69-Jährige aus Düsseldorf mutmaßliche Unfallverursacherin

[UPDATE 17.18 Uhr] LÜDENSCHEID ▪ Dreieinhalb Wochen nach dem tödlichen Unfall mit Fahrerflucht auf der Talstraße ist der Fall aufgeklärt. Unter dringendem Tatverdacht steht eine 69 Jahre alte Frau, die einräumt, zur Tatzeit mit ihrem Citroën Xantia an der Unfallstelle gewesen zu sein.

Von einem Unfall will sie aber nichts bemerkt haben, sagte am Dienstag Kriminalhauptkommissar Oliver Petrosch, Chef der Ermittlungskommission. Den entscheidenden Hinweis lieferte ein Abdeckstopfen, der bei dem Zusammenprall aus dem Radkasten des Citroën gefallen war. Kriminaltechniker des LKA in Düsseldorf fanden DNA-Spuren des 21-jährigen Opfers an dem Bauteil. Ein mikroskopisch kleiner Lacksplitter vom Asphalt der Talstraße lieferte weiteren Aufschluss.

Diese Beweisstücke führten die Ermittler ans Ziel

Tödlicher Unfall auf der Talstraße aufgeklärt

Die Unfallstelle auf dem Luftbild.

Die Düsseldorfer Polizei stieß in der vergangenen Woche auf einen an der Front beschädigten Citroën mit MK-Kennzeichen, verglich die Lacksorte und fand bei einer molekulargenetischen Untersuchung des Wagens die DNA des jungen Lüdenscheiders. Außerdem fehlte der Abdeckstopfen. Damit war die Beweiskette für die Ermittler geschlossen. Polizeichef Bernd Scholz bedankte sich bei der Ermittlungskommission für die Arbeit, "bis zu 16 Stunden täglich, mit Herzblut und Hartnäckigkeit". Er habe sich vor dreieinhalb Wochen zuversichtlich gezeigt, dass der Fall aufgeklärt wird. "Ich bin froh, dass ich mein Versprechen halten konnte."
Nun laufen die Ermittlungen - wegen fahrlässiger Tötung und Unfallflucht.

Die Beschuldigte war nach Darstellung der Polizei auf dem Heimweg, nachdem sie außerhalb Lüdenscheids als Küchenhilfe "einen 200-Euro-Job" verrichtet hat, wie Petrosch sagte. "Um ihre Rente aufzubessern."

Nach derzeitigem Kenntnisstand ist ausgeschlossen, dass jemand aus ihrer Familie den Wagen in der Nacht zum 7. Mai gesteuert hat. Sowohl ihr Mann als auch ihre drei Kinder sind Pflegefälle und haben keinen Führerschein. Die 69-Jährige habe angegeben, allein in dem Citroën gesessen zu haben. Ihre Behauptung, von dem Unfall nichts mitbekommen zu haben, ist für Oliver Petrosch "schwer zu glauben".

Kommentar: Respekt verdient

Die Ermittler haben bei ihrer Suche in einem "ganz engen Zeitfenster" geforscht, wie Bernd Scholz sagte. Um 2.27 Uhr habe der Fahrer eines Renault-Twingo, der in Richtung Brügge fuhr, den 21-Jährigen gesehen, wie er die Straße entlang ging. Um 2.28 Uhr hat ein VW-Bulli-Fahrer auf dem Weg in die Stadt den Toten gefunden. Innerhalb dieser Minute hat eine Videokamera der Tankstelle an der Ecke Volmestraße den Citroën erfasst.

Die Lüdenscheiderin ist übrigens an dem Unfall-Wochenende mit ihren Angehörigen nach Düsseldorf umgezogen. Doch mit dem schrecklichen Ereignis habe das nichts zu tun. "Der Umzug war vorher geplant," sagte der Chef der Ermittlungskommission. "Der neue Mietvertrag war schon unterschrieben."

Am Montag, als die Untersuchungsergebnisse des Landeskriminalamtes vorlagen, fuhren Fahnder in die Landeshauptstadt und konfrontierten die Beschuldigte mit den Vorwürfen. Wie Petrosch berichtete, handele es sich "um eine tiefgläubige Frau". Sie habe sich bekreuzigt und geweint.

Der Opferschutzbeauftragte der Polizei, Hauptkommissar Frank-Uwe Beenß, hat in den zurückliegenden Wochen täglich Kontakt zu den Angehörigen des getöteten Lüdenscheider gehalten. Die Trauer dauere natürlich noch an, sagte Beenß. "Aber die Hinterbliebenen haben sich ausdrücklich für die detektivische Kleinarbeit der Polizei bedankt."
Festgenommen wurde die 69-Jährige nicht. Ihr Führerschein wurde sichergestellt.

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