Feierlaune auf der Bigge

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Violinist Romeo Franz sorgte mit seiner Formation für Stimmung auf dem unteren Deck – die Truppe bot seelenvollem Hot-Swing und Zigeuner-Jazz in technisch überragender Qualität. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Die Riverboat-Shuffle des Jazzclub Lüdenscheid auf dem Biggesee fand am Samstag unter optimalen Bedingungen statt. Bei wolkenlosem Himmel und angenehm warmen Temperaturen freuten sich Geschäftsführer und Konzertplaner Bernd Bobbenkamp sowie der Jazzclub-Vorsitzende Henning Schwarz van Berk über mehr als 300 verkaufte Tickets – es wurde die bestbesuchte Riverboat-Shuffle seit mehreren Jahren.

Die Besucherzahlen kamen unter anderem durch mehrere Gruppen zustande, die gemeinsam Tickets für das beliebten Jazz-Ereignis erworben hatten, darunter ein Junggesellinnenabschied mit insgesamt neun Frauen. Hierbei verabschiedete sich Silke Althoff vom Single-Leben und machte vor ihrer Heirat mit ihrem Partner Udo noch einmal ordentlich Dampf.

Nachdem das Ausflugsschiff „Westfalen“ kurz nach 18 Uhr in Sondern abgelegt hatte, warteten gewohnt hochklassige musikalische Höhepunkte auf die Gäste. Die Jazzfreunde wurden auf dem oberen Freiluftdeck von der „Oldtimerjazzband“ aus Prag begrüßt. Die sechs Musiker spielten gemütlichen Oldschool-Jazz mit Trompete, Klarinette, Posaune, Schlagzeug, Tuba und Banjo, wobei viele alte Standards für einen hohen Wiedererkennungswert sorgten. So stimmten die bestens aufgelegten Musiker unter anderem Klassiker wie den „Basin’ Street Blues“, „Jambalaya – On the Bayo“ oder „When the saints go marchin’ in“ an und lockten damit zumindest vor Sonnenuntergang die meisten Jazzfreunde zu sich ins Freie.

Auf dem unteren Deck herrschte derweil zunächst noch eher wenig Andrang, da die meisten Gäste erst einmal die abendlichen Sonnenstrahlen genießen wollten. Dennoch lieferte das „Romeo Franz Ensemble featuring Joe Bawelino“ von Beginn an eine erstklassige Vorstellung ab. Die Formation mit Violinist und Frontmann Romeo Franz begeisterte mit seelenvollem Hot-Swing und Zigeuner-Jazz. Franz, der auf eine klassische Ausbildung an der Violine und am Piano zurückblicken kann, wurde unterstützt durch Gitarrist Unge Schmidt, der einst Mitglied im berühmten „Schnuckenack Reinhardt Orchester“ war, sowie Joe Bawelino mit seiner 37 Jahre alten Gibson L5 und Kontrabassist Jani Lehmann.

Im ersten Set begeisterte die technisch überragende Combo unter anderem mit dem Django-Reinhardt-Song „I can’t give you anything but love“ sowie dem Standard „All of me“ in einer lässigen Instrumental-Version. Romeo Franz’ zugleich sehnsuchtsvolles wie beschwingtes Violin-Spiel überzeugte bei „Gipsy Summer“ ebenso wie bei jenem kernigen Czardas, der das Ende des ersten Sets einläutete. Später überzeugten die Musiker schließlich auch mit sympathischen, instrumental dargebotenen Schlager-Interpretationen wie „Sag mir Quando“ oder „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“, letzteres gespielt mit besonderer Leichtigkeit und Frische. Den jiddischen Musical-Song „Bei mir bist du schön“ präsentierte die Formation schwungvoll und mit Temperament.

Schweißtreibend ging es auch auf dem Mitteldeck zu, wo es nicht nur recht warm war, sondern zusätzlich auch das „Magic Boogie Duo“ mit Toscho Todorovic (Gesang, Gitarre) und Vito Becker (Klavier und Harp) mächtig einheizte. Blues, Boogie Woogie und Swing gehören zum Repertoire der beiden Musiker, die unter anderem im Rahmen der Jazz-Gala im Mercure-Hotel auf sich aufmerksam machten. Beim Fats-Domino-Klassiker „Blueberry Hill“ oder dem gemütlichen „Oh when the saints“ bewiesen die Jazz-Freunde trotz schwülen Temperaturen Feierlaune und ließen sich vom Temperament der beiden Musiker anstecken, die die Zuhörer zum Tanzen und Mitklatschen animierten.

Nach dreieinhalbstündiger Fahrt auf dem Biggesee legte die Westfalen zwar wegen der einsetzenden Dunkelheit am Schiffsanleger an, doch die Party war noch lange nicht zu Ende. Die Bands gaben alle noch ein Set obendrauf, so dass noch mehr als eine Stunde weitergefeiert wurde. ▪ bot

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