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Feuerwehr-Chef stolz auf Einsatzkräfte: „Die müssen sich jetzt ausruhen“

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Von: Olaf Moos

Einsatzwagen der Feuerwehr im Regen
Ein Großteil der rund 200 Einsatzfahrten führte die Feuerwehr über die Talstraße in Richtung Volmetal. © Cornelius Popovici

„Ich bin froh, die Leitung hier übernommen zu haben und zu sehen, wie leistungsfähig die Lüdenscheider Feuerwehr ist.“ Das Fazit des neuen Stadtbrandmeisters Christopher Rehnert nach zwei Tagen Dauerstress im Einsatz gegen das Hochwasser könnte kaum besser ausfallen.

Lüdenscheid - In den Stolz auf das Geleistete mischt sich die Trauer um zwei Kameraden, die in Altena und Werdohl ihr Leben verloren haben. Seit Freitag fahren die Feuerwehren im Märkischen Kreis mit Trauerflor an den Fahrzeugen.

Christopher Rehnerts Rückblick auf das Einsatzgeschehen in Lüdenscheid zeigt, dass seine Leute ausnahmslos an ihre Grenzen gegangen sind, um zu retten und zu helfen. In Spitzenzeiten waren mehr als 100 haupt- und ehrenamtliche Kräfte aus der Kreisstadt im Stadtgebiet aktiv – und eilten dabei zu rund 200 Einsatzstellen. Teilweise waren die Frauen und Männer bis zu 40 Stunden an der „Wasserfront“ – mit nur kurzen Pausen. In Einzelfällen haben Fachleute in den Einsatzleitstellen auch 40 Stunden durchgearbeitet.

Hilfe von außen

Die Einsatzleitung um Kreisbrandmeister Michael Kling koordinierte professionelle Hilfe von außen. Laut Rehnert waren unter anderem vier Feuerwehr-Einheiten aus dem Kreis Soest und dem Oberbergischen Kreis mit mindestens 50 Kräften auf Lüdenscheids Straßen im Einsatz. „Die Zusammenarbeit hat super geklappt. Die Auswärtigen haben auch ohne genaue Ortskenntnisse weitgehend selbstständig und bis zum Umfallen gearbeitet.“

Feuerwehrmann vor Dienstwagen
Christopher Rehnert leitet die Feuer- und Rettungswache seit April. © Olaf Moos

Ohne weitere Hilfsorganisationen vor Ort wäre auch das nicht möglich gewesen. Einen „riesigen Anteil“ am Gelingen der Hilfe im Kampf gegen die Fluten hat nach den Worten des Feuerwehr-Chefs vor allem der Lüdenscheider Ortsverband des Technischen Hilfswerks (THW) mit seinem Ortsbeauftragten Klaus Cordt. Die Männer hatten ohne Unterlass ihre Pumpen in Betrieb, um das Hab und Gut von Hausbewohnern zu retten. Das Deutsche Rote Kreuz und die Johanniter Unfallhilfe haben die Kollegen der Feuerwehr laut Rehnert außerdem „komplett zuverlässig mit warmem Essen und Getränken versorgt“.

Trotz der Verstärkung gab es zeitweise personelle Engpässe. Rehnert: „Das Problem war, dass die Flut ausgerechnet in der Urlaubszeit anrollte. Einige unserer Leute sind verreist, andere wiederum sind vom Hochwasser selbst betroffen und mussten sich um ihre Häuser und ihre Familien kümmern.“

Prioritätenlisten

Obwohl die haupt- und ehrenamtlichen Retter angesichts der Katastrophe „alles gegeben“ haben, wie Christopher Rehnert sagt, habe es auch kritische Stimmen aus der Bevölkerung gegeben. Anrufer, für die die Feuerwehr nicht schnell genug anrückte, weil ihr Keller unter Wasser stand, zeigten demnach wenig Verständnis für Verzögerungen.

Die Einsatzkräfte arbeiten ihre Maßnahmen dennoch nach einer strikten Prioritätenliste ab. Rehnert über Priorität 1: „Die Rettung von Menschenleben steht absolut im Vordergrund.“ Zum Beispiel die Bergung eines Mannes, der am Mittwoch in seinem Auto von Wassermassen umschlossen war. Priorität 2 gilt dem Schutz vor Gefahren für Menschen und Umwelt. Zum Beispiel der Gastank, der sich in Brügge aus der Verankerung gelöst hatte und von der Volme rund einen Kilometer mitgerissen wurde – bis zur Einmündung Am Kamp. Erst dann kümmern sich die Kräfte um einen abgesoffenen Keller.

Der am Mittwochnachmittag ausgerufene Stadtalarm ist inzwischen zurückgestuft. Vor allem die ehrenamtlichen Helfer sind nicht mehr rund um die Uhr in den Gerätehäusern der Löschzüge präsent. Rehnert: „Die Leute müssen sich jetzt ausruhen.“

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