KVWL-Sprecher schlägt Alarm

„Bevölkerung wird verunsichert“: Facharzt aus MK kritisiert Corona-Politik 

Jakob Maske, Kinder- und Jugendarzt, zieht den Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech-Pfizer in eine Spritze.
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An Impfstoff mangelt es mittlerweile nicht.

Mehr Impfstoff als vorhandene Nachfrage ist zumindest in den Impfzentren des Märkischen Kreises ein Problem. Aber auch in den Arztpraxen des Kreises ist die Situation nicht besser.

Lüdenscheid – Die Folge: ausbleibende Termine, keine Absagen und viel Hektik, um den Impfstoff dennoch an den Mann oder die Frau zu bringen.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl 72.313 (Stand: 31.12.2019)

Dies bestätigt Dr. Martin Junker, Lüdenscheider Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL). „In den Praxen wird sehr viel Arbeit damit verbracht, die Termine zu verschieben. Der bürokratische Anteil ist in den vergangenen Wochen noch höher als zu Beginn der Corona-Impfzeit“, sagt Junker, der eine klare Ursache dafür bei der Politik sieht.

Facharzt aus MK kritisiert Corona-Politik: Transparenz der Entscheidungsträger fehle

„Impftermine nicht wahrzunehmen und sie noch nicht einmal abzusagen, ist natürlich nicht in Ordnung. Aber auf eine gewisse Art und Weise kann ich die Leute schon verstehen. Die Bevölkerung wird verunsichert, weil sie keine klare Linie erkennt“, sagt der Allgemeinmediziner aus Olpe, der seit mehr als 40 Jahren eine eigene Hausarztpraxis führt.

Die Verunsicherung der Patienten sei der Tatsache geschuldet, dass es immer wieder neue Meldungen in Bezug auf die einzelnen Impfstoffe gebe, erklärt Junker.

„Unberechtigterweise wird der Astra-Impfstoff zu einem Ladenhüter gemacht. Das ist sicherlich nicht nachzuvollziehen. Gerade mit Blick auf die Tatsache, dass viele Länder die Leute nur als vollständig geimpft ansehen, wenn sie bei beiden Impfungen auch den gleichen Impfstoff erhalten“, verweist Junker unter anderem auf die USA.

Auch die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), mit Astrazeneca Erstgeimpften als zweite Dosis einen mRNA-Impfstoff zu verabreichen, sieht Junker zumindest als kritisch an. Nicht aufgrund der Tatsache, dass er es für falsch hält, sondern, weil einfach die Transparenz fehle.

Facharzt aus MK kritisiert Corona-Politik: Grundlage für Entscheidungen fehle

„Uns als niedergelassenen Ärzten fehlt die Grundlage. Die Studien werden nicht großflächig veröffentlicht. Die Entscheidungen werden von Wissenschaftlern, die in ihrem Elfenbeinturm sitzen, zusammen mit Politikern am grünen Tisch durchgedrückt. Die Basis wird überhaupt nicht in die Entscheidungen oder Empfehlungen mit einbezogen. Dabei müssen wir den Patienten im Endeffekt die Empfehlungen aussprechen.“ Generell sei die Einschätzung, ob eine Impfung mit zwei verschiedenen Impfstoffen die bessere Lösung sei, nach Meinung Junkers derzeit noch nicht seriös zu beantworten.

Der Astra-Impfstoff wird zu einem Ladenhüter gemacht.

Dr. Martin Junker

„Dazu wurde noch viel zu wenig geforscht. Da können wir auch in eine Glaskugel gucken.“ Vielmehr vertraut Junker allen Impfstoffen, die in Deutschland zugelassen sind. Deswegen wäre es für den Bezirksstellenleiter auch die richtige Option gewesen, frühzeitig auf eine Impfpflicht zu pochen.

„Doch dieser Zug ist mittlerweile wohl abgefahren, da wollen sich die Parteien im Wahljahr nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, um nicht die immer mehr werdenden Querdenker gegen sich zu haben.“

Für ihn sei ein allgemeiner Impfschutz aber unerlässlich, um die Pandemie auf Dauer in Schach zu halten. „Deswegen hoffe ich, dass sich auch die Zauderer und Nörgler impfen lassen. Dann würden auch sie Zivilcourage zeigen und wieder allen ein ,normales‘ Leben bescheren.“ Impftermine gibt es dafür zur Genüge.

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