Ferien-Fahrverbot bringt Laster auf die Landstraße

Die Disponenten heimischer Speditionen müssen für Samstags-Transporte jetzt Umwege suchen.

LÜDENSCHEID - Es trifft sie nicht ins Mark, aber es betrifft sie: Auch Lüdenscheids Speditionen müssen jetzt mit dem neuen Samstags-Fahrverbot leben, das stark befahrene Autobahn-Abschnitte in der Hauptreisezeit für Urlauber-Autos reservieren soll. Denn „Lkw-Fahrverbot“ bedeutet keineswegs, dass nicht gefahren wird. „Wir bekommen vom Verband Ausweich-Strecken vorgegeben oder fahren über Landstraßen“, erklärt Martin Wozniak, Geschäftsführer der Spedition HGS Gropengießer mit Sitz an der Bellmerei.

Zwar sei sein Unternehmen kaum betroffen, da am Wochenende weniger gefahren wird. „Unsere Partner, die Trailer für England und Skandinavien freitags hier abholen, könnten aber schon Probleme bekommen.“ Umleitungen oder Umwege über Land kosten eben Zeit – normal sind etwa sieben Stunden von Lüdenscheid bis Travemünde. Weiterer Umstand: Je später die Fahrer samstags den Motor ausschalten, desto länger sind sie zum Wochenbeginn nicht einsetzbar, denn dann sind zwei Tage Ruhe am Stück Pflicht.

Zugleich räumt Wozniak ein, dass auch in seiner Brust zwei Herzen schlagen: „Als Dienstleister denkt man auch an andere, und natürlich gönnen wir es allen, staufrei in den Urlaub zu kommen. Das würde man sich als Autofahrer auch selber wünschen.“

Ralf Hillebrand, Fernverkehrs-Disponent der benachbarten Spedition Karl Scherer, denkt vor allem an die Lkw-Fahrer: „Wer es nach längerer Fahrt nicht mehr vor der Sperrzeit auf den Hof schafft, kommt im ungünstigsten Fall am Wochenende gar nicht mehr nach Hause.“

Das Fahrverbot für die Autobahn bedeute auch mehr Lkw-Verkehr in Ortschaften – „mit allen negativen Folgen für Anwohner und Umwelt.“ Das gelte auch für den Raum Lüdenscheid: Ausweich-Autobahnen gibt es hier bekanntlich nicht. Zwar achten Disponenten wie Hillebrand schon mit Blick auf die Stunden der Fahrer darauf, dass freitags noch so viel wie möglich erledigt wird: „Es wird sich aber nie vermeiden lassen, dass Schwerverkehr auch über Land muss.“

Kaum Probleme mit dem Samstagsfahrverbot hat der Marktführer, die Schenker Deutschland AG, die an der Elbinger Straße einen von mehr als 100 Standorten hat. Laut dem Frankfurter Unternehmenssprecher Josef Lederer liegt das an der Organisation: Wie alle Laster, die den Namen Schenker auf der Plane tragen, fahren auch die Lüdenscheider immer nur nach Friedewald/Hessen, wo das zentrale Umschlagslager exakt in der Mitte der Republik liegt. Dort wird nachts umgeladen, dann geht‘s wieder zurück. Und: „Weil die Industrie samstags selten arbeitet, ist das auch für uns nicht der stärkste Tag“, sagt Lederer. Schenker habe sich im Übrigen mit den Kunden aus Handel und Industrie auf politische Fahrverbots-Beschlüsse eingestellt. „Das ist ja nicht das erste Mal.“

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