Falsche Empfängerin: Studentin (23) aus MK verschickt Intimfotos ihres Ex

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Symbolbild

Lüdenscheid - Der Straftatbestand heißt „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen“. Darauf steht laut Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Die Angeklagte, 23 Jahre jung, Studentin des Wirtschaftsrechts, wirkt angespannt.

Sie konnte sich mit dem Ende einer Liebesbeziehung zu einem Kaufmann (24) aus Lüdenscheid nicht abfinden. Also greift sie zu üblen Methoden. 

Strafrichter Thomas Kabus nennt es „Sauerei“. Staatsanwältin Ina Pavel wirft der Angeklagten vor, ihrem Ex-Geliebten Fotos per WhatsApp geschickt zu haben. Eines zeigt sein erigiertes Geschlechtsteil, ein anderes seinen nackten Oberkörper. 

„Hurensohn“ 

Und sie droht ihm, die freizügigen Bilder großzügig zu verteilen: an seine Freunde, seinen Arbeitgeber oder seine Kunden. Die neue Lebensgefährtin des Zeugen kriegt solche Bilder. Er empfängt weitere Nachrichten von seiner Ex. 

Darin beschimpft sie ihn – wenig akademisch – mehrfach als „Hurensohn“. Der Richter weist die Studentin, verteidigt von Rechtsanwalt Nils Huckebrink aus Essen, auf ihre Möglichkeit hin, nicht auszusagen. Sie antwortet: „Ich schweige dann.“ 

Also berichtet der Hauptbelastungszeuge. Man habe sich übers Internet kennengelernt, „Tumblr“ heißt die Plattform. Zwei Treffen „und der Rest schriftlich, ein paar Bilder ausgetauscht“, mehr sei nicht gewesen. „Man hat sich nicht mehr verstanden, es ist dann auseinander gegangen.“ 

Er habe „einfach nur meine Ruhe“ haben wollen, „die habe ich nicht gekriegt“. Er schreibt ihr: „Hör auf, mir mein Leben zur Hölle zu machen!“ Sie antwortet: „Dann hör auf, so ein Hurensohn zu sein.“ Und: „Ich bestimme, wann es aufhört, ich will meinen Willen haben.“ 

Nach den bösen WhatsApp-Nachrichten erstattet er Strafanzeige. 

Bestrafung? „Nö!“ 

Das Ganze ist zweieinhalb Jahre her. Der Zeuge sagt: „Jetzt ist es mir egal, jetzt habe ich meine Ruhe.“ Der Richter spricht über „die Mühlen der Justiz, Sie kennen das“ und fragt: „Legen Sie Wert auf eine Bestrafung der Angeklagten?“ Antwort: „Nö!“ Und verlässt den Saal. 

Kabus wendet sich an Huckebrink: „Man könnte das Verfahren auch einstellen. Mir kommt’s darauf an, dass Ruhe ist!“ Das eröffnet dem Verteidiger eine schöne Chance. Die Staatsanwältin signalisiert Entgegenkommen. 

Doch sie stellt Bedingungen. „Ohne Geständnis sieht’s hier ganz übel aus.“ Der Rechtsanwalt berät sich mit seiner Mandantin. Endlich gibt sie ihre störrische Haltung auf. 

Richter Kabus holt den Zeugen zurück, um die Sache zu einem gütlichen Ende zu führen. Die Angeklagte sagt zu dem 24-Jährigen: „Ich wollte mich entschuldigen, wir haben beide Fehler gemacht. Es ist gut, dass wir keinen Kontakt mehr haben.“ 

Das Verfahren wird eingestellt. Offen bleibt die Frage, wie die Studentin aus Kassel zu den schlüpfrigen Fotos gelangt ist. Aber das war auch nicht Gegenstand des Verfahrens.

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