Urteil am Landgericht Hagen

Falsche Rechnungen: Unternehmer aus MK muss fast 500.000 Euro zahlen

Baustelle
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Symbolbild

Nach den Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidiger war das Urteil keine große Überraschung mehr. Die 1. Große Wirtschaftsstrafkammer des Hagener Landgerichts hat einen ehemaligen Lüdenscheider Bauunternehmer (49) zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt und den Vollzug der Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

Lüdenscheid - Das Urteil erging wegen Vorenthaltens und Veruntreuung von Arbeitsentgelt in 25 Fällen. Den Schaden, der der Rentenkasse durch die vom Angeklagten organisierte Schwarzarbeit entstanden ist, beziffern die Richter auf mehr als 447 000 Euro – knapp 50 000 Euro mehr als in der Anklageschrift stand. Sowohl der Verurteilte als auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft erklärten, die Entscheidung der Kammer nicht anfechten zu wollen. Damit ist das Urteil rechtskräftig.

Der Vorsitzende Richter Andreas Behrens verdeutlichte dem 49-Jährigen in der Urteilsbegründung, wie knapp er einem Haftantritt entgangen ist. „Die Bewährung konnte nur mit großen Bedenken zugestanden werden.“ Ein Grund ist das Verhalten des Angeklagten, nachdem er mit seinen betrügerischen Machenschaften längst aufgeflogen war.

Vor Beginn der Hauptverhandlung wurde er auf dem Frankfurter Flughafen dabei erwischt, wie er 79 600 Euro in bar in einem Koffer in die Türkei bringen wollte. Sicherheitskräfte stellten den Koffer sicher. Vor Gericht erklärte der Lüdenscheider, er habe private Darlehen zurückzahlen wollen, die er für die Behandlung seines therapiebedürftigen Sohnes aufgenommen habe. Richter Behrens formuliert in seiner Urteilsbegründung hingegen den „Verdacht, dass der Angeklagte immer noch in illegale Geschäfte verwickelt ist“.

Doch die zugunsten des Ex-Bauunternehmers sprechenden Aspekte überwiegen in den Augen des Gerichts dennoch. Dazu zählen das schnelle Geständnis, das die Beweisaufnahme deutlich verkürzt hat – und der Umstand, dass die Taten schon einige Jahre zurückliegen. Außerdem war der Familienvater zuvor noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Inzwischen arbeitet er als Angestellter in der Baubranche und verdient eigenen Angaben zufolge rund 2000 Euro im Monat. Der Staat wird versuchen, sich die entgangenen Sozialabgaben von dem Verurteilten zurückzuholen. Die 447 000 Euro ergaunerten Euro unterliegen laut Antrag des Staatsanwalts der Wertersatzeinziehung. Das ist seit Reform der strafrechtlichen Vermögensabschöpfung im Jahre 2017 einfacher geworden.

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