Feuerwehr will neue Helme

Bei der Vorstellung der neuen Schutzanzüge im Jahr 2008 tragen die Feuerwehrleute auch die Helme, die jetzt offen in der Kritik gelandet sind – sie entsprechen nicht mehr den aktuellen Normen und haben die empfohlene Verwendungsdauer überschritten.

LÜDENSCHEID ▪ Sind die Helme der Lüdenscheider Feuerwehr noch zulässig oder nicht? Sind sie unter Umständen gar gefährlich? Diese Fragen führen nach Informationen unserer Zeitung aktuell zu Konflikten zwischen Einsatzkräften und Wehrführung.

Im Einsatz sind derzeit noch Helme mit der Bezeichnung F 200, die seit zwölf Jahren von der Herstellerfirma Schuberth nicht mehr produziert werden, weil sie den Anforderungen bezüglich der Hitzebeständigkeit nicht mehr genügen.

"Sofort mehr als 100 Helme ausmustern"

Laut LN-Informationen haben sich aktuell Feuerwehrleute an die Wehrleitung gewandt mit der dringenden Forderung, sofort mehr als 100 Helme der Haupt- und ehrenamtlichen Kräfte aus Sicherheitsgründen auszumustern. Der Vorwurf einiger Wehrleute bezieht sich auf die Verpflichtung der Stadt, eine zugelassene und geeignete Ausrüstung zur Verfügung stellen zu müssen. Die Helme seien nicht mehr zur Innenbrandbekämpfung zugelassen und hätten außerdem die vom Hersteller empfohlene maximale Verwendungssdauer überschritten.

Anforderungen "dramatisch höher"

Dies bestätigte ein Sprecher der Firma und erklärte, dass die Anforderungen „dramatisch höher“ geworden seien. Die Ausrüstung müsse gemäß der aktuellen Normen höheren Temperaturen als früher standhalten. Das schließe Helme aus Textil-Phenol-Kunstharz, wozu auch der F200 gehört, aus. „In einzelnen Fällen kann es passieren, dass Helme delaminieren“, beschrieb es der Firmensprecher. In einem Informationsblatt der Feuerwehr-Unfallkasse Nord (zuständig für Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein) aus dem Jahr 2002 steht, dass Helme aus duroplastischem Kunststoff bei „hoher Temperatureinwirkung zur Blasenbildung neigen“. Im Sicherheitsbrief der Kasse heißt es ausdrücklich zum F 200: „Für Atemschutzgeräteträger verboten.“

"Rechtliche Fragen werden derzeit geprüft"

Wolff-Dieter Theissen hält die Kritik für überzogen.

Zum vermeintlichen Verbot der Helme sagte der zuständige Fachbereichsleiter Wolff-Dieter Theissen, dies gelte seines Wissens dann, wenn bei der Innenbrandbekämpfung kein Löschmittel verwendet werde. Die rechtlichen Fragen würden derzeit geprüft. Er habe die Feuerwehrleute gebeten, die vorhandenen Helme so lange weiter aufzusetzen, bis der Sachverhalt klar sei. Allerdings ist das Ganze, so hofft Theissen, ein Problem, das die Zeit klärt. Denn 75 neue Helme sind da und sollen zeitnah ausgegeben werden. Dass dies bislang nicht erfolgt sei – ein weiterer Vorwurf aus Kreisen der Einsatzkräfte – liege daran, dass innerhalb der Wehr eine Prioritätenliste erstellt werden sollte, wer am dringendsten einen neuen Helm benötigt. Die liege jetzt vor. Falls im Sparhaushalt entsprechende Mittel zur Verfügung stehen, sollen laut Theissen die dann noch fehlenden rund 50 Helme noch 2012 angeschafft werden. - gör

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