Tanzschulen im Lockdown

Fällt Karneval aus? In Lüdenscheid finden die Partys per Zoom statt

Karneval Stadtmüller Tanzschule Lüdenscheid
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Neonfarben für die 80er-Jahre-Party: Gemeinsam mit Anja Söhle (rechts) brachte Susanne Stadtmüller von der Tanzschule S Tanzfreudige am Mittwoch via Livestream mit Hits aus den 80ern daheim ins Schwitzen.

Auch die Tanzschulen in Lüdenscheid hat der Lockdown hart getroffen. Dennoch lassen sich die Betreiber immer wieder neue Dinge einfallen, um bei den Kunden im Gedächtnis zu bleiben.

Lüdenscheid – Der Lockdown geht in die Verlängerung. Laut Beschluss des Corona-Gipfels dürfen demnächst zunächst Schulen öffnen. Einzelhandel, Kultur und Sport, Freizeit, Gastronomie und Hotelgewerbe müssen warten. Auch Tanzschulen bleiben zunächst weiterhin geschlossen. Wir fragten nach, wie es den heimischen Tanzschulen damit geht.

Technisch aufgerüstet hat die Tanzschule Stadtmüller & Tegtmeyer an der Humboldtstraße, um Kurse per Livestream anbieten und mit ihren Mitgliedern in Kontakt bleiben zu können. Gegenüber dem ersten Lockdown, als die Tanzschule mit Videos gearbeitet hat, sei dies ein Riesenvorteil, findet Susanne Stadtmüller, die die Tanzschule gemeinsam mit Marc Tegtmeyer betreibt. „Alle Kurse laufen über Zoom oder eine Nimbuscloud für Mitglieder“, erklärt sie.

Ob Kindertanz, HipHop, Line Dance oder Discofox – alles ist möglich. Die Resonanz ist unterschiedlich. Einige Kursteilnehmer nutzen fast das gesamte Programm und sind zwei- bis dreimal pro Woche am heimischen Bildschirm dabei, wenn sich das Team der Tanzschule vom technisch hochgerüsteten Saal 3 mit Tanzkursen zum Mitmachen zuschaltet. „Jetzt kann man sich auch sehen und miteinander unterhalten“, meint Susanne Stadtmüller, die am Donnerstag gemeinsam mit Anja Söhle zur 80er Jahre Party via Livestream bat.

Die Tanzschule ins eigene Wohnzimmer holen

Dass manche sich noch nicht trauen, beim Streaming mitzumachen und sich damit quasi die Tanzschule ins eigene Wohnzimmer zu holen, findet sie schade. „Diejenigen, die mitmachen, sehen sich auch.“ Dadurch komme auch die soziale Komponente zur Geltung. Ihr selbst als Tanzlehrerin biete das Streaming zudem Gelegenheit, bei Bedarf Bewegungsabläufe der Schüler zumindest mündlich zu korrigieren. Angeschlossen hat sich die Tanzschule S der „TanzKultur“, einem Zusammenschluss von Tanzschulen in NRW, der Live-Stream-Veranstaltungen anbietet. „Die machen viel Programm“, erzählt die Lüdenscheiderin. Live-Cooking aus ihrer eigenen Küche mit Rezepten zum Nachkochen habe es bereits gegeben. Diesen Sonntag soll eine „TanzKultur“-Online-Kostümparty für Kinder mit Tom Lehel, dem Dino-Maskottchen, viel Tanz und guter Laune kleine Jecken daheim in Karnevalsstimmung versetzen.

Auf das traditionelle Rosenmontagsprogramm der Tanzschule (per Zoom) – Eintritts-Passwort lünschehalü – müssen die Kinder deswegen trotzdem nicht verzichten. Karnevals-Überraschungstüten, die sich die Jungen und Mädchen vorab in der Tanzschule abholen können, stehen für die etwas andere närrische Zeit schon parat.

Auch den Valentinstag möchte die Tanzschule nicht ungenutzt verstreichen lassen. Geplant am Tag der Liebenden (14. Februar) ist ein Tanzspecial für Einsteiger, die online die passenden Schritte zu Ed Sheerans romantischem Song „Perfect“ einstudieren können. Eine Kooperation mit der Fitness-Factory erweitere das Online-Angebot.

Nichtsdestotrotz sehnen Lehrer und Mitglieder den Präsenzunterricht herbei. „Hauptanliegen unser Kursteilnehmer ist, sich wiederzusehen“, sagt Susanne Stadtmüller. Nach Coronahilfen gefragt, kommt ein „Jein“. Förderung hat die Tanzschule für die Anschaffung des technischen Equipments erhalten. „Ansonsten werden wir sehr hingehalten.“

Räumliche Enge als Problem

„Wir warten sehnsüchtig darauf, dass wir wieder öffnen dürfen“, sagt Norbert Hötschl vom Tanzcenter Hötschl am Honseler Bruch. Bewusst hat sich der Familienbetrieb gegen Onlineangebote entschieden. „Onlinekurse sind nicht praktikabel“, findet der Tanzlehrer und Tanzsporttrainer. Für „Leute, die schon 30 Jahre tanzen“ seien Onlineangebote nichts. „Man macht fünf Schritte und dann ist das Wohnzimmer zu Ende“, verweist er auf die räumliche Enge im häuslichen Umfeld. „Für unsere langjährigen Kunden ist das gar nichts.“ Beim Walzer beispielsweise sei nach sechs Schritten die nächste Wand da. Zudem gebe es bei Onlinekursen nicht die Möglichkeit, direkt ins Tanzgeschehen einzugreifen. Auch die Geselligkeit fehle. Er habe zwar mit vielen Kollegen gesprochen, sich persönlich aber gegen Onlineangebote entschieden.

Zu seinen Kunden hält das Tanzcenter Hötschl trotzdem „sehr guten Kontakt“. So schnell es geht, möchte die Tanzschule wieder ihre Arbeit aufnehmen. Für neue Kurse brauche es allerdings eine gewisse Vorlaufzeit. Sofort starten könnten allerdings die im Oktober zwangsweise unterbrochenen Kurse. „Diese Kurse werden sofort aufgegriffen“, verspricht Norbert Hötschl. Von den versprochenen Coronahilfen hat die Tanzschule bisher „noch keinen Cent gesehen.“ „Das ist der vierte Monat, in dem wir alles finanzieren.“ Nicht nur die Tanzschule, auch die Kunden sehnen die Öffnung der Tanzschule herbei. „Die Kunden möchten auch tanzen, das höre ich aus jedem Telefonat.“

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