Familienvater vor Gericht massiv belastet

LÜDENSCHEID - Die Wahrheitsfindung zieht sich hin. Die Versionen der Zeugenaussagen über Gewalt und Erpressung in einer Lüdenscheider Wohnung driften offenbar immer weiter auseinander. Der Angeklagte (27) schweigt immer noch.

Sein kleiner Bruder und desssen Kumpel, angeblich Opfer brutaler Misshandlungen, entlasten den Beschuldigten. Drei junge Frauen aber bringen nun neue Aspekte in den Prozess ein. Zum ersten Mal in dieser Hauptverhandlung fällt das Wort „Russen-Mafia“.

Eine 19-jährige Schülerin berichtet von einer Begegnung im „Türmchen“ an der Bahnhof-/Ecke Lessingstraße. Von der Kneipe aus sei eine Gruppe in die Wohnung eines Bekannten gezogen – unter ihnen der mutmaßliche Serienverbrecher. Er trägt vor Gericht wieder weißes Hemd, frisch gebügelt, und akkuraten Scheitel.

In der Wohnung aber, sagt die erste Zeugin, habe er „sehr wütend“ herumgeschrien und ihrem Freund Prügel angedroht. Es ging wohl um seine Flasche Sekt, die jemand unerlaubt ausgetrunken hatte. „Ich habe durch einen Türspalt gesehen, dass Benni plötzlich ein Veilchen hatte – und Nasenbluten.“ Sie habe Angst vor dem 27-Jährigen gehabt, „der soll ja was mit der Russen-Mafia zu tun haben“.

An Schläge, Druck und Erpressung durch den Angeklagten erinnert sich auch die zweite Zeugin, 20 Jahre alt, arbeitslos. „Es gab Backpfeifen, wenn ihm was nicht passte.“ Und er habe den verängstigten Benni dauernd herumkommandiert, „mach mir ‘ne Pizza, räum auf“ und so weiter. „Sonst gibt’s Dresche!“ Sie habe dem Jungen öfter geraten, zur Polizei zu gehen. Einen Anderen aus der Clique habe er mit einem Glühstab im Gesicht verletzt und ihn aufgefordert, Drogen für ihn zu verkaufen. Außerdem habe er den Jungen wochenlang „wie ein Hausmädchen“ bei sich putzen und kochen lassen. Und sie bestätigt die Geschichte von dem erzwungenen Handyvertrag, von dem der Beschuldigte angeblich profitieren wollte. Ob sie, wie ihre Freundin, auch Angst vor dem Angeklagten habe, will Richter Dieter Krause wissen. „Nein, überhaupt nicht.“

Eine weitere junge Frau (22) erzählt über eine Fete, die vom Angeklagten und vier Komplizen geradezu „gesprengt“ worden sei. „Die kamen rein und nahmen uns allen die Handys weg.“ Damit niemand bei der Polizei anruft. Und die Mobiltelefone „wollten sie im Rhein versenken“. Beim Rückzug, berichtet die Zeugin, hätten die Männer – „die sprachen nur Russisch, es war angsteinflößend“ – einen jungen Mann mitgezerrt, der angeblich Schulden hatte. „Den habe ich nie wiedergesehen.“

Der Prozess wird am 8. April um 9 Uhr im Saal 247 des Amtsgerichtes fortgesetzt.

Olaf Moos

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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