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Fahrplanänderungen der MVG: Anwohner fühlen sich übergangen

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Von: Leon Malte Cilsik

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Peter Hoffmann und Bianka und Thomas Bald (von links) an der Bushaltestelle am Freisenberg, wo die neuen Fahrpläne Anfang August noch nicht aushingen.
Peter Hoffmann und Bianka und Thomas Bald (von links) an der Bushaltestelle am Freisenberg, wo die neuen Fahrpläne Anfang August noch nicht aushingen. © Malte Cilsik

Die Anwohner am Freisenberg fürchten eine unzureichenden Anbindung ihres Wohnorts und kritisieren die Kommunikation der Verkehrsgesellschaft.

Lüdenscheid – „Wir fühlen uns übergangen“, lautet der Tenor unter den Anwohnern am Freisenberg. Gemeint sind die Fahrplanänderungen ab dem 10. August, die die MVG kürzlich verkündet hat (wir berichteten). Sie haben Angst vor einer unzureichenden Anbindung ihres Wohnorts und kritisieren die Kommunikation der Verkehrsgesellschaft. Denn der Freisenberg leidet wie kaum ein anderer Ortsteil unter den täglichen Staus durch den A45-Umleitungsverkehr im Bereich Lüdenscheid-Nord. Pünktlich zum Schulstart wird der Fahrplan nun auch noch ausgedünnt.

„Die Information kommt sehr kurzfristig vor dem Schulstart“, findet Bianka Bald. „Generell halte ich den Zeitpunkt für unpassend, teilweise sind die Betroffenen noch im Urlaub und müssen sich dann von einem Tag auf den anderen umstellen – wenn sie denn überhaupt davon erfahren.“ Denn an den Haltestellen hänge bislang keine Information zum neuen Fahrplan.

Doch nicht nur Art und Zeitpunkt der Verkündung, sondern auch die neue Anbindung selbst – fortan übernimmt die Linie 87 statt der Linie 44 die Ortsteilerschließung – stößt den Anwohnern sauer auf. „Die 87 wird nur stündlich fahren. Für viele ältere Anwohner mit regelmäßigen Terminen in der Stadt wird es fortan schwierig“, sagt Peter Hoffmann. „Zumal es angesichts des täglichen Staus im Bereich Lüdenscheid-Nord wohl regelmäßig zu Verspätungen kommen wird. Dass die neue Taktung vor diesem Hintergrund teilweise Umstiegszeiten von nur zwei Minuten am Sauerfeld vorsieht, halte ich für naiv.“ Hoffmann betrachte die Änderungen daher als Rückschritt für die Verkehrswende im Ortsteil.

Bald führt sich selbst als Beispiel an, um die Auswirkungen der neuen Stundentaktung zu verdeutlichen. „Beruflich bedingt bin ich immer um 9.14 Uhr mit der Linie 44 gefahren. Deshalb besitze ich eine Karte, die ab 9 Uhr gilt. Da die 87 nur stündlich fährt, müsste ich zukünftig schon um 8.57 Uhr fahren. Bei der MVG sagte man mir, dass ich dafür ein neues, deutlich teureres Ticket buchen muss.“ Fortan nehme Bald daher wieder das Auto zur Arbeit.

Und auch in ihrer Rolle als Mutter blickt Bald mit Sorge auf die Änderungen: „Wir hatten vor vier Jahren die Schule für unseren Sohn unter anderem wegen der guten Busverbindung gewählt. Nun muss er am Sauerfeld umsteigen und wird demnächst lange Wartezeiten nach der Schule haben.“ Alternativ könne er höchstens die Linie 42 bis Gevelndorf nehmen und dann den Rest laufen. „Dann führt ihn der Weg aber an der Heedfelder Straße entlang – bei den katastrophalen Verkehrsverhältnissen ist das keine Lösung.“

Einen Vorschlag für die MVG haben die Anwohner auch noch: „Shuttlebusse zwischen dem Freisenberg und Wehberg würden uns merklich helfen. Es wäre völlig ausreichend, wenn diese zu den Stoßzeiten am Morgen und Mittag fahren würden“, sagt Hoffmann.

Stellungnahme der MVG

„Es ist sehr verständlich, dass die Situation aktuell für viele unserer Kunden nicht zufriedenstellend ist“, zeigt sich MVG-Pressesprecher Jochen Sulies verständnisvoll. „Leider sind unsere Kapazitäten angesichts der Kombination aus Verkehrschaos und Personalknappheit begrenzt.“ Schon jetzt sei es für das Personal durch die Brückensperrung schwierig, die vorgeschriebenen Ruhe- und Pausenzeiten einzuhalten. Mit vermehrt erwarteten Ausfällen im Herbst könnte sich das Problem weiter verschärfen. „Um weiterhin verlässliche Fahrpläne anbieten zu können, sahen wir uns daher zu den angekündigten Änderungen gezwungen. Auch wenn diese dafür teilweise mit längeren Wartezeiten verbunden sind“, räumt Sulies ein.

Die Kritik am Zeitpunkt und Kommunikation der Änderungen weist der Pressesprecher hingegen ab: „Dazu gibt es verschiedene Ansichten. Uns haben auch schon Beschwerden erreicht, die Ankündigung käme doch viel zu früh – wenn die Änderungen in Kraft treten, hätte das doch niemand mehr auf dem Schirm.“ Der gewählte Zeitpunkt sei entsprechend ein guter Mittelweg. Sulies verspricht jedoch, dass die Aushangfahrpläne zeitnah an den Haltestellen aktualisiert werden. „Zudem müssen wir unsere Anpassungen immer zum Schuljahreswechsel vornehmen, sonst können wir unsere Betriebssysteme nicht umstellen. Das handhaben wir schon seit Jahren so“, führt Sulies aus.

Beim persönlichen Beispiel von Bald äußert Sulies zwar sein Bedauern, sieht aber auch keine Alternative: „Wir können unsere Tarifbestimmungen nicht aufweichen, so ärgerlich das bei drei Minuten auch sein kann. Wir versuchen in solchen Fällen stets, gemeinsam mit unseren Kunden eine andere Lösung zu suchen. Dass dies hier nicht möglich war, ist zwar schade, aber dann unvermeidbar.“

In Bezug auf die Stundentaktung der Linie 87 sichert Sulies zu, dass die MVG die Situation beobachten werde. Konkrete Zusagen könne er aber keine geben. „Für Hinweise und Anregungen wie diese sind wir immer dankbar. Gerne können unsere Kunden dafür auch das Kontaktformular auf unserer Webseite nutzen“, sagt Sulies. Möglich seien beispielsweise Zählungen des Fahrgastaufkommens am Freisenberg mit Inkrafttreten der neuen Fahrpläne.

Etwaige Anpassungen seien jedoch erst zum Schulhalbjahreswechsel im Winter möglich, heißt es von der MVG. Die vorgeschlagene Lösung mit einem Shuttlebus schließt Sulies jedoch aus: „Das lassen die Personalprobleme nicht zu. Wir können nicht am Bierbaum einen Shuttlebus streichen, um dann am Freisenberg einen neuen anzubieten.“

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