Anne und Ulrich Müller als Pflegeeltern in den Ruhestand verabschiedet

Familie im MK mit 150 Kindern - in 38 Jahren

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Symbolbild

Lüdenscheid - 38 Jahre lang haben sie ihr Leben den Kindern gewidmet, haben zwei eigene und 19 Pflegekinder groß gezogen und insgesamt 150 Mädchen und Jungen in der sogenannten Bereitschaftspflege betreut. Nun – im Alter von 65 beziehungsweise 69 Jahren – soll langsam Schluss sein für Anne und Ulrich Müller. 

Jetzt wurden die beiden im Lüdenscheider Rathaus ganz offiziell als Pflegeeltern in den Ruhestand verabschiedet – verbunden mit einem großen Dankeschön der Beteiligten, darunter die Mitarbeiter des Fachbereichs beziehungsweise des Pflegekinderdienstes, aber auch Bürgermeister Dieter Dzewas. 

Als „Kitt für die Gesellschaft“ bezeichnete Fachbereichsleiter Matthias Reuver Menschen wie Anne und Ulrich Müller, „denn sie halten die Gesellschaft zusammen. „Ohne sie würde vieles nicht funktionieren“, sprach Reuver ihnen seine Anerkennung für die verantwortungsvolle Arbeit aus.

 Denn auch die Fachleute wissen: Es wird immer schwieriger, Menschen zu finden, die bereit sind, kurz- oder langfristig fremde Kinder bei sich aufzunehmen. Zumal gerade in der Bereitschaftspflege große Flexibilität gefragt sei – dann muss es manchmal ganz schnell gehen.

„Ihr Ausscheiden reißt eine große Lücke in unsere Arbeit“, war sich auch das Team des Pflegekinderdienstes einig. Denn: Man habe mit der Familie immer eng und kooperativ zusammengearbeitet – und das über Jahrzehnte. „Wenn es Notfälle gab und Engpässe entstanden, hieß es schnell: Ruf doch mal die Müllers an.“

Dies lag – neben der Einstellung – nicht zuletzt auch an den räumlichen Bedingungen, die es der Familie ermöglichten, bis zu fünf Pflegekinder gleichzeitig aufzunehmen. „Ich wollte damals bei meinen Kindern zu Hause bleiben und gleichzeitig etwas Sinnvolles tun“, erinnert sich Anne Müller. „Mit einem kleinen Jungen, der noch einen Hund mitbrachte, fing dann alles an.“ Und ihr Mann ergänzt: „Da wir auf dem Land wohnen, hatten unsere Kinder damit auch Spielkameraden – auch das war uns wichtig.“ 

Seitdem sind 38 Jahre vergangenen: Ob Neugeborene oder Teenager, Kinder mit Migrationshintergrund und Sprachproblemen, Schützlinge aus familiär schwierigen Verhältnissen: Anne und Ulrich Müller haben allen Kindern ein Zuhause gegeben – sei es für kurze Zeit (Bereitschaftspflege) oder bis zum Erwachsenenalter. 

„Sie haben immer bei dem angesetzt, was die Kinder konnten und mitgebracht haben – und nie zu hohe Erwartungen gestellt“, lobte auch Gabriele Teutenberg die Einstellung des Paares, mit dem sie viele Jahre zusammenarbeitete. Während ihnen zudem die Akzeptanz in den heimischen Institutionen wie Kitas oder Schulen sicher war, schafften sie es zudem, nie in Konkurrenz mit den leiblichen Eltern der Kinder zu treten. „Auch das ist wichtig für deren Entwicklung. Und das ist den beiden immer gelungen“, so Teutenberg. 

Nun bleibt für Anne und ihren Mann Ulrich, der bis zu seinem Renteneintritt als Werkzeugmacher arbeitete, mehr Zeit für sich selbst – auch, wenn die 65-Jährige nach eigenen Angaben gar nicht lange alleine sein kann. „Nach einer Woche Urlaub wird sie unruhig“, erzählt ihr Mann mit einem Augenzwinkern. 

So ganz allein werden sie auch in Zukunft nicht sein, denn ein Pflegekind (12) wird auch weiterhin bei den Müllers leben. Und: Auch ihre Tochter ist in die Fußstapfen der Eltern getreten: „Wir helfen uns schon jetzt gegenseitig.“

Bereut haben die Müllers ihre Entscheidung übrigens nie, Unterbrechungen gab es ebenfalls keine. „Wir wollten einfach etwas Gutes tun und den Kindern helfen. Bei allen Tragödien oder auch dem Problem, ein Kind nach der Zeit wieder abgeben zu müssen, gibt es so viele positive Erlebnisse“, sagt Ulrich Müller. Und seine Frau, die von ihm als Organisationsweltmeisterin bezeichnet wird, ergänzt: „Alle Kinder sind ihren Weg gegangen und zu vielen haben wir bis heute Kontakt.“

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