Die Musikgeschichte der Liverpooler

Falsche Beatles im Schatten, die Scheinwerfer strahlten ins Publikum.

LÜDENSCHEID - Die Beatles kamen nie bis Lüdenscheid – diese schwere historische Wunde der Bergstadt wollten die „Silverbeatles“ wieder gutmachen. Falsche Beatles zwar, doch was die Pilzköpfe damals so getrieben haben, ist ja bekannt und einigermaßen solide reproduzierbar. Und so hasteten die vier Musiker im Schweinsgalopp durch die gesamte bewegte Musikgeschichte der Liverpooler, und die interessante Frage war immer mehr: Welche Titel würden für die Zugaben noch übrig bleiben?

Das Programm mühte sich, ein wenig, die Geschichte der Band zu erzählen: Zur Begrüßung des „Liverpooler“ Publikums klampften die falschen Beatles „Maggie Mae“, begrüßten George Harrison und verwandelten sich dann zum ersten Mal für ihren Auftritt „auf der Reeperbahn nachts um halb Eins“, wie Hans Albers aus den Lautsprechern tönte. Weiter ´ging's mit „Twist and Shout“, „I saw her standing there“ und dem frühen Rock’n’Roll des Quartetts. Das Publikum ließ sich in dieser Frühphase bereitwillig zum Schunkeln animieren und wehrte sich tapfer gegen die Unterstellung, nur bis Drei zählen zu können. Das war wenig nett und auch nicht lustig. Leidensfähigkeit brauchten die Besucher auch, um die „Lichtshow“ ertragen zu können: Regelmäßig blendeten kraftvolle Scheinwerfer das Publikum, das im Gegenzug die vier falschen Beatles, die fast durchweg im Schatten blieben, nur mühsam sehen konnte. Doch was zählte, war die Musik, und so feierten die Geblendeten eher den Mythos als das, was tatsächlich auf der Bühne geschah. Denn das war neben dem irgendwie gnadenlosen Abspulen jener Musik, die die Pilzköpfe einst groß machte, wenig genug: „Eros“ und „Sex“ der Reeperbahn kamen auf handgemalten Schildern daher, Ringo Starrs Trommel wechselte ab und zu das Aussehen, und natürlich zogen sich die Barden regelmäßig um. Das Outfit wurde schriller und psychedelischer – es war Zeit für „Sergeant Pepper’s Lonely Heart’s Club Band“ und „Lucy in the Sky with Diamonds“. Natürlich gab es Gelegenheiten, die imaginären Feuerzeuge herauszuholen. „Hey Jude“ mit seinem wunderbar endlosen „Lalalalalala“ und John Lennons „Imagine“ sind einfach nicht totzukriegen. Das Publikum nutzte jede Gelegenheit, Vertrautes mitzusingen. Das machte Freude und war 100-prozentig echt.

Immerhin: Es gab viel Musik für’s Geld und mit einem brauchbaren Saal wäre vermutlich ganz ordentlich das Tanzbein geschwungen worden. Mutige Ansätze dazu gab es immer wieder. - thk

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