldbauern und Sägewerke um eine gut funktionierende Infrastruktur. Beträchtliche Einnahmen aus den Verkäufen von Kyrill-Holz habe die heimische Holzwirtschaft in den vergangenen Jahren in die Modernisierung gesteckt, berichtet Teuber. Im Ergebnis bleibe die Waldwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Südwestfalen – „vom nachwachsenden Rohprodukt bis zum fertigen Endprodukt der Sägeindustrie“. Hier hätten auch mittelgroße heimische Betriebe mit einer Jahresproduktion zwischen 200 000 und 500 000 Festmetern ihren Markt gefunden. Konstruktionsvollholz ist gefragt – auch durch die steigende Nachfrage nach Holzhäusern. Der Energieholzsektor hat sich in den vergangenen Jahren ebenfalls stark entwickelt.

Bei der Pflanzung von Laubbäumen auf den Kyrill-Flächen spricht sich Teuber für Augenmaß aus: „Die Fichte hat ihre Bedeutung in dieser Region“, betont er und verweist auf durchschnittliche 1000 Millimeter Niederschlag und nährstoffarme Böden – ein optimaler Standort für Fichten. Etwa 60 Prozent der seit dem Sturm Kyrill neuangepflanzten Bäume sind deshalb Fichten. Die 40 restlichen Prozent verteilen sich auf Eichen, Buchen, Douglasien, Nordmanntannen. An feuchten Standorten werden zudem Erlen, Eschen und Ahornbäume gepflanzt. Dort, wo weiterhin Fichten gepflanzt werden, bemüht sich die Forstverwaltung in Abstimmung mit den Waldbesitzern um eine abwechlungsreiche, „stufige“ Gestaltung des Waldrandes. Bei allem berechtigten ökologischen Interesse müsse auch der Wirtschaftsfaktor Wald im Blick bleiben, mahnt Teuber. „Es wird auch in 50 Jahren keinen Dachstuhl aus Buche geben.“

Viel habe sich getan, seitdem das Waldsterben in den achtziger Jahren zu einem der prominentesten Medienthemen avancierte, sagt Teuber. „Das hatte seine Zeit, war wichtig und sinnvoll.“ Vor allem die Rauchgasentschwefelungsanlagen sorgten für Entspannung. So auch in Lüdenscheid: Oberhalb der Firma Hueck sei der Wald damals stark geschädigt gewesen, erinnert sich Teuber. Ganz erholt habe er sich davon bis heute nicht. Grund zu einer umfassenden Entwarnung in Sachen „Baumsterben“ gebe es angesichts der weltweit weiter voranschreitenden Umweltverschmutzung und der Klimaveränderungen aber nicht. Noch nicht geklärt seien die Ursachen für den Pilzbefall und das Abtrocknen von Buchen und Eichen – „ein Komplexschaden aus vielerlei Faktoren“. Die Trockenheit im März und April habe zudem zur Ausbreitung des Borkenkäfers beigetragen. ▪ thk

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