„Wir hier, bunt und friedlich“

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Das Plakat sei „eine politisch aktuelle und brisante Stelle“ der Austellung, findet Dorna Hatamlooy (links), die gemeinsam mit Ulrike Tütemann (rechts) und Michaela Ernst „Wir hier“ kuratiert: „Ab hier wird das nämlich ungemütlich.“

LÜDENSCHEID - „Wir hier, bunt und friedlich“ – so wird das Abschlusslied heißen, das der Altenaer Musiker Potlako Mokgadi eigens zum Abschied komponiert. „Er vertont das Lied in 15 verschiedenen Sprachen. Es werden Liedzettel verteilt, und alle sollen mitsingen“, freuen sich Ulrike Tütemann und Dorn Hatamlooy irgendwie doch auf den letzten großen Paukenschlag. Am Sonntag, 26. Mai, geht die Migrationsausstellung „Wir hier“ in den Museen der Stadt zu Ende – mit einem Festival der Kultur, genau so, wie die Ausstellung Mitte Juni vergangenen Jahres begonnen hat.

Gemeinsam mit Michaela Ernst waren Ulrike Tütemann und Dorna Hatamlooy seinerzeit losgezogen, um Lebensgeschichten zu sammeln. Entstanden sind aus den ursprünglichen Interviews mit den Migranten unserer Stadt viele persönliche Beziehungen. So werden am nächsten Sonntag ohne Zweifel Tränen fließen. Das wissen die beiden Damen schon jetzt.

Seit Wochen bereitet ein Arbeitskreis, bestehend aus vielen Nationen, das große Abschlussfest vor. Wöchentlich treffen sich die Organisatoren, diskutieren, stimmen ab, teilen ein. „Wir sind beim Festival zum Auftakt ja förmlich überrannt worden. Da lernt man draus“, sagt Dorna Hatamlooy. Gegen 12 Uhr soll das Festival starten. Vorbereitet werden bis zu diesem Zeitpunkt Gerichte aus mehr als 30 Nationen, die in den verschiedenen Vereinshäusern vorgekocht werden: „Man darf ja nie vergessen: Das ist hier keine Partyhalle, sondern ein Museum. Es gibt diesmal verschiedene Stände, und jedes Essen kostet drei Euro. Bei dem einen kommt das hin, bei dem anderen wird die Pizza halt ein Stück größer. Aber darauf hat sich der Arbeitskreis geeinigt.“ Die Hälfte des Erlöses wird gespendet. Und auch hier gilt: Alle für einen, nur für welche Institution das Geld hergegeben wird, steht noch nicht fest. Aber in diesen Topf fließt auch der Erlös aus dem Getränkeverkauf, den die Nussknacker unter der Leitung von Armin Keilig und Günther Stechbarth übernehmen wollen.

Tombola, Spieleparcours, Modenschau, Darbietungen – was die Unterhaltung der Gäste angeht, lässt sich keine Nation lumpen. „Wir gründen so eine Art Stammchor und üben heute Abend zum ersten Mal das Lied von Tlako“, sagt Ulrike Tütemann. Einzig „Wir hier, bunt und friedlich“ auf russisch sei ein bisschen problematisch. Musik gibt’s ebenfalls multikulturell. Seit einem Jahr sammelt Ali Karaoglan bereits Lieder aus allerlei Kulturen und Regionen. Diese Lieder hat der junge Mann nun zusammengestellt und wird die Gäste zum Festival der Kulturen unterhalten.

Wie schon so oft in den vergangenen zwölf Monaten ist der Eintritt zur Veranstaltung an der Sauerfelder Straße selbst kostenfrei. Bezahlt werden müssen nur Speisen und Getränke. Am 26. Mai besteht zum letzten Mal Gelegenheit zu einem Bummel durch die Migrationsausstellung. Danach wird abgebaut, und die Leihgeber erhalten ihre persönlichen Erinnerungen wieder zurück.

„Klar ist das ein Ende mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Dorna Hatamlooy, Promotionsstudentin an der Ruhr-Universität in Bochum, „wir werden ganz viel weinen an dem Abend. Aber das lachende Auge sieht, dass man auch mal mit einer Sache abschließen kann.“ - rudi

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