Falscher Name, hohe Kredite, milde Strafen

LÜDENSCHEID ▪ Es geht, wie so oft, ums schnelle Geld. Am besten viel davon, und am allerbesten nicht erwischt werden. Bei den vier Angeklagten hat’s nur fast geklappt: schnell ja, viel auch, aber dann erwischt worden. Der Vorwurf lautet auf gemeinschaftlich begangenen gewerbsmäßigen Betrug in Tateinheit mit Urkundenfälschung.

Im Klardeutsch: Der Hauptangeklagte hat einen gefälschten Pass und fingierte Gehaltsabrechnungen gekauft und unter falschem Namen Kredite genommen. Für die betrogenen Banken ein Verlust von rund 50 000 Euro.

Was der Mann, 36 Jahre alt, verheiratet, Vater von drei Kindern, arbeitslos – was er also mit dem Geld angestellt hat, will Richter Jürgen Leichter wissen. „Ich habe gespielt“, sagt der Mann leise. „Und ich hatte eine Freundin.“ Leichter: „Na, die kostet ja zunächst mal nix.“ Das Gelächter im Gerichtssaal lockert die Stimmung etwas.

Die Ehefrau des Angeklagten lacht mit. Sie sitzt neben ihm, beschuldigt wegen Beihilfe. Große Fernseher hat ihr Mann gekauft, einen Volvo. Und eine Kücheneinrichtung – für die Freundin. „Aber damit hatte ich nichts zu tun“, sagt die Gattin. Der Richter hakt nach: „Wie sieht denn Ihre Ehe jetzt aus?“ Das Paar nickt. „Gut.“ Das Verfahren gegen die Frau wird eingestellt.

Bleiben die beiden Komplizen. Einer hat dem Betrüger seinen Briefkasten in Herscheid zur Verfügung gestellt und mit dem falschen Namen des Kreditnehmers beklebt. 800 Euro hat er für den Freundschaftsdienst bekommen. Auch sein Verfahren wird eingestellt. Nun muss er 600 Euro an die Staatskasse zahlen und darf nach Hause.

So billig kommt der Vierte im Bunde nicht davon. Der 33-Jährige hat Schulden am Hals, 207 000 Euro, nach einem verunglückten Kneipen-Projekt in Hagen. Also hat er sich in die Masche mit den Kreditgaunereien eingeklinkt. „Ich habe das Geld für die Schuldentilgung eingesetzt.“ Aber es hat nicht gereicht. Es folgt die eidesstattliche Versicherung. Und gestern die Verurteilung durch das Erweiterte Schöffengericht: ein Jahr mit Bewährung und 900 Euro an den Staat.

Was besprochen wurde, bleibt geheim. Doch zu Beginn der Hauptverhandlung hatten die vier Verteidiger – Dr. Michael Schulte, Arnd Katzke, Dirk Löber und Heiko Kölz – das Gericht und die Staatsanwältin um eine Unterredung hinter verschlossenen Türen gebeten. Und so endet es auch für den Hauptangeklagten glimpflich: zwei Jahre mit Bewährung und 225 Sozialstunden. „Mit sehr viel Wohlwollen“, sagt der Richter.

Olaf Moos

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