„Alles Taco“

Fastfood und Fußball: Dieser Lüdenscheider verkauft Tacos und vermittelt angehende Profi-Kicker

Mann vor Fastfood-Container
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„Alles Taco“ bei Ahmed Ahadut: Der Fastfood- und Fußball-Experte vor seinem Übersee-Container in Lüdenscheid.

Ahmed Ahadut setzt auf Fastfood und Fußball: In Lüdenscheid ist er mit einem Übersee-Container erfolgreich, in dem er französische Tacos verkauft. Doch daneben versucht Ahadut auch, aus Talenten Fußballprofis zu machen.

Lüdenscheid – Wenn Ahmed Ahadut dieser Tage auf die Fußball-Oberliga in Westfalen schaut, dann blickt der gebürtige Lüdenscheider nicht so sehr nach Meinerzhagen zum RSV, eher ein Stück weiter gen Süden. Für den 1. FC Kaan-Marienborn hat Derrick Kyere am Mittwoch gerade wieder ein Tor geschossen, im Pokal bei der SG Hickengrund. So wie am Sonntag beim 6:0-Sieg der Käner in Finnentrop. Ahadut liest das gerne: Der 21-jährige Belgisch-Ghanaer ist Ahaduts Schützling, im Juli hat er ihn beim Fünftligisten im Siegerland untergebracht.

„Eine unglaubliche Sprungkraft hat Derrick“, sagt Ahmed Ahadut und zeigt stolz ein Video des so kleinen und doch so athletischen und schnellen Spielers, „den kriegen wir auch noch höherklassig unter – 4. oder 3. Liga.“ Ahadut sitzt im Schatten seines Übersee-Containers an der Bahnhofstraße, Ecke Friedhofstraße in Lüdenscheid und erzählt von seinen beiden beruflichen Standbeinen. Vom Fußball, bei dem er mit der Spieleragentur „Vision Player Agency“ gemeinsam mit Önder Günay aus Alsdorf jungen Talenten den Traum von der großen Karriere erfüllen will. Und von „Alles Taco“, seinen Gastro-Containern in Lüdenscheid und nun auch in Solingen, die dieser Tage auch irgendwie traumhaft laufen. Es wird nicht langweilig.

Zuletzt hat Ahadut seinen Freunden vom SC Lüdenscheid ein C-Jugend-Freundschaftsspiel in Leverkusen vermittelt. Zum Werksklub hat der 45-Jährige auch einen guten Draht, denn dort hat er im A-Jugend-Bundesliga-Team mit Sadik Fofana sein vielleicht größtes Talent untergebracht. 18 Jahre alt ist der Togolese, den Ahmed Ahadut nun gerne erst einmal im Nationalteam von Togo sehen würde. Das steigert dessen Karriere-Chancen erheblich. Und dann hofft er auf den Sprung ins Bayer-Bundesliga-Team. Aber das ist natürlich schwer.

Fastfood und Fußball: Dieser Lüdenscheider verkauft Tacos und vermittelt angehende Profi-Kicker

„Nur zwei bis drei Prozent der Talente aus den Nachwuchsleistungszentren werden am Ende tatsächlich Profis“, sagt Ahadut, „die Luft ist so dünn. Man muss viel auf die Kette bekommen, sportlich, aber auch geistig. Muss mit dem Druck umgehen können und vor allem auf dem Boden bleiben. Dabei wollen wir helfen, den Jungen alles abnehmen, was sie drumherum ablenken kann. Und sie immer wieder runterholen, wenn sie mit dem ersten Geld abzuheben drohen.“ Ahadut denkt nach, dann ergänzt er: „Wir müssen da sehr gewissenhaft vorgehen und schauen, was das Richtige ist für den Spieler. Ich kann noch zehn andere Talente finden und vermitteln. Aber der Spieler, der hat nur diese eine Karriere…“

Ahmed Ahadut, der Fußball-Berater, hat selbst nie Fußball gespielt. Auch in seiner Jugend in Lüdenscheid nicht. Grundschule Oberbrügge, Hauptschule Wefelshohl, eine Bäckerlehre bei der Bäckerei Brix am Wehberg, die er nach zweieinhalb Jahren abgebrochen hat. Danach ein Job beim in dieser Zeit sehr angesagten Mexikaner „Locos Morenos“ im Eckhaus Humboldtstraße/Thünenstraße. Der hat ihm Spaß gemacht. So wie seine damaligen Freizeitvorlieben Skateboard-Fahren und Breakdance. Beim Breakdance ist er einmal Norddeutscher Meister geworden. Er lacht und schaut stolz, es ist lange her. Genauso wie seine Zeit als Stuntman, an die er sich auch gerne erinnert.

Mit 25 Jahren hat es Ahmed Ahadut dann nach Belgien gezogen. In Brüssel lernte er seine heutige Ehefrau kennen. Das Paar wurde in Eupen heimisch, fünf Kinder hat Ahmed Ahadut, zwei davon Fußballer. Eine Tochter war als Jockey erfolgreich, sie lebt jetzt in Düsseldorf.

Ahmed Ahadut mit seinem Schützling Sadik Fofana (Mitte) und Önder Günay (rechts) beim Vertragsabschluss in Leverkusen.

Ahadut selbst fand seine berufliche Heimat in Belgien auch in der Gastronomie, arbeitete lange Zeit in einem Hotel, ehe er sich vor neun Jahren mit einem Burger-Laden selbstständig machte. Der Kontakt in die Heimat war nie ganz abgerissen. Seine Mutter lebt noch in Lüdenscheid, seine beiden Brüder auch. Und seine Rezeptur vom „Burgers Point“ in Eupen importierte er nun wieder in die alte Heimat. Hassan Allachi, ein Jugendfreund Ahaduts, und Marco Sommerfeld hatten damit in der Platten Bulette großen Erfolg, wenn auch nach einem etwas anderem Konzept. Bis zur Corona-Pandemie, die auch diesem beliebten Szene-Laden in der Oberstadt den Garaus machte.

Ahadut jedenfalls schaute immer irgendwie nach Lüdenscheid – und fand irgendwann über Ebay die Möglichkeit, die Räumlichkeiten der Pizzeria Caretto an der Winkhauser Straße zu übernehmen. Napolitanische Pizza aus dem 450-Grad-Ofen, nur eine Minuten gebacken, wollte er zum Hit machen. Doch dann kam Corona. „Das war dort mein Genickbruch“, sagt Ahadut, „diese Art von Pizza ist keine, die schmeckt, wenn man sie erst nach Hause liefern muss. Die muss man ganz frisch essen.“ Die Pizzeria steht heute leer.

Und nun also „Alles Taco“. Ahadut eroberte in Lüdenscheid beim Foodtruck-Festival die Herzen der Bergstädter mit seinen französischen Fastfood-Angeboten, die irgendwie natürlich an die bekannteren mexikanischen Tacos angelehnt, aber irgendwie auch komplett anders sind. Eine Art Marktlücke im Fastfood-Segment, mit der Ahadut nach der Eröffnung seines ersten Taco-Ladens in Lüttich im Jahr 2017 auch auf Foodtruck-Tour durch Deutschland an vielen Orten erfolgreich gewesen war.

Ich liebe die Gastronomie! Das werde ich immer machen...

Ahmed Ahadut, Taco-Spezialist und Fußball-Berater

Bis er in der Corona-Zeit und nach dem Ende des Pizzeria-Experiments an der Winkhauser Straße erst einen festen Platz für seinen Truck auf dem Rathausplatz offeriert bekam. Als dieses Angebot der Stadt im Oktober 2020 auslief, schaute er sich nach Alternativen um und wurde neben dem Woodland-Sitz an der Ecke Bahnhofstraße/Friedhofstraße fündig. So steht neben dem Sitz der angesagten Dry-Gin-Distillerie nun der neue angesagte Fastfood-Übersee-Container. Eins findet zum anderen.

Fastfood und Fußball, das ist in dem verschlungenen Lebensweg Ahaduts nie ganz zu trennen. Über seine Söhne und seine Burger-Angebote mit vier Verkaufstrucks bei Heimspielen des KAS Eupen fand der vielseitige Geschäftsmann den Zugang zum Fußball. Und über einen jungen Spieler des Eupener Klubs aus dem Senegal auch den Kontakt zu Önder Günay, dem Spielervermittler aus Alsdorf. Ahadut bot den jungen Spieler an, man fand einen Verein, doch der Deal kam nicht zustande, weil sich der Senegalese anders orientierte. „Die Leute sind manchmal nicht so zuverlässig“, sagt Ahadut.

Dafür hatte Ahadut aber Günay kennengelernt. Zwei Jahre ist es her, dass man beschloss, mit einer Agentur gemeinsame Sache zu machen. So pendelt Ahadut nun zwischen Eupen und Lüdenscheid, wo er dreimal die Woche vor Ort ist, ansonsten aber seinem Geschäftsführer Nikolaos Gavriilidis alles Administrative überlässt. Und am Wochenende, da geht es auf die Fußballplätze. Talente sichten, Kontakte herstellen. Zuletzt hatte Borussia Mönchengladbach Interesse an einem in Belgien kickenden Talent. Ahadut spricht perfekt Französisch, er erhielt den Auftrag, den Erstkontakt herzustellen. Es wird nie langweilig.

Mit Derrick Kyere zum Probetraining „auf Schalke“

Der Fußballzweig läuft, aber er ist noch ausbaubar, gar keine Frage. Das Hauptstandbein des 45-Jährigen bleibt aber die Gastronomie. In zwei Monaten wird er in Düren seinen dritten Taco-Container aufstellen, Franchise-Pläne für seine Idee gibt es auch bereits. In Solingen durfte er nach Publikumswahl mit seinen Tacos die Gastro bei den Jugend-Impfpartys übernehmen. In Lüdenscheid hat man ihn auch zusätzlich gebucht – unter anderem am Wochenende im Stadtgarten.

„Ich liebe die Gastronomie. Das werde ich immer machen“, sagt Ahmed Ahadut und strahlt. Den Fußball aber liebt er auch. Ohne Angst vor großen Namen. Mit Derrick Kyere, dem jungen Mann, der nun im Siegerland kickt, hat er auch eine Woche lang vorgespielt bei Gerald Asamoah auf Schalke. Die Königsblauen haben den kleinen Athleten aus Ghana aber nicht gewollt. „Warum, das weiß ich bis heute nicht“, sagt Ahadut, „der Spieler, der hat das Potenzial.“ Vielleicht klappt es beim nächsten Mal.

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