Die Fotografie prägt die Menschen

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Bernhard Seltmann, Preisträger Fabian Rockenfeller, Arno und Frank Seltmann nach der Preisübergabe.

Lüdenscheid - „Im Fachjargon nennen wir sie die ,fabulösen Seltmänner’, die den Glauben an das Fotobuch aufrecht erhalten!“ Markus Schaden fasste sich Sonntagvormittag kurz, aber prägnant. Der Vorsitzende der Jury für den Fotowettbewerb „geschossen + gedruckt“ dankte der Familie Seltmann bei der Eröffnung der gleichnamigen Ausstellung für ihre unermüdliche Initiative, sich auch im 175. Jahr der Fotografie für eben diese stark zu machen.

Von Jutta Rudewig

Zuvor hatte Senior-Chef Frank Seltmann im Rahmen der Ausstellungseröffnung in der Städtischen Galerie an der Sauerfelder Straße keinen Zweifel daran gelassen, dass technische und soziale Veränderungen die Druckindustrie treffen wie kaum eine andere, man könne kaum noch mit der Entwicklung Schritt halten. Dem unaufhaltsamen Aufstieg des Internets stünde eine über 500 Jahre gewachsene Struktur des Druckergewerbes gegenüber. Umso mehr sei er, Seltmann, stolz darauf, diesem Abwärtstrend zu trotzen – mit Wettbewerben wie „geschossen + gedruckt“: „Die Fotografie prägt die Menschen an der Spitze unseres Unternehmens.“ 2004 war aus werbetechnischen Gründen dieser Fotowettbewerb aus der Taufe gehoben worden. Heute habe er sich zu einem Forum für innovative Fotografie entwickelt.

Arno Seltmann zeichnete schließlich den Preisträger aus: Fabian Rockenfeller, für seine Serie „Natur vs. Kultur“. Die Fotografien von Fabian Rockenfeller überzeugten die Jury durch eine starke, ikonische Komposition. „Die zentrierten und schlaglichtbeleuchteten Motive entfalten in aller inhaltlichen Schwere eine explosive Kraft, donnern nach vorn und sprengen den Rahmen. Der Mensch im Kampf mit sich selbst, den selbst auferlegten Regeln, eingeklemmt zwischen Festplattenspeichern und dem stummen Diener. Geknickt und belastet, gebrochen und ausgekotzt, die Szenarien lassen keinen anderen Schluss zu: Entweder man bricht zusammen oder man explodiert“, heißt es in der Begründung der Jury. Rockenfeller darf nun gemeinsam mit „seltmann printart“ ein eigenständiges Fotobuch entwickeln.

Im Anschluss an die Eröffnung bestand für die annähernd 200 Gäste ausreichend Gelegenheit, die Fotoserien zu betrachten. Auf großes Interesse stießen bei den Besucher unter anderem die Schwarzweiß-Körperportraits von Maren Demant, bei denen das Interieur die Körper in eingeschränkte Posen verengt. Faszinierend sind auch die Aufnahmen der jungen Fotografie-Studentin Christina Morkel im Untergeschoss der Galerie, mit denen sie bereits im vergangenen Jahr den „Kunst-Werk Mediapreis Arnsberg“ gewann. Auf den Bildern sind verschiedene Hautpartien von Morkels Großmutter zu sehen, die ohne Voyeurismus und in aller Zerbrechlichkeit von einem harten Leben erzählen. Zur Suchbildreihe dagegen wird Dieter Schwers „Pacolino“. Der Frankfurter Fotograf fotografierte den gleichnamigen Hund, eingebettet in verschiedene Landschaften.

Einige der Fotoserien konnten aus Platzgründen nicht aufgehängt werden – „uns fehlten so ungefähr 20 Meter Fläche“, so Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen bei der Eröffnung. Aber man denke daran, zur Hälfte der Ausstellungszeit die eine oder andere Serie gegen eine auszutauschen, die derzeit im Depot lagert. „geschossen + gedruckt“ ist bis zum 30. August zu sehen.

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